Sparkasse Remscheid zieht Bilanz 2019 : Das Dilemma der Sparer

Die Sparkasse empfiehlt ihren Kunden, ihr Geld in Aktienfonds anzulegen. Auf einem Tagesgeldkonto verliere es nur an Wert. Immer mehr Bürger nutzen die digitalen Kanäle der Bank. Der Bargeldverkehr wird weniger.

Mit mehr als der Hälfte der Remscheider Bürger unterhält die Sparkasse geschäftliche Beziehungen. Das Vertrauen der Kunden will die Bank sich auch in diesem Jahr verdienen. Dabei wäre es den Beratern und Mitarbeitern am liebsten, wenn sich ein paar alte Gewohnheiten ändern und die Kunden Abschied nehmen vom Tagesgeldkonto, die digitale Schwester des alten Sparbuchs. „Das ist ein Dilemma“, sagt Herbert Thelen, Mitglied des Verwaltungsvorstandes.

Aktienfond als Lösung?

Die Deutschen sind immer noch ein Volk der Sparer. Da bilden die Remscheider keine Ausnahme. Doch die Sparbuchmentalität bringe die Sparer in Schwierigkeiten, weil das wegfällt, was den Sinn eines Sparbuches ausmacht: die Zinsen und die Vermehrung des Geldes. Wenn es nur das wäre, wäre die Situation schon schwer erträglich. Doch wer auf seinem Tagesgeldkonto sein Geld parke, der könne dabei zusehen, wie es immer weniger werde. „Wir leben in einer Minuszins-Phase“, betonte Vorstandssprecher Michael Wellerhaus. Kein Ende in Sicht. Selbst bei Anleihen von länger als zehn Jahren verdiene man kein Geld. Wenn die Entwertung des Geldes durch Inflationen mit hinzugezogen wird, schmilzt die Summe weiter zusammen. „Wir haben bessere Lösungen“, sagt Thelen. Inzwischen gebe es verschiedene Aktienfonds, die ein bisschen Rendite versprechen. Die Risiken nennt Herbert Thelen überschaubar, weil die Aktienpakete breit gestreut sind. Er könne nur jedem zu diesem Anlagewechsel raten.

Beratung als Pluspunkt

Wie der Kunde sein Geld anlegen kann, darüber informieren die Mitarbeiter der Sparkasse. Die Beratung der Kunden gehört zu den zentralen Säulen der Sparkassenphilosophie. Intern werden die Mitarbeiter auch als das „wichtigste Unterschiedskapital“ bezeichnet. Mit dem persönlichen Gespräch will sich die Sparkasse von den Direktbanken unterscheiden. Von Banken also, mit denen man nur übers Internet kommunizieren kann.

Digitalisierung

Den Spagat zwischen Kundennähe und Digitalisierung zählt zu den Herausforderung für die städtische Tochtergesellschaft. 58.000 Besuche auf der Homepage pro Tag verzeichnet die Sparkasse. 21 Millionen Klicks im Jahr. Der Digitalisierung gehört die nahe Zukunft. Bereits heute nutzen 60 Prozent der Kunden das Online-Banking. Bei den Firmenkunden seien es 85 Prozent. Am liebsten sieht es die Sparkasse, wenn die Menschen mit Karte bezahlen oder gleich vom Handy aus. Bargeldverkehr zählt zu den kostspieligen Posten in der Jahresbilanz. Die Banker können wenig Sinn darin erkennen, wenn der Kunde am Schalter Geld abhebt, damit im Geschäft gegenüber bezahlt und der Geschäftsmann es anschließend wieder zur Sparkasse bringt. Das mache wenig Sinn.

Engagement für die Stadt

500.000 Euro pro Jahr spendet die Sparkasse jährlich für ehrenamtliches Engagement. 280 Projekte waren es in diesem Jahr. 94 Prozent aller Anträge hat ein Gremium bewilligt. So soll es in diesem Jahr weitergehen. Das gilt auch für die Musikveranstaltung „Löwenfestival“ auf dem Rathausplatz. Eine von der Sparkasse bezahlte Band mit überregionaler Ausstrahlung soll die Reihe zu Beginn der Sommerferien eröffnen.