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Coronavirus in Remscheid: Gastronomen kochen für die Helfer

Corona-Krise in Remscheid : Gastronomen kochen für die Helfer

Markus Kärst und Tobias Riemann haben sich der Aktion „Kochen für Helden“ angeschlossen. Sie spenden Essen für Pfleger, Ärzte, Apotheker und Mitarbeiter in Supermärkten. Heute geht die erste Lieferung ans Gesundheitsamt.

Am Freitag bekommen die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes an der Hastener Straße das Mittagessen frei Haus geliefert. Die Gastronomen Markus Kärst und Tobias Riemann wollen damit ein Zeichen der Solidarität mit den Kräften in Remscheid setzen, die täglich an der Corona-Front arbeiten und, wie man so sagt, den Laden am Laufen halten. „Wir haben uns der Initiative ‚Kochen für Helden‘ angeschlossen“, sagt Kärst. Die Starköche Tim Mälzer und Max Strohe haben vor ein paar Tagen in ihren Städten mit der Aktion begonnen, nachdem sie ihre Restaurants schließen mussten.

Die Solidaritätsaktion entspringt der Logik der Krise. Die Lager von Lieferanten und Küchen sind immer noch gut gefüllt. Das stellt sich die Frage: Was passiert mit den Hühnchen, die nicht ausgeliefert werden können? Mit dem Zehn-Liter-Eimer Joghurt, für den es zurzeit keine Verwendung gibt? „Wir wollen diese Lebensmittel nicht wegschmeißen, sondern spenden – und anderen damit etwas Gutes tun“, sagt Kärst.

Das Angebot, Essen frei Haus zu liefern, richtet sich an Menschen, die in diesen Zeiten besonders gefordert sind. Kärst und Riemann liefern an Arztpraxen und Apotheken, aber auch an Discounter und Einkaufsläden, in denen die Mitarbeiters für die Allgemeinheit mehr schuften als sonst und dafür sorgen, dass während der einschränkenden Ausgangsregelungen die Bürgerinnen und Bürger einkaufen können. Aber auch die Busfahrer der Stadtwerke, die den öffentlichen Nahverkehr aufrechterhalten, sollen mit Essen bedacht werden.

Markus Kärst betont, dass durch diese Aktion keine Konkurrenz für die Tafel besteht. Den Geschäftsführer Frank vom Scheidt habe man vorher über die Aktion informiert. Die Tafel versorgt Menschen mit Lebensmitteln, die von Transferleistungen leben. Dazu gehören Empfänger von Hartz IV-Bezügen und Menschen in Grundsicherung. Zurzeit kommen etwa 400 Personen zu den Ausgabestellen der Tafel im Stadtgebiet.

Die Waren für „Kochen für Helden“ stammen in erster Linie aus den Depots von Lieferanten für die Gastronomie. Den Speiseplan für die Aktion von Kärst und Riemann bestimmen die Lebensmittel, die aufgrund der Überproduktion nicht mehr genutzt werden. „Wenn zum Beispiel die Bäckerei Evertzberg auf einmal Brötchen übrig hat, dann kochen wir eine Suppe oder setzen Semmelknödel auf den Speiseplan“, sagt Kärst. Täglich melden sich neue Helfer und Unterstützer. Ihre Hilfe haben bisher zugesagt die Bäckereien Evertzberg und Beckmann, die Metro in Schwelm und die Bernhard Möllers GmbH.

Nachdem Kärst die Aktion auf der Facebook-Seite seines Hotels Kromberg gepostet hatte, meldeten sich auch Institutionen, die den Service in Anspruch nehmen wollen. Nicht nur aus Remscheid. Den Gastronomen erreichte auch ein Anruf aus Dortmund. Doch bis dahin reicht der Lieferservice aus Remscheid noch nicht.

Kärst und Riemann gehören zu den erfahrenen Caterern in Remscheid. Große Lieferungen gehörten bisher zu ihrem fast täglichen Geschäft. Beide verfügen daher über eine entsprechende Logistik mit ausreichend Fahrzeugen. Mit den Auszubildenden, die nicht auf Kurzarbeit gesetzt sind, bereiten sie die Essen vor. „Bei mir melden sich aber auch Aushilfskräfte, die mit anpacken wollen“, sagt Kärst.

Für die Mitarbeiter in der Gastronomie fühlt es sich merkwürdig an, nicht in der Küche zu stehen und Essen zuzubereiten. „Mit dieser Aktion tun wir auch etwas gegen unsere Langeweile“, sagt Kärst.

Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes bekommen am Freitagmittag Käsespätzle, Eintopf und eine süße Nachspeise.