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Coronavirus: Remscheid ist auf den Katastrophenfall vorbereitet

Coronavirus in Remscheid : Auf den Katastrophenfall vorbereitet

Die Stadt hat die Anzahl der Betten und der Intensivbetten verdoppelt. Sie geht davon aus, dass das Sana-Klinikum bald überlastet sein wird. Wenn es ganz schlimm kommt, steht die Halle Neuenkamp als Notstation zur Verfügung.

Remscheid bereitet sich vorsorglich auf den Katastrophenfall vor. Dazu hat der Krisenstab der Stadt einen Notfallplan erarbeitet, der sicherstellen soll, dass erkrankten Bürger stets die notwendige Hilfe zukommt. Der vom Bundeskanzleramt erteilte Auftrag verlangt, die Anzahl der stationären Betten und der Intensivpflegebetten zu verdoppeln.

Laut Bedarfsplans für Krankenhäuser hält das Sana-Klinikum 500 Betten und 16 Intensivbetten in normalen Zeiten vor. Diese Anzahl haben die Organisatoren von Feuerwehr, Krankenhäusern und Gesundheitsamt inzwischen auf 1000 beziehungsweise 36 erhöht. „Wir gehen davon aus, dass das Sana-Klinikum bald an seine Grenzen kommen wird“, sagt Dr. Frank Neveling, Leiter des Gesundheitsamtes. Für diesen Fall tritt bei dem dreistufigen Notfallplan Phase zwei ein: weitere Krankenhäuser werden eingebunden. Dazu zählen die Fabricius-Klinik an der Brüderstraße und die Stiftung Tannenhof in Lüttringhausen sowie der Pflegedienst 356 Grad, der über besondere Kompetenzen bei der Betreuung von Patienten mit Atemproblemen verfügt.

Sollten diese Kapazitäten dennoch nicht ausreichen, tritt Phase drei in Kraft. Die Feuerwehr hat inzwischen die Sporthalle Neuenkamp zu einem Notfall-Krankenhaus umgebaut mit 100 Betten. „Wir brauchen zwölf Stunden, um die Halle in Betrieb zu nehmen“, sagt Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan. Er betont, es handele sich dabei nicht um ein Corona-Krankenhaus. Die Neuenkamper Halle diene nur dazu, erkrankte Menschen so lange zu versorgen, bis in einem normalen Krankenhaus wieder ein Bett frei wird. Die Stadt steht außerdem in Verhandlungen mit Hotels, die Räume für die Aufnahme von Patienten zur Verfügung stellen.

Die Feuerwehr sei erprobt mit diesen Großeinsatzlagen, so Eul-Jordan. Die Organisation laufe ab wie bei einem Großeinsatz auf der Autobahn, wenn bei einem Busunglück plötzlich 80 Menschen verletzt sind. In solchen Fällen baut die Feuerwehr schnell Zelte auf. Entschieden werde nach Dringlichkeit und Schweregrad der Verletzungen, was zu tun sei. So funktioniert in Phase drei auch die Verteilung in Neuenkamp, wenn die anderen Häuser überlastet sind. „Die Neuenkamperhalle ist unser Puffer“, sagt Eul-Jordan.

In Phase drei sind auch viele andere Hilfsorganisationen eingespannt: Die Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes, das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter sowie die Freiwilligen Feuerwehren. Entsprechende Einsatzpläne seien ausgearbeitet. Der Krisenstab hofft, dass die Neuenkamper Halle nie zum Einsatz kommen muss. Alle seien aber auf einen weiteren Anstiegt an Infizierten vorbereitet, so dass die Bürger keine Angst haben müssen, ihnen könne in der Not nicht geholfen werden. Nach Einschätzung von Dr. Neveling hat Remscheid die Corona-Krise im Vergleich zu anderen Großstädten und Regionen bisher ganz gut überstanden. Man liege bei der Zahl der Infizierten von 89 Personen im unteren Drittel.

Mehr Patienten bedeuten auch den Einsatz von mehr Personal. „Da herrscht eine angespannte Lage“, sagt Feuerwehrarzt Christopher Rose. Es gäbe aber die Möglichkeit, bei sogenannten Personalbestellern zusätzliche Pflegekräfte einzukaufen.

Die Fachleute rechnen damit, dass der Höhepunkt der Infektionswelle um Ostern herum erreicht werde. Dann zeige sich, ob Remscheid in Phase zwei oder auch Phase drei umschalten müsse. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz appellierte an alle Bürger, weiter die Regeln zur Ausgangsbeschränkung einzuhalten und zu Hause zu bleiben. Auch wenn es bei schönem Wetter schwer falle. „Wenn alle sich daran halten, schaffen wir es“, sagte Mast-Weisz.