Remscheid: Der Favorit gibt dem Orchester einen Korb

Remscheid: Der Favorit gibt dem Orchester einen Korb

Dirigent Mihhail Gerts hat andere Pläne und will nicht mehr die Nachfolge von GMD Peter Kuhn bei den Bergischen Symphonikern antreten.

Am kommenden Sonntag, 20. Mai, dirigiert Mihhail Gerts die Elbland Philharmonie Sachsen auf dem Rittergut Limbach im Osterzgebirge in Sachsen. Zu hören gibt es dann unter anderem Werke von Johann Strauss und Robert Stolz. Die Chancen, dass Gerts, der im Februar ein sehr gut aufgenommenes Konzert mit den Bergischen Symphonikern im Teo Otto Theater Remscheid dirigierte, so bald wieder ins Bergische Land kommt, stehen dagegen seit dem Wochenende schlecht.

Am Samstag hat der aussichtsreichste Kandidat für die Nachfolge des bisherigen Generalmusikdirektors (GMD) Peter Kuhn dem Orchester überraschend abgesagt. Das bestätigte der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, gestern auf Anfrage unserer Redaktion. Er sei "erstaunt - und auch verärgert" über die Absage zu diesem späten Zeitpunkt, sagte der OB. Denn gestern Abend wollten Findungskommission und Aufsichtsrat eigentlich ihre Wahl für die Kuhn-Nachfolge festzurren, die mit der Spielzeit 2019 /2020 beginnen soll. Gerts wäre es geworden - er überzeugte Orchester und Kommission.

Diese Botschaft war dem mit 33 Jahren jüngsten Vertreter im Kandidatentrio kurz zuvor schon übermittelt worden. Doch anstatt der Wahl in dieser Woche freudig entgegenzufiebern, habe sich Gerts am Wochenende bei der Geschäftsführung der Symphoniker gemeldet und abgesagt, berichtete gestern ein hörbar missgelaunter OB. Begründet habe Gerts die Entscheidung mit seinen vielfältigen freien Verpflichtungen als Dirigent, sagt Mast-Weisz. Gerts, der vor seinen zwei Jahren als stellvertretender GMD in Hagen bereits sieben Jahren als Kapellmeister der Nationaloper in Tallin gearbeitet hatte, ist seit August 2017 als freiberuflicher Dirigent aktiv. Und das offenbar mit sehr großem Erfolg.

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Für den Aufsichtsrat des von den Städten Remscheid und Solingen getragenen Orchesters geht es nun um die Frage, wie das Verfahren weitergehen soll. Immerhin ein Jahr lang hat das Auswahl-Verfahren gedauert - um dann auf der Zielgerade noch ins Straucheln zu kommen.

Findet man vielleicht doch noch ein Arrangement mit Gerts? Kommt der deutlich abgeschlagene Zweitplatzierte zum Zug? Oder behält Peter Kuhn länger als geplant den Taktstock der Symphoniker in der Hand? Viele mögliche Szenarien, auf die Remscheids Oberbürgermeister aber gestern nicht näher eingehen wollte. Dies zu entscheiden, sei jetzt Aufgabe des Aufsichtsrates. Der traf sich gestern Abend. Bei Redaktionsschluss war die Sitzung noch nicht beendet. Für heute darf mit einer gemeinsamen Erklärung der beiden Städte gerechnet werden. Gerts war gestern telefonisch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Für die Symphoniker geht das Tages-Geschäft derweil weiter. Morgen findet um 19.30 Uhr das 8. Philharmonische Konzert im Teo Otto Theater statt. Motto: "Gipfelblick".

(hr)
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