1. NRW
  2. Städte
  3. Remscheid

Dave Davis in Remscheid: Humorvoller Kampf gegen Alltagsrassismus

Dave Davis in Remscheid : Humorvoller Kampf gegen Alltagsrassismus

Herzlich lachen zu können, wenn man in Gesellschaft ist – das konnte man am Donnerstag in der Klosterkirche bei Dave Davis endlich wieder einmal ausprobieren. Der Kölner Kabarettist hatte zur Vorpremiere seines neuen Programms „Ruhig, Brauner. Demokratie ist nichts für Lappen“ nach Lennep geladen.

Vor rund 90 Zuschauern ging es unter anderem um „die kleinste Einheit der Demokratie – die Ehe“. Der zweifache Gewinner des renommierten Prix Pantheon schlug aber natürlich schon den Bogen vom klassischen Mann-und-Frau-denken-unterschiedlich-Thema hin zu Politik und Gesellschaftskritik. „Den Titel meines Programms habe ich mir überlegt, als die AfD mal wieder so richtig am Jammern war. Die teilen ja immer so aus, aber wenn sie mal was einstecken sollen, geht das große Mimimi los.“ Allerdings gab der Rheinländer mit Wurzeln in Uganda der AfD nicht mehr Aufmerksamkeit als unbedingt nötig. Im Gegenteil, er sprang durch einen wirklich bunten Themengarten und beharkte ganz unterschiedliche Bereiche.

Dabei vermittelte er überhaupt nicht den Eindruck einer Vorpremiere mit ihren typischen Unsicherheiten oder kleinen Stolpersteinen. Im Gegenteil: Davis präsentierte sein Programm so routiniert, als hätte es bereits einige Monate auf dem Buckel. Interessant war dabei, dass die eigentliche Premiere erst am 18. September im Bonner Pantheon Theater ist. Natürlich waren die latenten Rassismen des Alltags eines jener Themen, die Davis sich ausgesucht hatte. „Ich sehe ja auch nicht aus wie Siegfried der Drachentöter. Ich sehe aus wie Shaka Zulu.“

Dabei gehe es doch nur darum, wie man miteinander spreche. „Ich finde beispielsweise die Frage an mich ‚Sprechen Sie Deutsch?‘ per se nicht schlimm. Aber als sie mir neulich wieder gestellt wurde, habe ich angefangen nachzudenken. Und wie mir mein Opa mitgegeben hat – wenn eine Sache dir nicht mehr aus dem Kopf geht, dann ist es Zeit für eine Veränderung.“ Prompt sei er dann am nächsten Morgen in die Bäckerei gegangen und habe zur blonden Verkäuferin gesagt: „Sprechen Sie Deutsch?“ Sein Croissant habe er danach auch noch bekommen. Ein wenig hatte das Ganze im weiteren Verlauf dann auch etwas von einem Selbsterbauungsseminar. „Stellt euch morgen nackig vor den Spiegel und sagt euch: Boah, was bin ich für eine geile Sau!“

Der Tipp komme auch von seinem Opa aus Uganda. „Mein Opa ist Schamane, seine Sachen sind Hochzeiten und Hinrichtungen – eigentlich das gleiche, aber das eine dauert länger als das andere . . . Aber er haut dazwischen auch jede Menge Lebensweisheit raus“, sagte Davis. Eine der wichtigsten, die ihm sein Opa mit auf den Weg gegeben habe, sei diese: „Mit der Geburt hast du in dir drin alles, was du für ein erfülltes Leben brauchst.“ Schließlich sei das Leben doch einfach nur geil.

Es war ein sehr unterhaltsamer Abend, fraglos. Dargeboten zudem von einem absoluten Bühnenprofi, dem man die schiere Lust am Fabulieren anmerkte. Sein lobenswertes Anliegen, Alltagsrassismus zu entlarven, nahm dabei den größten Teil ein. Etwa, dass Rassismus immer im Kleinen beginne. Mit Stereotypen. Dass etwa alle Schwarzen gut tanzen und singen könnten. „Aber du kennst meinen Bruder nicht. Und du willst ihn nicht tanzen sehen oder singen hören“, sagte er etwa. Und ergänzte dann lachend: „Der ist nur schwarz.“

Sein Lebensmotto, das auch als Zusammenfassung des Abends – „Und wir sind ja in Deutschland, und Deutsche brauchen am Ende des Abends eine Zusammenfassung. Haben sie die nicht, sagen sie: Toller Abend, aber was war die Zusammenfassung?“ – dienen könnte, kam dann am Ende in zwei wichtigen Sätzen. Einer lautete: „Wir müssen uns lockererer machen, nach allen Seiten hin.“ So weit, so relativ einfach. Der zweite war dann schon komplexer – und leider wohl auf absehbare Zeit hin eher ein Wunschtraum: „Ich würde mir wünschen, dass wir das Wort Rasse abschaffen.“