Remscheid: Die Lutherkirche, ein Symbol für den Gemeinsinn

Remscheid: Die Lutherkirche, ein Symbol für den Gemeinsinn

Durchs Dach der Lutherkirche tropft kein Regenwasser mehr. Der einst rostige Wetterhahn glänzt wieder gülden am Himmel über Remscheid, und die Risse in der roten Backsteinmauer sind nach alter Handwerkskunst gekittet. Die Sanierung der Lutherkirche hat mich in diesem Jahr besonders beeindruckt, weil dort vieles zusammentrifft, was eine lebens- und liebenswerte Bürgergesellschaft ausmacht. Es ging um mehr als Geld.

Alleine hätte die Gemeinde die Kosten von drei Millionen Euro für eine Sanierung niemals stemmen können. Nicht einen Moment aber gab es eine ernsthafte Diskussion darüber, ob die Kirche nicht geschlossen werden soll. Ausreichend Platz für die schrumpfende Gemeinde hätte es in anderen Gotteshäusern gegeben. Doch das reine, ökonomische Denken blieb außen vor. Auch Bürger, die dem christlichen Glauben nicht nahestehen, wollten sich nicht mit der Vorstellung anfreunden, ein solches Bauwerk dem langsamen Verfall preiszugeben.

Foto: Stephan Köhlen

Die lange Liste der privaten Spender - und seien es auch nur zehn Euro - zeigt, wie solidarisch die Bürger sein können, wenn es um etwas geht, was ihnen wichtig ist. Die Lutherkirche dient nicht nur als Gottes- und Konzerthaus, sie prägt das architektonische Bild der Stadt wie nur wenige andere Gebäude. Sie steht für die schönen Seiten der Stadt. Jene Seiten, die die ausgeschiedene Stadtführerin Melanie Clemens kurz vor ihrem letzten Rundgang in einem Satz beschrieb: "Wir haben in Remscheid alles, was man zum Leben braucht." Das Dach der Lutherkirche soll 100 Jahre halten. Es lässt sich als Symbol für Gemeinsinn betrachten.

(cip)