Den Gemeinden fehlt der theologische Nachwuchs

Kirchenkreis : Den Gemeinden fehlt der theologische Nachwuchs

Bei der Kreissynode diskutierten die Teilnehmer, ob das Amt des Superintendenten als Vollzeitstelle ausgeschrieben wird sowie über Steuerverteilung.

Um wichtige Weichenstellungen für die Zukunft des Kirchenkreises Lennep ging es bei der diesjährigen Kirchensynode. Hauptthemen waren Finanzen und der theologische Fachkräftemangel sowie die neue Ausgestaltung des Amtes des Superintendenten.

Superintendent Harmut Demski tritt im kommenden Jahr in den Ruhestand. Seit 1984 ist er Pfarrer im Kirchenkreis Lennep, seit 2006 Superintendent. Zumindest auf 75 Prozent. Die restlichen 25 Prozent ist Demski weiterhin als Pfarrer in Wermelskirchen angestellt. Als Superintendent ist der 62-Jährige Leiter des Kirchenkreises und verantwortlich für sämtliche Verwaltungsvorgänge, für Beratung, Planung und Genehmigungen zuständig, zudem als Repräsentant und Bindeglied zwischen Kirchenkreis und Landeskirche aktiv. Eine Aufgabe, die er zwar mit viel Leidenschaft ausübt, für einen Nachfolger in Zeiten des theologischen Nachwuchsmangels aber wenig attraktiv erscheint, glaubt Demski.

Daher regte er bei der diesjährigen Kreissynode an, das Amt des Superintendenten in Zukunft auf 100 Prozent anzuheben. So könne sich der Nachfolger gänzlich auf die Leitung konzentrieren. Ein neues Model, dass die Synode erst einmal diskutieren musste, erscheint es doch gewagt, ausgerechnet die Leiter-Stelle anzuheben, wo doch alle anderen reduziert werden. Doch unter den aktuellen Bedingungen sei es wichtig, eine starke Spitze zu haben, die sich um die Koordinierung kümmere.

Dass der Fachkräftemangel kein exklusives Problem des Handwerks ist, zeigt sich auch bei der Besetzung von frei werdenden Pfarrstellen. „Der theologische Nachwuchs fehlt“, sagt Demski, der das Thema über die Zukunft der Pfarrstellen auf die Agenda der diesjährigen Kreissynode setzte. Zwischen 2020 und 2030 werden über die Hälfte der aktuell amtierenden Pfarrer in den Ruhestand treten. Ein Drittel der Pfarrstellen (aktuell sind das 42 Pfarrstellenanteile) werden wegfallen, weil Gemeinden immer kleiner werden, sich zusammenschließen und sich einen Pfarrer teilen. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir diese Stellen in Zukunft gestaltet wollen.“ Kreative Schwerpunkte zu setzen, um zum einen den Pfarrdienst den Bedürfnissen der Gemeindemitglieder anzupassen, zum anderen aber auch dem theologischen Nachwuchs eine attraktive Arbeitsstelle zu bieten, sei die Kunst. „Das Pfarrersein in der Zukunft wird andere Wege gehen müssen. Es wird weniger feste Aufgabenfelder geben.“ So könnten sich Gemeinden etwa auf besondere Gottesdienste spezialisieren, wie solche unter freiem Himmel oder speziell für Motorradfahrer, andere wiederrum sich verstärkt der Jugendarbeit widmen. Bis zum Herbst 2020 sollen die Gemeinden dazu selbst Planungsvorschläge einreichen. Diskutiert wurde zudem über die künftige Verteilung der Kirchensteuer, sowie die Umlagen an die Landeskirche. Letztere, die derzeit ein Drittel der Kirchensteuer beträgt, sei zu hoch, befanden die Gemeindevertreter und solle reduziert werden. „Ich denke, es gibt genug Argumente, die dafür sprechen“, sagt Demski, der sich mit anderen Kirchenkreisen beraten hat und den Vorschlag nun der Landessynode unterbreiten wollen.

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