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Remscheid: Die Last mit den schweren Lastern

Remscheid : Die Last mit den schweren Lastern

Die Anwohner in Linde klagen über zunehmenden Verkehr vor der Haustüre. Sie warten seit einem Jahr auf zugesagte Verbesserungen.

Als die Familien Schumann und Crowange 2009 in ihre Häuser an der Linde in Lüttringhausen einzogen, zählte die schmale Straße zu den verkehrsarmen Zonen. Der Bus fuhr durch, die Anwohner mit ihren Autos und ab und zu ein Laster aus dem angrenzenden Gewerbegebiet. Vor allem Laster von Dirostahl, dem größten Arbeitgeber dort.

Die Häuser der Familien liegen so, dass kaum ein Laster an ihrer Haustüre vorbeifahren müsste, wenn die Lkw denn den Weg über die Brücke Linde nehmen würden. Die Brücke ist die vorgesehene Zufahrt für das Gewerbegebiet von der Barmerstraße aus. Für viel Geld wurde sie kürzlich in zweijähriger Bauzeit neu errichtet. "Die neue Brücke wird aber überhaupt nicht mehr genutzt. Da fährt kein Laster drüber", sagt Thomas Crowange (42). Stattdessen brettern die Transporter, weil es bequemer und weniger kurvenreich sei, durch die enge Straße - von morgens bis spät abends. Für die Schumanns und Crowanges eine zermürbende Situation, zumal sie seit einem Jahr auf zugesagte Hilfen wie Tempo 30-Schilder warten.

Die beiden Lüttringhausener zeigen Verständnis für die Belange der im Industriegebiet angesiedelten Unternehmen. Es sei keine Frage gewesen, dass während der Umbauzeit für die Brücke die Laster durch die Straße Linde fahren konnten. Aber sie hatten eigentlich die Hoffnung, dass nach der Fertigstellung der Brücke die alten Verkehrswege wieder genutzt werden. "Das ist eine traurige Entwicklung", sagt Angelika Schumann.

Foto: Peter Meuter

Besonders enttäuscht waren die Anwohner vom Nachgeben der Bezirksvertretung Lüttringhausen. Die SPD hatte sich dafür ausgesprochen, an der Straße Linde Lkw auch künftig über die verlängerte Linksabbiegespur in den Tannenbaumer Weg fahrenzulassen. Der Verkehr werde über zwei Zufahrten deutlich entzerrt, hieß es.

Von Entzerren kann aus Sicht der Anwohner keine Rede sein. Im Gegenteil. "Es wird schlimmer", sagt Schumann. Die Anwohner hatten an einem Werktag mal die Laster gezählt, die zwischen 12 Uhr mittags und 17 Uhr durch die Straße rasten: Sie kamen auf 127 Fahrzeuge.

Während der Wartezeit auf die Schilder für die 30er-Zone, hat man eigene Mittel zur Tempodrosselung eingesetzt. "Auf Anraten unseres Bezirkspolizisten parken wir unsere Autos nicht mehr halb auf dem Bürgersteig, sondern am Straßenrand", sagt Schumann. In der Erwartung, dass die Lastwagenfahrer den Fuß vom Gaspedal nehmen. So richtig erfolgreich sei man damit nicht geworden. Abgefahrene Spiegel und demolierte Seitentüren sind vermehrt zu beklagen, ohne dass sich ein Verursacher gemeldet hätte.

Von der Tempo 30-Zone, die laut Stadt in dieser Woche eingerichtet werden soll, erhoffen sie sich keine durchschlagende Wirkung. "Da kommt doch keiner und kontrolliert", sagt Crowange. Die Anlieger wünschen sich nach ihren jüngsten Erfahrungen, die Straße Linde für den Lastverkehr zu sperren. Von beiden Seiten. Die An- und Abfahrt zum Gewerbegebiet sollte ausschließlich über die Brücke erfolgen. Nur wenn Fahrzeuge von Dirostahl ihr Lager anfahren müssen, sei die Durchfahrt erlaubt. Nach Auskunft von Bernd Wilde (TBR) werde der Landesbetrieb Straßen bald ein Schild auf der Barmer Straße installieren, das Lkw das Linksabbiegen verbietet. "Wir müssen die Situation beobachten", sagt Wilde.

Als die Familien Schumann und Crowange vor acht Jahren nach Lüttringhausen zogen, war die Fahrbahndecke vor ihrer Haustüre in Ordnung. Inzwischen ist sie eine Buckelpiste, von Hunderten von Lastern kaputtgefahren. Ein Ende von Lärm und Zerstörung ist für sie nicht in Sicht.

(RP)