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Corona-Virus in Remscheid: Das Leid der Fitnessstudios

Corona-Krise in Remscheid : Das Leid der Fitnessstudios

Die Remscheider Fitnessstudios kämpfen in der Corona-Krise ums Überleben. Es gibt viele Mitglieder, die nach der zwangsweisen Schließung im Frühjahr einfach nicht wiedergekommen sind.

Andre Uhdes Antwort lässt nicht lange auf sich warten. „Schreiben Sie: schlecht“, antwortet er spontan auf die Frage, wie es in Corona-Zeiten für die Remscheider Fitnessstudios läuft. Uhde, der erst im Januar das Injoy in Lennep eröffnet hat, erwischte das Corona-Virus mitten in der Startphase seines Studios. Seither habe sich zwar vieles eingespielt, die Situation bleibe aber angespannt. „Wenn ein zweiter Lockdown kommt, bin ich platt.“

Dabei geht es Andre Uhde wie vielen in der Branche, darunter auch solchen, die schon sehr viel länger am Markt sind. Michael Rieke-Luttropp von InForm an der Haddenbacher Straße berichtet von Mitgliedern, die nach der zwangsweisen Schließung im Frühjahr einfach nicht wiedergekommen sind. Und vor allem von zu wenigen Neu-Mitgliedern, um das aufzufangen. „In manchen Monaten erreichen wir bei den Neuanträgen nur zehn Prozent der sonst üblichen Zahlen“, berichtet er. In „guten Zeiten“ seien es 30 bis 40 Prozent. „Und das höre ich auch von anderen Betreibern, mit denen ich mich austausche.“

Mitte März, auf dem ersten Höhepunkt der Corona-Pandemie, war plötzlich Schluss für die Studios, nicht nur in Remscheid. Von einem auf den anderen Tag durften sie nicht mehr öffnen. Viele Informationen habe man damals nicht erhalten, erinnert sich Michael Rieke-Luttropp. Entsprechend habe man auch die Mitglieder kaum informieren können: „Die haben das auch überwiegend aus den Medien erfahren.“ Und sein Kollege Uhde sagt: „Das war damals blöde gemacht von Laschet.“

Für die Unternehmen war die Schließung ein Schlag. „Mein gesamter Business-Plan war dahin“, sagt Andre Uhde. Sofort habe er das Gespräch mit den Banken und seinem Franchise-Geber gesucht, zudem habe sich sein Vermieter äußerst kulant gezeigt. Die Mitarbeiter gingen größtenteils in Kurzarbeit, dazu gab es 25.000 Euro Soforthilfe vom Land. Doch aus den anfangs geplanten drei bis vier Wochen wurden schließlich acht. „Ab April wurde es ungemütlich“, sagt Michael Rieke-Luttropp. „Die ganze Branche war perspektivlos.“

Erst Mitte Mai ging es weiter – zumindest für einige. Fast die Hälfte der Mitglieder seien anfangs trotz Öffnung nicht wiedergekommen, sagt Andre Uhde. „Wir haben dann alle angerufen und ihnen die Hygienemaßnahmen erklärt.“ Auch im InForm blieben einige Mitglieder aus, sagt Rieke-Luttropp. Allerdings nicht die, von denen man es erwartet hatte. Das Studio, das sich mit Angeboten wie Reha-Sport und Milon-Zirkel auch an Ältere wendet, wird vormittags vor allem von Mitgliedern jenseits der 60 Jahre aufgesucht. „Wir haben gedacht, dass es nach der Wiedereröffnung vormittags ruhiger wird, weil die nicht kommen“, sagt Rieke-Luttropp. Doch ausgerechnet die ältesten Mitglieder waren nach dem Lockdown als erstes wieder am Start.

Unabhängig vom Alter, berichten Andre Uhde und Michael Rieke-Luttropp unisono, hätten nahezu alle Mitglieder die neuen Regeln sehr gut angenommen. „Wir laufen hier alle mit Mundschutz herum“, sagt Andre Uhde. Zudem werde jedes Gerät nach jeder Nutzung desinfiziert. Wo es geht, halte man Abstand ein, wo nicht, wurden Trennwände aufgebaut. „Und jeder, der hier reinkommt, muss sich erst die Hände waschen.“ Das habe sich inzwischen gut eingespielt, sagt Michael Rieke-Luttropp: „Das läuft relativ reibungslos.“

Trotzdem leidet die Branche weiterhin wirtschaftlich unter der Situation. Auch weil ausgerechnet im Herbst, wenn es die Menschen traditionell zum Training wieder nach drinnen zieht, Corona erneut in den Fokus rückt. Dadurch fehlen den Studios die notwendigen neuen Mitglieder. Wohl aus Sorge um eine mögliche Ansteckung, wie Michael Rieke-Luttropp vermutet.

Aber auch und vor allem, weil in wirtschaftlich unsicheren Zeiten viele Menschen lange Vertragsbindungen scheuen. „Darauf haben wir mit flexibleren Modellen reagiert“, sagt Michael Rieke-Luttropp: „Da müssen wir jetzt mal sehen, wie das funktioniert.“ Und ansonsten könne man aktuell ohnehin nicht viel tun. Außer abwarten und durchhalten.