Remscheid: Die Spriestersbach-Sammlung schlummert im Stadtarchiv

Remscheid: Die Spriestersbach-Sammlung schlummert im Stadtarchiv

Was über die innere Beschaffenheit und die Geschichte der Remscheider Berge und Täler bekannt ist, verdankt sich der wegweisenden Forschungsarbeit des Lehrers Julius Spriestersbach (1871 bis 1945). In seiner Freizeit schürfte der langjährige Direktor der damaligen Reinshagener Schule in den geologischen Schichten. Er sammelte eine Vielzahl an Gesteinsproben, um mit ihnen in die urzeitliche Atmosphäre von vor mehr als 380.000 Millionen Jahren abzutauchen und zu erzählen, wie der Grund entstanden ist, auf dem die Stadt erbaut wurde und heute steht.

Die Fossilien und Steine von Spriestersbach existieren noch. Sie lagern im städtischen Archiv und schlummern vor sich hin. Der aktuelle Standort ist auch das vorläufige Ende einer Geschichte um die Sammlung Spriestersbach, die 1983 richtig Fahrt aufgenommen hatte. Verbunden ist sie mit dem Namen Dr. Christos N. Litsakes. Der Naturwissenschaftler sollte sich um diesen geologischen Schatz kümmern.

"Wer von der Vergangenheit nichts weiß, der erfasst die Gegenwart nicht", sagt Litsakes, langjähriger Bereichsleiter bei der Volkshochschule und heute im Ruhestand. Er hat damals innerhalb weniger Jahre die Sammlung aufgearbeitet und Ausstellungen und Führungen konzipiert, um den Remscheidern die Erdgeschichte vor ihrer Haustüre näher zu bringen.

Einen kleinen Teil der Sammlung entdeckte Litsakes in der Berliner Humboldt-Universität und holte sie nach Remscheid. Die Angelegenheit beschäftigte auch den Rat der Stadt. Die Spriestersbach-Sammlung braucht kompetente Betreuung, hieß es damals. Litsakes Stelle wurde in eine unbefristete Anstellung verwandelt. Einen festen Standort haben die Steine nie gefunden. Schon gar nicht eine populäre Präsentation. Eine Ausstellung im Allee-Center oder in der Adler-Apotheke. Das war's. Litsakes sieht diese Entwicklung Richtung Vergessenheit mit einem blutenden Herzen. Er hat viel Arbeit hineingesteckt, Aufsätze und Bücher geschrieben. Das Verschwinden in der Dunkelkammer Archiv konnte er nicht verhindern. "Ab und zu kommt ein Forscher aus Köln oder Bochum und möchte die Sammlung sehen", sagt Dr. Andreas Wallbrecht, Direktor des Historischen Zentrums, und zuständig für das Archiv. Mehr als die Steinesammlung sorgfältig zu lagern, könne die Stadt nicht leisten. Die Spriestersbach-Sammlung ist nicht die einzige Sammlung von Bedeutung, die Remscheid nur aufbewahren kann. Für den Nachlass von Teo Otto, die Bilder von Hasenclever oder von Gerd Arntz besitzt die Stadt ebenfalls keine Kapazitäten und Räume, um sie ihrem jeweiligen Rang angemessen in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Immerhin trägt noch eine Schule und eine Straße den Namen des großen Paläontologen.

(RP)