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Remscheid: Der Kampf mit dem Pubertier

Remscheid : Der Kampf mit dem Pubertier

Bestseller-Autor Jan Weiler sorgte mit der Lesung zu seinem vierten Pubertier-Buch "Und ewig schläft das Pubertier" in der Lenneper Klosterkirche für eine ausgelassene Stimmung. Die rund 200 Zuschauer waren begeistert.

Das Leben mit Kindern ist erfüllend, wunderbar und bereichernd. Einerseits. Andererseits gibt es da ja das Phänomen der Pubertät. Denn in diesen subjektiv so unfassbar lang erscheinenden Jahren der Jugend verliert so manches Elternteil mehr Nerven, als es jemals hatte, wenn die Pubertiere mehr oder weniger aggressiv, geladen und unverständig durch das elterliche Hausgehege schleichen. Jan Weiler, der Pubertierwissenschaftler, im Nebenberuf Schriftsteller, war am Mittwochabend in der Klosterkirche zu Gast und las aus seinem Buch "Und ewig schläft das Pubertier". Zwischen den witzigen Episoden erzählte er den rund 200 Zuschauern zudem auf herrlich charmante Art und Weise aus seinem mitunter durchaus beschwerlichen Leben als Ehegatte und zweifacher Vater.

Gut, Weiler wusste schließlich ja auch genau, wovon er sprach. Er hatte es sich nämlich schon seit einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, das Pubertier in der mehr oder weniger freien Wildbahn genauestens zu beobachten und zu beschreiben. Die Ergebnisse, für die Nachwelt in vier Büchern festgehalten, dürften künftigen Elterngenerationen zumindest die Erleichterung bringen, dass sie mit ihren Pubertieren nicht alleine sind. Papa Weilers Forschungsobjekte waren Sohn Nick (15) und Tochter Carla (18), die auf unterschiedlichste Art und Weise zum Pubertier mutiert waren. Nun durfte man sich fragen, wie es dazu kam, dass Weiler all die Verrücktheiten seiner Brut aufschrieb. Daran dürfte Weilers Gattin schuld gewesen sein: "Meine Frau schickt mich immer in den Keller, bevor sie morgens zur Arbeit geht. Sie hat mir da einen Raum zugewiesen. Manchmal sperrt sie den auch ab. Und dann sitze ich da und denke mir meine Geschichten aus", stellte Weiler fest. Kein Wunder, dass dabei absurde Episoden über Nick und Carla herauskamen, in denen sich das weibliche Pubertier ganz schnell ins Debattier, das Lamentier, das Boykottier oder das Diskutier verwandelte: "Gerade Carla diskutiert in jüngster Zeit so meinungsstark wie kenntnislos über Themen wie modernen Feminismus", sagte Weiler. Dabei kämen solche sprachlichen Ungetüme wie "Studierendenfutter" heraus: "Denn Studentenfutter darf man wegen der Gender-Taliban ja nicht mehr sagen", stellte Weiler ironisch fest - Pubertierin Carla fand das indes korrekt. Und, in einem seltenen Fall der Zustimmung zum Tun des Vaters, kommentierte das weibliche Pubertier die private Fahrstunde auf dem Verkehrsübungsplatz inklusive lautstarker und erfolgreicher Auseinandersetzung mit einem jungen, männlichen Audi-Fahrer mit den Worten: "Das war eine Anleitung zur weiblichen Selbstertüchtigung gegen das männliche Pimmelpatriarchat auf der Straße." Weiler besitzt die Gabe des hinreißenden Erzählens. Mit seiner sympathischen Art zog er das Publikum vom ersten Augenblick an auf seine Seite. Seine angenehme Sprechstimme und die launige Weise, wie er frei erzählte oder aus dem Buch vorlas, machten aus dem Abend im Grunde genommen ein äußerst amüsantes visuelles Hörbuch. Dem Publikum gefiel es sehr, das Gelächter und der Applaus kamen von Herzen, und das sichtliche Wohlgefallen im Saal schien Weiler anzuspornen, so dass er nicht nur herrlich pointiert las, sondern auch bisweilen ganz und gar sympathisch über seine eigenen Witze lachte.

Vermutlich kann er aus Abenden wie diesem in der Klosterkirche die Kraft für die neuen Konfrontationen mit seinen Pubertieren ziehen.

(RP)