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Das Rölab im Remscheider Röntgen-Museum wird ausgebaut

Das Rölab im Remscheider Röntgen-Museum wird ausgebaut : Lust am Experiment wecken

Im nächsten Jahr vollendet sich die Umgestaltung des Deutschen Röntgen-Museums. Nach 17 Jahren schließt Direktor Uwe Busch den Masterplan ab. Zu den herausragenden Abteilungen gehört das RöLab.

Die gläserne Frau stand über Jahre im Eingangsbereich des Deutschen Röntgenmuseums. Bis der Umbau begann und Direktor Dr. Uwe Busch Stück für Stück seinen Masterplan umsetzen konnte. Das begann im Jahre 2004. Im nächsten Jahr erhält die gläserne Frau wieder eine prominentere Stelle. In der Abteilung für bildgebende Verfahren in der Medizin. Im Untergeschoss des Anbaus soll der letzte Raum mit Exponaten, Vitrinen und Animationen verbessert werden. Die Entwürfe stehen. Busch hat Förderanträge gestellt. Nach 17 Jahren wäre der Masterplan abgearbeitet.

Ohne Fördergelder sehe das Röntgen-Museum heute noch so aus wie vor 16 Jahren, als die gläserne Frau im Eingangsbereich alle Blicke auf sich zog. Und ohne Fördergelder könnte Anna Kätker die Kinder im RöLab nicht betreuen. Die studierte Geophysikerin leitet das Labor seit einem halben Jahr. Ihre auf zwei Jahre begrenzte halbe Stelle zahlt die NRW-Stiftung. Ins Jubiläumsjahr von Wilhelm Conrad Röntgen hätte es nicht gepasst, ein Labor ohne festes Personal vorzuweisen. Ohne die Fachfrau Kätker müsste das RöLab häufig ungenutzt bleiben. Kindern aller Altersstufen in die Welt der Physik unter besonderer Berücksichtigung von Röntgens Entdeckungen einzuführen, dafür braucht es zum Beispiel ein Polarisationsmikrospop und andere spezielle Geräte, die an Schulen fehlen.

Die beiden Brüder Luis (9) und Fabio (12) verfolgen, wie sich grünes Pulver auf einer schwarzen Platte zu immer neuen Mustern verformt, sobald elektromagnetische Wellen gesendet werden. Es fiept und brummt an diesem Experimentierplatz. Luis wechselt nach den Schulferien aufs Röntgen-Gymnasium, auf das sein Bruder bereits geht. „Mit den Experimenten versteht man es einfach besser“, sagt Fabio.

Von Wilhelm Conrad Röntgen wird gesagt, er fühle sich nur an den Orten wohl, wo er experimentieren könne. Im RöLab hätte der Nobelpreisträger sich wohl gefühlt. Denn es geht um das selbständige Experimentieren. „Wir geben zwar ein bisschen Hilfe, uns ist aber wichtiger, dass die Kinder selber etwas ausprobieren“, sagt Anna Kätker. So freut es sie, dass zwei Jungs einen Gummihandschuh unter eine Vakuumhaube gelegt haben, um zu sehen, was passiert? Platzt der Handschuh? Hört man den Knall?

Die Kurse im RöLab für Schulklassen waren ausgebucht. Die Corona-Krise machte allen einen Strich durch die Rechnung. 101 Schulklassen experimentierten im vorigen Jahr in der dritten Etage des Museums. Kätke hat in der Zwischenzeit einen Experimentekoffer zusammengestellt. Diese mobile Lehrwerkstatt will sie nach den Sommerferien Schulen anbieten und in den Unterricht gehen. Ihr Ansatz lautet: Jedes Experiment vor Ort sei besser als ein Video oder eine Seite im Physikbuch. Die mobilen X-perimente-Kits sind für alle Klassen geeignet, von der Grundschule bis zur Oberstufe. Die Schüler sollen später in der Lage sein, Fragen zu beantworten wie: Wie erzeugen wir ein Vakuum? Wie wirken Magnetkräfte? Und natürlich: Wie erzeugen wir Röntgenstrahlen? Doch die wichtigste Botschaft in Kätkers Koffers lautet: große und kleine Forscherseelen stärken. Als die gläserne Frau noch das Aushängeschild des Röntgen-Museums war, staunten die Besucher über das freigelegte innere System des Menschen. Ansonsten waren die Besucher zumeist mit einer Ansammlung von Apparaten konfrontiert, mit denen die wenigsten etwas anzufangen wussten. Wenn im nächsten Sommer die gläserne Frau in der neu eingerichteten Abteilung einen Ehrenplatz bekommt, steht sie auch für den Abschluss des Masterplans nach 17 Jahren. Doch Busch und sein Team wissen: ein Museum ist ein ständiger Prozess der Veränderung.