Remscheid: Detroit will von Remscheid lernen

Remscheid: Detroit will von Remscheid lernen

Studenten aus den USA besuchen das Bergische Land. Sie wollen wissen, wie Integrationsstrategien funktionieren.

"This is great", ruft Christina Ignasiek, als sie aus dem Bus steigt und den Rathausplatz betritt. Die amerikanische Studentin zieht ihr Handy aus der Hosentasche und schießt Fotos aus allen Blickwinkeln.

In Begleitung von Wissenschaftlern der Technischen Universität Dortmund (TU) besuchte eine 16-köpfige Studentengruppe der Universität Detroit die Stadt Remscheid. Die Studierenden der Raumplanung und Soziologie wollten wissen, wieso Integration in Remscheid funktioniert und was die Stadt dafür tut.

Thomas Neuhaus, Fachdezernent für Bildung, Jugend, Soziales, Gesundheit und Sport, hieß die Gäste im Rathaus willkommen und stand Rede und Antwort.

"82 Prozent der Bewohner in Detroit sind Afroamerikaner; trotzdem gibt es Rassentrennung und unterschiedliche Chancen. Ist das in Remscheid auch so?", fragte ein Student. "Auch hier sind noch Unterschiede spürbar, wenn Menschen mit Migrationshintergrund sich um Jobs oder Wohnungen bewerben", sagte Neuhaus. Aber in Remscheid gäbe eine gute Mischung von Nachbarschaften, die nah beieinander liegen - es hätten sich keine Ghettos gebildet, die Menschen vom Rest der Gesellschaft ausschließen.

8800 Türken, 4400 Italiener, 4200 Polen, 1200 Spanier und 775 Menschen aus Syrien: Neuhaus zählte den Studenten nur einige Beispiele aus einer Stadt mit 120 verschiedenen Nationalitäten auf. In Remscheid gelinge Integration und ein friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen. Doch in der Zukunft stehe die Stadt auch vor schwierigen Aufgaben. "Die größte Integrations-Herausforderung ist die Bildung", erläuterte Neuhaus, "an Grundschulen fehlt es beispielsweise an qualifizierten Lehrkräften."

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Keine Herausforderung war für die Studentengruppe der anschließende Aufstieg zum Turmzimmer. Von hier oben ist bei gutem Wetter sogar der Kölner Dom zu sehen. "So ein Austausch ist klasse", sagte Christina Ignasiek, "wir alle haben Probleme mit Integration, die wir unterschiedlich angehen. Dabei können wir voneinander lernen."

Eine Woche verbringen die Studenten in Deutschland, hauptsächlich in Dortmund. Der Besuch in Remscheid war im Rahmen der bevorstehenden Zusammenarbeit mit der TU Dortmund im Rahmen des Bundesforschungsprojektes MOSAIK entstanden. Diplom-Ingenieurin Viola Schulze Dieckhoff und ihr Team von der TU werden dafür in den kommenden drei Jahren die Faktoren eines gelungenen Zusammenlebens in Remscheid untersuchen. "Dabei beleuchten wir auch die Integration von Migranten", sagt Schulze Dieckhoff, "unsere Gäste forschen derzeit auf demselben Gebiet - es ist super spannend, sich auszutauschen."

Der Austausch mit den Studenten aus Detroit ging bei einer kleinen Stadtführung in Honsberg weiter. Jugendberaterin Ute Friedrich-Zielas stellte den neuen Lindenhof als Haus der Begegnung und Treffpunkt für verschiedene Kulturen vor. Anschließend führte sie die Gruppe vorbei an Graffiti-Kunstwerken, die zahlreiche Hausfassaden am Honsberg verzieren. "Stadtteile sollten sich nicht aufgrund von Ethnie oder Demografie, sondern wegen ihrer Architektur und Kunst voneinander abgrenzen", stellte Studentin Ignasiek fest.

Zum Abschluss begrüßten Vertreter der türkischen Migrantenorganisation die Studenten im Solidaritätsverein Küpeli . mit einem traditionellen türkischen Mittagessen.

(laha)
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