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Remscheid: Der Sound weht durch alle Sträucher

Remscheid : Der Sound weht durch alle Sträucher

Bei bestem Wetter wird der Stadtpark für einen Tag zum Paradies für Freunde der treibenden Clubmusik.

Am Samstag lag das Paradies für Dancefloor- und House-Jünger nicht in einer Keller-Disco, sondern im Remscheider Stadtpark. Die Open Air Houseparty "Housepark" fand statt auf drei Bühnen, viel grünem Gras, noch mehr heißer Sonne und mit literweise kühlen Getränken von Cola über Wasser und Bier bis Cocktail.

Die Musik ist nicht jedermanns Sache. Ihr Hauptzweck ist die Animation zum Tanzen. Und so war es gleichwohl für manchen Normalbürger ein guter Zeitvertreib, sich vom immensen Bass der Musik zum Samstagnachmittagsspaziergang in den Stadtpark ziehen zu lassen und das dortige, zappelnde Völkchen zu bestaunen. Gegen Mittag ging es los und sollte um 23 Uhr zu Ende sein. Dazwischen lag pausenloser, gleichbleibender Rhythmus. Laut und bis zur Schmerzgrenze dröhnend direkt vor der Bühne und fast einlullend gleichförmig weiter entfernt auf Bank oder Decke. Insgesamt hatten sich über 20 DJs angesagt, um die erfahrungsgemäß "mehreren Tausend Gäste" (Ankündigung) zu bespaßen. Die Bratwurst auf dem Grill zischte freudig mit und das Bier schmeckte doppelt gut.

Gleichwohl lieben die Jünger der aus der Discomusik hervorgegangene House-Musik die Nacht. "Die schönsten Momente im Leben erleben wir mit geschlossenen Augen", soll der Schauspieler Denzel Washington gesagt haben. Weil es dann dunkel ist. Und deswegen geht es auch erst so richtig los im Stadtpark, wenn die Sonne sich über Remscheid allmählich zurückzieht. Die Scheinwerfer an der Hauptbühne leuchten blaugrell auf, die Flash-Lights feuern Blitze in den Abendhimmel und die integrierte Videoleinwand illusioniert mit abstrakten Flimmerbildern. Das tanzende Volk vor der Bühne mehrt sich. Die Musik fährt den Leuten durch den gesamten Körper, es ist schier unmöglich, sich nicht zu bewegen. Es zappelt, ruckt, hüpft, springt und steppt in jeder Ecke. Viele hüpfen sich bis zum nächsten Getränkestand durch. Die dritte Bühne auf der Fläche hinter dem Rosengarten von "chasing.media" steht der Hauptbühne an wuchtigem Sound nicht nach. Auf "Get Up" geht's los und die Leute setzen sich in Bewegung. Körperkult wird bei denen, die es sich leisten können, groß geschrieben. Krafttrainierte Muskelmänner tanzen mit nacktem, schweißnassen Oberkörper. Sieben DJs liefern nacheinander ihre Musik ab. Ab und zu feuert einer wie aus einer Stalinorgel Feuerstöße in die Luft. Vor der zweiten Bühne auf dem Red-Bull-Floor von "beatbar.butze" tut sich verhältnismäßig nicht viel. Die dort herrschende Lautstärke kann mit den anderen nicht mithalten. So oder so, die Leute brauchen nicht unbedingt eine Bühne. Der Sound weht durch alle Sträucher. Kleine Grüppchen bilden sich und zucken selbstvergessen vor sich hin. Ein Vater mit seinem Söhnchen auf den Schultern bewegt sich zum Groove. Sein Sprössling tut es mit schwingenden Ärmchen ihm gleich. Ein Mädel bläst bunte Seifenblasen in die Luft, sie fluoreszieren wie bunte Träume mit der Musik um die Wette. Die Luft ist lau, die Musik laut und die Stimmung leutselig. Ein schöner Abend der House-Musik.

(RP)