Den Alltag im Orchester erleben

Kultur im Bergischen : Den Alltag im Orchester erleben

Die Orchesterakademie hat wieder vier Stipendiaten eingestellt. Zehn Monate sitzen die Studenten zwischen den Profimusikern. Die Wirtschaft bezahlt die Stipendien. Zu hören sind die jungen Musiker/innen erstmals im Oktober.

20 wollten sie haben, vier haben sie bekommen: die begehrten Orchesterstipendien bei den Bergischen Symphonikern. Miga Bang (29, Violine), Yukyung Kim (26, Kontrabass), Laura Isbert Prades (23, Violoncello) und Alejandro Vega Sierra (26, Viola) dürfen in den kommenden zehn Monaten von den Profi-Musikern des bergischen Orchesters lernen. Ein weiteres Nachwuchstalent beginnt im Oktober.

Finanziert werden die Stellen, die öffentlich ausgeschrieben waren, von der bergischen Stadtgesellschaft. „80 Prozent der Stipendien werden von Firmen unserer Region gesponsert“, erklärt Tilla Clüsserath, Geschäftsführerin der Orchesterakademie der Bergischen Symphoniker. Sponsoren, Vereinsmitglieder und Spender aus Remscheid und Solingen sorgen so dafür, dass immer wieder junge Musiker von den Profis ausgebildet werden können. Und das bereits seit 20 Jahren. Ein Erfolgsmodell, wie sich gezeigt hat: Sieben ehemalige Stipendiaten sind mittlerweile fest angestellte Symphoniker.

„Wir leisten so eine wichtige Praxiserfahrung zum Studium“, beschreibt Clüsserath. Denn während sich die jungen Musiker im Studium eher auf ein Werk konzentrieren, sind es hier verschiedene Programme, die gemeinsam mit einem kompletten Orchester erarbeitet werden. „Das ist eine völlig neue Herangehensweise“, erklärt Almuth Wiesemann, Vorsitzende der Orchesterakademie. Sie spielt bei den Symphonikern die Violine.

Zusätzlich zu den Orchesterstipendiaten gibt es eine Dirigierstipendiatin: Clara Maria Bauer (25) aus Wien hospitiert ein Jahr lang bei den Bergischen Symphonikern. Dieses Stipendium wird vom Land NRW finanziert. Bauer hatte bereits ihren ersten Einsatz bei „Jugend spielt Klassik“.

Ihrem großen Auftritt fiebern auch die vier anderen Talente entgegen. Am 22. Oktober dürfen sie beim 3. Philharmonischen Konzert im Solinger Konzerthaus mitspielen, einen Tag später dann im Teo Otto Theater. Neben dem Generalmusikdirektor Daniel Huppert werden zwei weitere Dirigentinnen am Pult stehen – und eben Miga Bang, Yukyung Kim, Laura Isbert Prades und Alejandro Vega Sierra. Auch eine ehemalige Stipendiatin wird mitspielen. Bei diesem dritten Philharmonischen Konzert feiert die Orchesterakademie zudem ihr 20-jähriges Bestehen. Daher sollen die jungen Talente auch im Mittelpunkt stehen. Sechs Proben hat das Quartett bis dahin. „Ich habe noch nie in einem professionellen Orchester gespielt, sondern immer nur konzentriert in Projekten“, erzählt Laura Isbert Prades, die aus Barcelona stammt, aber seit zwei Jahren in Essen lebt. „Ich freue mich darauf, dass ich hier viele neue Stücke kennenlerne.“

Genauso motiviert ist Alejandro Vega Sierra, ursprünglich aus Sevilla, aber seit drei Jahren Wuppertaler. „Als ich angekommen bin, wusste ich nicht, was mich erwartet. Jedes Orchester ist ja wie eine Familie. Ich hatte nicht mit so einer freundlichen Atmosphäre gerechnet“, gesteht er. Mit seinem Symphoniker-Mentor könne er über alle Probleme sprechen. Viele Fragen hat auch Yukyung Kim, die erst seit einem Jahr in Deutschland lebt. „Meine Kollegin ist sehr nett“, sagt die gebürtige Südkoreanerin, die in Essen wohnt. „Sie sagt: Du kannst gut spielen, du brauchst keine Angst haben.“ Kims Mentorin Kanako Yoshioka war einst Stipendiatin – und ist heute Kontrabassistin im Orchester.

Mehr von RP ONLINE