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Remscheid: Die großen Leiden des kleinen Max

Remscheid : Die großen Leiden des kleinen Max

Am Landgericht wurde der Prozess wegen Kindesmisshandlung fortgesetzt.

Traumatisiert, unsicher und voller Angst: So beschrieb gestern die Mitarbeiterin einer Jugendhilfeeinrichtung die seelische Verfassung der Mutter des kleinen Max. Seit dem ersten Kontakt in der Reha-Einrichtung im letzten Herbst habe man ein Vertrauensverhältnis zueinander aufgebaut. Die wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagte Mutter des Jungen habe unter Tränen von den Erlebnissen in der Beziehung mit ihrem Lebensgefährten erzählt, der sich nun vor dem Wuppertaler Landgericht wegen Kindesmisshandlung zu verantworten hat.

Der Mann habe ihren Sohn auf den Fußboden geknallt und an den Armen an der Wand entlang gedrückt. Sie selbst sei weggeschubst, ausgesperrt und eingeschlossen worden, als sie ihrem Sohn habe helfen wollen. Gesprochen habe die Angeklagte auch über den sexuellen Missbrauch und die Misshandlungen in der eigenen Kindheit und Jugend. Von Ihrer Schwangerschaft habe in der Familie bis zum siebten Monat niemand etwas gemerkt. Der Kindsvater sei nicht verlässlich gewesen und habe sie erst betrogen und dann verlassen.

Um sich die Geschehnisse vor der Tat zu vergegenwärtigen, hörte das Gericht gestern aufgezeichnete Handygespräche der Angeklagten. Darin wurde auch über den damals dreijährigen Sohn der 21-Jährigen gesprochen. Er habe ins Kinderzimmer "gepinkelt", den Stiefvater belogen und er solle auf dem Boden liegenbleiben und nicht ins Bett gehen. Der Mann hatte offenbar rigorose Vorstellungen zur Erziehung des kleinen Max. Einmal verließ er wütend die Wohnung, weil er sich vom Sohn seiner Lebensgefährtin hintergangen gefühlt hatte.

Gesprochen wurde auch über Verletzungen des Jungen, die der Angeklagte eingecremt oder mit Eiswürfel gekühlt haben will. Mal sei die Nase nicht abgeschwollen, ein anderes Mal wollte die Mutter wegen der blauen Flecken im Gesicht nicht mit ihrem Sohn auf den Spielplatz gehen.

Scheint die Beziehung in den ersten Wochen harmonisch begonnen zu haben, entwickelte sie sich aus Sicht der 21-Jährigen in problematisches Fahrwasser hinein. Ihr Freund sei zunehmend dominant und aggressiv geworden. Die Sauberkeitserziehung des Kindes scheint zum Streitthema innerhalb der Beziehung geworden zu sein. "Wenn er nicht in seinem Zimmer bleibt, reiße ich Dir den Kopf ab", drohte der Angeklagte seiner Lebensgefährtin mit Konsequenzen.

Als Freunde des Paares das Jugendamt informieren wollten, wurde die Mutter am Telefon sehr deutlich. Man solle sie und ihr Kind in Ruhe lassen, ihrem Sohn gehe es gut.

(RP)