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Remscheid: Die Adler plagen Nachwuchssorgen

Remscheid : Die Adler plagen Nachwuchssorgen

Dem größten Radsportverein in der Region fehlen Jugendliche, obwohl die Lüttringhausener ein großes Angebot haben.

Für die Jungs, die sich jeden Freitag auf dem Parkplatz an der Beyenburger Straße in Lüttringhausen versammeln, um zwei Stunden durchs Bergische Land zu touren, spielt es keine Rolle, ob es in ihrer Stadt genügend Radwege gibt. "Unser Revier ist das Gelände", sagt Ingo Lüdtke (58).

Der gebürtige Wuppertaler ist einer von mehreren Jugend-Trainern, die sich beim RV Adler Lüttringhausen in verschiedenen Abteilungen um den Nachwuchs kümmern. Dabei wird unterschieden zwischen lizenzierten Rennfahrern und den angehenden Rennfahrern, zwischen Rennradfahrern und Mountainbikern. Lüdtke, der schon seit über 40 Jahren Mitglied in dem Verein ist, hat sich auf die Mountainbiker spezialisiert. Unterstützt wird er von Helmut Pott. Zusammen leiten sie eine Aufbaugruppe, in der auch junge Breitensportler unterwegs sind.

"Man kann die Breitensportler allerdings nicht mit den Vollgas-Fahrern mischen. Daher wird sich diese Gruppe hier später teilen", erklärt Pott, der bei den Adlern die Jugendliche fördert, die in die Fußstapfen des 18-jährigen Nachwuchstalents Kilian Lendermann treten wollen: Der junge Remscheider wurde beim letzten NRW-Fun-Cup Dritter und erreichte beim 24-Stunden-Rennen "Night on Bike" in Radevormwald im Sechser-Team sogar den ersten Platz.

Obwohl Lendermann nur einer von vielen Vorzeige-Sportlern des traditionsreichen Vereins ist und der RV Adler im Bergischen laut Jugendleiter Mike Milling (37) "in Sachen Radsport immer noch die Nase vorn hat", könnte die Lage besser sein. "Auf dem Papier sind unsere Mitgliederzahlen konstant", sagt Milling, der im Verein einer der besten Rennradfahrer ist. "Leider verbergen sich hinter diesen Zahlen aber auch etliche Mitglieder, die aktiv kaum noch dabei sind." Ändern würde sich dieser Zustand, "wenn der RV Adler mehr junge Leute für den Radsport begeistern könnte".

Das sei jedoch nicht der Fall, klagt der Jugendwart und nennt den Grund: "Den Schub fürs Radfahren haben in erster Linie E-Bikes und Pedelecs gebracht." Dafür gebe es im Verein jedoch keine passende Abteilung. Was Milling schade findet, "weil ein Sportler mit einem E-Performance-Bike gerade im Bergischen Land durchaus voll auf seine Kosten kommen kann". Man müsse eigentlich nur ein paar Köpfe finden, die bereit wären, "sich im Verein für die elektronischen Radfahrer zu engagieren".

Für ihn persönlich komme das jedoch nicht in Frage. "Ich bin wie Ingo Lüdtke und Helmut Pott ein Freund der reinen Muskelkraft", schmunzelt Milling, der betont, dass er die E-Biker hiermit keinesfalls diskreditieren möchte. "Fahren mit dem E-Bike ist allemal besser als gar nicht zu radeln." Allerdings sollten nicht auch noch Kinder und Jugendliche damit anfangen, "sich den Antrieb aus der Steckdose zu holen". Vielmehr sei es bei jungen Menschen wichtig, möglichst früh Muskeln und Kondition aufzubauen. "Nur wer nicht sofort an seine körperlichen Grenzen stößt, kann im nächsten Schritt an seiner Technik feilen", konstatiert Milling.

Aus diesem Grund habe er auch gemeinsam mit den anderen Jugendtrainern das Sommertraining von April bis Oktober durch ein Wintertraining in der Halle ergänzt. "Damit vermeiden wir, dass Kids, die Biken als einzigen Sport betreiben, in den Wintermonaten an Fitness einbüßen." Für Lüdtke, den Trainer der jungen Mountainbiker, zählt dabei noch ein anderer Aspekt: "Wir wollen nicht nur Radtechniken vermitteln, sondern auch Spaß und Abwechslung bieten." Den Nachwuchs lediglich auf Leistung zu trimmen sei ein Konzept, das heute "nur noch die ganz Sportlichen bei der Stange hält".

"Viele Jugendliche empfinden Leistungssport als zu anstrengend", sagt Timon Velten (16). Er selbst ist nicht nur aktiver Biker, sondern zudem Schwimmer und Leichtathlet. Auch Nils Brockmann (17), der vor einigen Jahren vom Rollhockey auf den Radsport umstieg und für den RV Adler inzwischen bei Cross-Country-Rennen antritt, sieht sich nicht als Norm: "Die meisten Jugendlichen beschäftigen sich in ihrer Freizeit lieber mit elektronischen Geräten." Das zu ändern ist eine Mission, der sich Helmut Pott verpflichtet fühlt. "Ein bisschen Durchhaltevermögen in den Pedalen muss man schon erwarten können", sagt er, "sonst brauchen wir uns nicht Radsportler zu nennen."

(RP)