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Coronavirus: Apotheker berät im Internet

Corona-Krise in Remscheid : Apotheker berät im Internet

Henning Denkler hat sich schon auf eine Zeit eingerichtet, wenn niemand mehr aus dem Haus darf. Oder will.

Der Inhaber der Regenbogen-Apotheke im Kaufland hat aufgerüstet und bietet seine Beratung zu Arzneimitteln nun auch über Skype und Facetime an. Mit den beiden Video-Chatsystemen können sich Kunden per Computer oder Smartphone an den Apotheker wenden, ohne die eigene Wohnung zu verlassen.

„Mir ist wichtig, dass die Leute sich nicht alleingelassen fühlen“, sagt Denkler. Die Remscheider sollen wissen: Da sitzt jemand, einer vom Fach, den sie fragen können. „So sind sie zwar zu Hause, aber nicht allein.“ Und ganz nebenbei sichere er sich so auch den Umsatz, der sonst abwandern würde, gibt der Apotheker unumwunden zu: „Unsere Hauptkonkurrenten, die Internetapotheken, reiben sich doch gerade die Hände.“ Die allerdings würden nur verkaufen und nicht beraten. „Dagegen wehrt sich mein gesamter Berufsethos.“

Dabei muss Denkler sich derzeit, wie nahezu alle Apotheker in der Region, eigentlich keine Sorgen um den Umsatz machen. „Seit dem 29. Februar, seit über den ersten Fall berichtet wurde, ist hier Großalarm“, sagt er. Viele Patienten würden notwendige oder planbare Arztbesuche und Verschreibungen vorziehen, entsprechend viele Rezepte würden derzeit eingereicht.

Dazu seien Desinfektionsmittel, Atemmasken und Handschuhe die Bestseller. Und „dank dieser unsäglichen WHO-Empfehlung“ auch das Schmerzmittel Paracetamol. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte im Zusammenhang mit Corona vor einigen Tagen vor Ibuprofen gewarnt und stattdessen den Wirkstoff Paracetamol empfohlen. „Das weiß auch keiner, welcher WHO-Praktikant da auf den Knopf gedrückt hat“, sagt Denkler. Aber die eigentlich für den ganzen Sommer gedachten Vorräte an Paracetamol-Tabletten der Regenbogen-Apotheke seien trotzdem überwiegend ausverkauft. Saft und Zäpfchen derzeit kaum noch zu bekommen. Die Warnung hat die WHO inzwischen zurückgezogen.

Das neue digitale Beratungsangebot über Skype und Facetime würde bisher noch sehr zögerlich angenommen, sagt Henning Denkler. „Noch dürfen ja auch alle raus. Und noch kaufen die Leute auch den Kaufland leer.“ Inzwischen aber mit der notwendigen Disziplin. „Das klappt sehr gut, die Leute halten Abstand, teilweise stellen sie sich draußen an“, berichtet der Apotheker: „Da hat die Ansprache unserer Kanzlerin merklich Wirkung hinterlassen.“

Deutlich zugenommen hätten aber Telefonanrufe von Patienten – und Lieferungen von Medikamenten direkt zum Kunden. „Das hat sich bestimmt verdoppelt.“ Allerdings auch nur, wenn noch etwas zum Ausliefern da ist. Am Donnerstagabend, berichtet Denkler, habe eine Mitarbeiterin fünf Stunden lang Desinfektionsmittel hergestellt. Am Freitag gegen Mittag war das schon wieder ausverkauft.