Die Macht der Intendanz sträflich halbiert

Ansichtssache: Die Macht der Intendanz sträflich halbiert

Nach dem Ausscheiden von Dr. Christian Henkelmann zeigt sich deutlich, wie die Parteien kulturpolitisch versagt haben.

Das Teo Otto Theater ist ein attraktiver und angesehener Arbeitsplatz. Das bestätigen die 24 Bewerbungen für die Stelle der künstlerischen Leitung. Die Beschreibung der Aufgaben liest sich aber wie ein Profil, mit dem der neue Intendant quasi bereits vor Amtsantritt in die Überforderung getrieben wird.

In der Kulturszene gibt es einen Hang zur Selbstausbeutung. Das kennt jeder Künstler und Kulturschaffende. Befremdlich scheint nur, dass Selbstausbeutung unausgesprochen vorausgesetzt wird. Verlangt wird nämlich neben dem Kerngeschäft, einen guten Spielplan zu erstellen, das Theater in die Stadtgesellschaft zu öffnen, wie es heißt, und die Zusammenarbeit mit den Schulen durch qualifizierte theaterpädagogische Angebote zu entwickeln. Diese Mammutaufgabe ist der Stadt nur eine halbe Stelle wert.

Das Teo Otto Theater wird gerne als das kulturelle Wohnzimmer Remscheids bezeichnet. Das betonen alle Bürger und Politiker immer wieder. Wie kann es daher sein, diesen herausgehobenen Ort nur von einer Halbtagskraft verantwortlich leiten zu lassen? Das entwertet sein Ansehen und beschneidet die Macht des Amtsinhabers.

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Nach dem Ausscheiden von Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann zeigt sich deutlich, wie die Parteien kulturpolitisch versagt haben. Auf ganzer Linie. Niemals hätten sie bei der Festlegung des Plans zum gebotenen Personalabbau einer Halbierung zustimmen dürfen. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen. In einer Stadt, in der die Schicht der interessierten Kulturbürger immer weniger zu werden scheint, muss sich das Teo Otto Theater umstellen.

Die Herausforderung liegt darin, viele kulturelle Vorlieben zu befriedigen. In einer Zeit, die durch eine fortschreitende Singularisierung geprägt ist, könnte dieser öffentliche Raum wieder ein wichtiger Treffpunkt für die Bürger werden. Ein Ort, an dem man sich darüber austauschen kann, wie wir in Zukunft leben wollen.

Dazu braucht es aber mehr, als Konfektionsware aus dem Kulturbetrieb einzukaufen. Mehr Experimente, mehr Ungewöhnliches und Unbekanntes sollte künftig zu sehen sein. Sonst erstarrt das Theater wie ARD und ZDF, die immer noch "Der Alte" und Sokos von irgendwo zeigen. Mit einer halben Stelle ist dieser Anspruch nicht zu verwirklichen, auch nicht durch Selbstausbeutung.

(RP)