Remscheid Der Rektor ist auch Sekretärin

Remscheid · Die Stadt will Schulbürostunden kürzen, weil Schülerzahlen sinken. Schulleiter klagen heute schon über den wachsenden Verwaltungsaufwand. Das zeigt das Beispiel vom Büroalltag in der Adolf-Clarenbach-Grundschule.

Im kleinen Schulbüro der Adolf-Clarenbach-Grundschule klingeln die Telefone oft gleichzeitig. Immer wieder schellt jemand an einer der beiden Haustüren. An drei Wochentragen ist Martin Halbach, Rektor der Adolf-Clarenbach-Grundschule, bereits jetzt schon für alles zuständig.

Schulsekretärin Ute Schommers arbeitet zwölf Stunden an "seiner Schule", ihr zweiter Arbeitsplatz ist in der Hauptschule Klausen. "Die Erreichbarkeit für Eltern, Kinder und Außenstehende nimmt ab", sagt Halbach zu den geplanten Kürzungsmaßnahmen bei den Schulbürostunden, während ein Schüler nach weißer Kreide fragt.

Wie berichtet, kann nach Berechnung der Verwaltung auf 153 Wochenstunden verzichtet werden, weil Schülerzahlen sinken. "Gegenüber 2001 sind es zehn Prozent weniger Schüler", sagt Jörg Biermann, Leiter des Schulverwaltungsamtes.

Mehrarbeit durch Ganztag

Nicht nur Halbach, auch andere Schulleiter warnen vor Pauschalkürzungen. Das geht aus ihren Stellungnahmen für die Politik hervor — der Hauptschuss soll am Donnerstag über die Kürzungen entscheiden. Ganztagsschulen benötigten eine Sekretariatspräsenz bis 16 Uhr, schreiben die Gesamtschulen. Zudem steige der Verwaltungsaufwand immens, beklagen die Gymnasien.

Er habe Verständnis dafür, dass die Stadt unter Sparzwang steht, sagt Martin Halbach. Aber die Kürzungen führen in seinen Augen zu einer Mehrbelastung von Schulleitungen und Lehrern. An seiner Schule würden 25 Prozent der Sekretärinnen-Stunden wegfallen. "Schulverbünde und Schulen mit Dependancen sind am meisten betroffen, weil die Büros zwei Standorte bedienen", berichtet er als Leiter einer Verbundschule.

Immer mehr Mails trudeln ein. Neben Schriftkram wie Bescheinigungen ausstellen, Listen pflegen, Rechnungen weiterleiten sind mehr Anfragen des Ministeriums zu beantworten. Schulbüros verwalten nicht nur, sie sind Ansprechpartner für Eltern, Kinder, Lieferanten. Gebe er selber Unterricht, sei das Büro zeitweise ganz verwaist — die Schule ohne Ansprechpartner, sagt Martin Halbach.

Denn auch Hausmeisterstunden wurden gekürzt. In seiner Stellungnahme als Sprecher der Grundschulen weist er darauf hin, dass durch die offene Ganztagsgrundschule mehr Verwaltungsarbeit anfalle. Zudem führe die selbstständige Schule, die 2012 eingeführt wird, zu einer Mehrbelastung. Schulleitungen müssen dann noch mehr Führungsaufgaben übernehmen, sagt Schulrätin Anne Hackländer. Dafür soll es aber drei Wochenstunden Entlastung geben.

(RP)
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