Remscheid: Das Publikum lacht über seine eigenen Macken

Remscheid: Das Publikum lacht über seine eigenen Macken

"Die Feisten" haben eine treue Fan-Gemeinde in der Klosterkirche. Aus Songs wie "Griechischer Wein" wird "Kriech nicht darein".

Sie sind weder fettleibig noch machen sie den Kohl fett. Höchstens bekommt das Duo "Die Feisten" (Matthias "C." Zeh und Rainer Schacht) sein Fett weg - jeder der beiden mal direkt, mal indirekt ironisch vom Gegenüber.

Sie sparen nicht mit Sarkasmus. Gleichwohl ist ihr Name nicht Programm. Hervorgegangen aus dem Trio "Ganz Schön Feist" blieben die beiden beim "Feist" im Namen. Der Wiedererkennung wegen. Immerhin halten sie damit ihre beachtliche Fangemeinde bei der Stange. Die war auch in der Klosterkirche zahlreich und stimmenstark vertreten.

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Zu Recht. Im vorigen Jahr bekam das Duo den Deutschen Kleinkunstpreis. Verliehen aufgrund ihrer Lieder, die sie mit "Parodie, heiterem Spott und paradoxem Weltverständnis singen und sich dabei immer auch selbst zur Disposition stellen", hieß es in der Laudatio. Sie beobachten unseren Alltag genau, entdecken darin Komisches und zuweilen auch Absurdes, kleiden es in schlagkräftige Reime (ein bisschen wie Heinz Erhardt) und bringen die Leute mit deren eigenen Macken dazu, über sich selbst zu lachen. Da macht das Zuhören und auch Zusehen Spaß. Die Leute gehen mit und lassen sich darauf ein. Auf solch Blödsinniges wie: "Es ist gut, wenn Du weißt, was Du willst. Wenn Du nicht weißt, was Du willst, ist das nicht so gut." Das singen sie minutenlang vor sich hin. Mehr noch. Sie beklatschen das Lied von der "Gammelfleisch-Party", wie 16-Jährige die Ü 20-, Ü 30- oder Ü 40-Tanzpartys bezeichnen. Und freuen sich dann auch noch, wenn Zeh anschließend süffisant ins Publikum ruft: "Großartig, wie Ihr über Euch lacht." Da stimmt die Zielgruppe. Einige, das stellt Schacht nach Publikumsbefragung fest, kennen die beiden bereits seit über 20 Jahren. Das muss ein Duo erst einmal schaffen. Chapeau! Das Geheimnis ihres Erfolges liegt nicht in der Musik allein. Zeh singt hauptsächlich und klopft ein wenig auf der Cajón-Box, Schacht schrubbelt auf Mandoline, Gitarre und streicht die Sitar. Besonders gut schafft er es, mit seiner Stimme dazu a-capella-mäßig einen markanten Bass zu imitieren.

Derart schaffen sie einen Sound, der stets präsent und wider Erwarten bühnenfüllig den Saal beherrscht. Gleichwohl wäre diese Musik nicht von großer Tragweite, wären da nicht die Texte. Aus dem Jürgens-Hit "Griechischer Wein" machen sie "Kriech nicht darein" im Reggae-Rhythmus: ein Lied über "Arschkriecherei im Arbeitsleben". Das haben vielleicht viele schon mal erlebt, wenn nicht sogar aktiv betrieben. Im "Nussschüsselblues" warnen "Die Feisten" vor dem unkritischen Verzehr der Gratis-Nüsse auf der Biertheke - wer weiß schon, was alles dort mit von der Partie ist. Und so ist auch alles drin in diesem Feisten-Konzert, was einen unterhaltsamen Abend ausmacht: sinniger Humor, leutselige Stimmung und ein bisschen Nachdenken.

(RP)
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