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Doppelte Wachstums-Champions in Remscheider Wirtschaft

Remscheider Wirtschaft : Doppelte Wachstums-Champions

Beim Ranking von Focus und Statista kamen PoTec und Harg Bau unter die 500 wachstumsstärksten Unternehmen.

Er ist zum zweiten Mal in Folge Wachstumschampion. Auf den Lorbeeren ausruhen will sich Baris Ünsal aber nicht. „Wir haben vom Gefühl her zehn Prozent geschafft“, sagt der Geschäftsführer der PoTec GmbH. Der Remscheider Händler für Autoteile kam in diesem Jahr auf Platz 97 beim Wettbewerb von Focus und Statista. Das Magazin und das Statistik-Onlineportal zeichnen jährlich 500 deutsche Wachstumschampions aus. Eine Voraussetzung für die Teilnahme: Der Umsatz musste von 2013 bis 2017 von mindestens 100.000 Euro auf mindestens 1,8 Millionen Euro gestiegen sein – bei überwiegend organischem Wachstum.

Die PoTec GmbH, die beim Vorjahreswettbewerb bereits Platz 166 erreicht hatte, will 2018 rund acht Millionen Euro umsetzen. „Ich sehe noch sehr viel Potenzial“, sagt Ünsal, der die Geschäfte der 2009 gegründeten Firma seit 2011 führt. Er setzte auf den Online-Verkauf: Aus der von seinem Vater Yüksel Unsal und seinem Onkel Metin Ünsal betriebenen „Garagenfirma“, die Remscheider Werkstätten mit Kfz-Teilen und Werkzeug belieferte, wurde ein Unternehmen mit Kunden in ganz Deutschland, Holland, Österreich und der Türkei.

Der Remscheider Laden sorgt nur noch für zehn Prozent vom Umsatz. Zirka 60 Prozent macht das Geschäft über Ebay, etwa 30 das über Amazon aus. „Wir senden aktuell 22.000 Pakete im Monat aus unserem Lager an der Freiheitstraße“, berichtet der 29-jährige gebürtige Remscheider. „Weitere rund 15.000 werden über Amazon verschickt.“ Die große Nachfrage nach Verschleiß- und Zubehörteilen sowie Werkzeug liege auch daran, dass viele junge Leute selbst an ihren Autos schraubten.

Wobei ein Teil des Werkzeugs zwar noch von Remscheider Herstellern stammt, Produkte der Eigenmarke „Tecpo“ aber in Taiwan und China gefertigt werden. „So richtig ging es dieses Jahr los“, erläutert Baris Ünsal. Habe man 2017 noch Waren im Wert von 50.000 bis 60.000 Euro eingeführt, liege der Wert in diesem Jahr bereits bei einer halben Million Euro. Der Markt für Autoteile und -werkzeuge entwickle sich rasant. „Aber man muss es richtig machen. Einige Wettbewerber sind schon nicht mehr am Markt.“

Zur richtigen Strategie gehörte auch ein 2016 angeschafftes ERP-System. Ünsal: „Wir haben eine sechsstellige Summe investiert.“ Mitte 2019 steht die Entwicklung einer Software für B2B-Händler auf dem Programm. Das System soll mehr als 200.000 Artikel beinhalten – von Zulieferern sowie aus dem eigenen Lager. „Im Endeffekt wollen wir dann zwei- bis dreimal täglich die Werkstätten in den drei bergischen Großstädten beliefern.“

„Wir sind weiter eine große Familie“, unterstreicht Ünsal. Neben Vater und Onkel, der auch Geschäftsführer ist, sind Geschwister und ein Cousin bei der PoTec GmbH tätig. „Aber zu unseren 28 Mitarbeitern könnte ich 20 weitere brauchen.“

Gute Mitarbeiter sind auch der Rückhalt von Harun Gudzevic. Der 43-Jährige kam mit seiner Harg Bau GmbH auf Platz 326 unter den 500 wachstumsstärksten Unternehmen. Der Boom in der Baubranche bringt dem gebürtigen Serben, der seit 1997 in Deutschland und seit 2000 in Remscheid lebt, gut dreimal so viele Aufträge, wie er mit seinen etwa 35 Beschäftigten stemmen kann. „Wir kämpfen sieben Tage die Woche.“

Gudzevic kämpfte ab 2010 als Einzelunternehmer; 2014 wandelte er seine Firma in eine GmbH um. Vor seiner Selbstständigkeit war der gelernte Elektrotechniker sieben Jahre lang als Polier für eine Düsseldorfer Firma tätig. Das Metier seiner GmbH sind Rohbauarbeiten jeder Art – von Kläranlagen und gewerblichen Bauten über Kindergärten und Wohnhäuser bis zu imposanten Bürotürmen. „Unser größtes Projekt war 2016/17 das Bürohaus La Tête in Düsseldorf“, erläutert der Unternehmer. Aber auch das „Panta Rhei“, ebenfalls in der Landeshauptstadt, findet sich unter den Referenzen. Gudzevic: „Zurzeit sind wir gerade für die Deutsche Bahn im Leskanpark in Köln-Dellbrück tätig. Dort entstehen ein Seminargebäude und ein Hotel, aber auch eine Werkstatt.“

Gleichzeitig sind die Remscheider im Petrus-Krankenhaus in Wuppertal im Einsatz, wo eine neue Station errichtet wird. Größtes Projekt am Firmensitz war in diesem Jahr der Neubau der Firma Orthopädietechnik Schein für den Mieter Lebenshilfe am Jägerwald. Dort arbeitete Harun Gudzevic für die August Dohrmann GmbH – einem von rund einem Dutzend Generalunternehmern, mit denen Harg Bau kooperiert. Ab nächstem Frühjahr geht es dann um 200 Wohnungen in Essen-Rüttenscheid. Außerdem sind die Rohbau-Experten dann auf zwei weiteren Düsseldorfer Baustellen tätig: den Bürohäusern Arcadia Stern und Kasernenstraße 45-51.

„In der Öffentlichkeit sind wir nicht so bekannt, weil wir Lohnleistung machen“, erklärt Gudzevic. Die aber so stark gefragt ist, dass es auch in diesem Herbst wieder nur für eine Woche Urlaub im Herbst und zwei im Winter reicht. Ehefrau Alisa arbeitet als Prokuristin ihres Mannes, der 2018 gut vier Millionen Euro Umsatz erwartet. Weil es auch von 2013 bis 2017 rasant nach oben ging, hat Remscheid jetzt zwei Wachstumschampions.