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Corona: Remscheider Feuerwehr baut Notkrankenhaus ab

Corona in Remscheid : Feuerwehr baut Notkrankenhaus ab

Die 100 Betten in der Sporthalle Neuenkamp waren als Puffer für die Kliniken auf dem Höhepunkt der Corona-Krise gedacht. Innerhalb von zwei Tagen wäre die Notstation wieder einsatzfähig. Ab 27. Juli wird nun wieder Sport getrieben.

Mit wenigen Handgriffen zerlegen Feuerwehrmänner ein Bettgestell. Sie tragen Absperrgitter aus der Sporthalle Neuenkamp, falten weiße Planen zusammen und bringen sie auf einen Lastwagen. Das Notkrankenhaus wird abgebaut und eingelagert. Die Katastrophe fand nicht statt.

In Remscheid gab es keine Bilder von überfüllten Krankenhäusern wie in Italien oder Amerika. Mit dem Notkrankenhaus ging die Stadt auf Nummer sicher. Und ist auch für die Zukunft gerüstet: Brandamtmann Sascha Ploch rechnet mit einer zweiten Corona-Welle im Herbst. „Ich gehe aber davon aus, dass wir das Notkrankenhaus nicht aufbauen müssen“, sagt der Leiter des Zivil- und Katastrophenschutzes bei der Feuerwehr.

     Die Absperrgitter werden an einem geheimen Ort gelagert.
Die Absperrgitter werden an einem geheimen Ort gelagert. Foto: Christian Peiseler

Wie sich das Coronavrus in Remscheid verbreiten würde, konnte kein Mitglied des Krisenstabes der Stadt Anfang April vorhersehen. Jeden Tag gab es eine neue Lage. So rechneten die Verantwortlichen mit dem Schlimmsten, mit mehreren Tausend Infizierten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das hätte in jedem Fall die Kapazitäten im Sana-Klinikum und in anderen Krankenhäusern überfordert. „Wir haben in Neuenkamp eine Pufferstation geschaffen, um eine Überlastung zu verhindern“, sagt Ploch. Die 100 Betten seien vorgehalten worden, um nicht nur Covid-19-Erkrankten zu helfen, sondern allen Patienten ärztliche Versorgung zu sichern. Sobald ein Bett in einem Krankenhaus in der Region als frei gemeldet worden wäre, wäre ein Krankentransporter von der Neuenkamper Straße aus gestartet. Vor Ort hätten die Ärzte entschieden, wer als nächster verlegt wird und wer noch warten muss.

 Für hundert Patienten wäre in der Sporthalle Platz gewesen.
Für hundert Patienten wäre in der Sporthalle Platz gewesen. Foto: Moll, Jürgen (jumo)
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Laut dem aktuellen Bedarfsplans für Krankenhäuser hält das Sana-Klinikum 500 Betten und 16 Intensivbetten in normalen Zeiten vor. Diese Anzahl haben die Organisatoren von Feuerwehr, Krankenhäusern und Gesundheitsamt während der ersten ansteigenden Corona-Welle im April auf 1000 beziehungsweise 36 erhöht. Eine Anweisung aus dem Bundeskanzleramt.

Der Krisenstab ging damals davon aus, dass das Sana-Klinikum bald an seine Grenzen kommen wird. Für diesen Fall wären zunächst weitere Krankenhäuser eingebunden worden. Dazu zählten die Fabricius-Klinik an der Brüderstraße und die Stiftung Tannenhof in Lüttringhausen sowie der Pflegedienst 356 Grad, der über besondere Kompetenzen bei der Betreuung von Patienten mit Atemproblemen verfügt. In einem dritten Schritt wäre die Sporthalle Neuenkamp ins Spiel gekommen. Inzwischen ist das Sana-Klinikum wieder zum Normalbetrieb zurückgekehrt.

Der Standort Neuenkamper Straße ist nach Ansicht von Ploch besonders geeignet für ein Notfallkrankenhaus. Er liege zentral in der Stadt, sei leicht über die Autobahn zu erreichen, und sogar ein Hubschrauber könne auf dem Gelände landen. Auch die Sicherheit des Pflegepersonals und der Ärzte wäre in der Sporthalle gegeben gewesen. In den Umkleidetrakten mit Duschen hätte durch ein Schleusensystem die „Entgiftung“ des Personals stattgefunden, sagt Ploch.

In der nächsten Wochen richten die Mitarbeiter des Sportamtes die Halle wieder für den Sportbetrieb her. Die Planen an den Wänden kommen weg und die Schutzfolie für den Hallenboden muss aufgerollt werden. Ein Spezialfirma erhielt den Auftrag. Jede Rolle wiegt 170 Kilogramm. Den Boden lagert die Stadt ein. Für den Fall der Fälle. Ab dem 27. Juli darf dort wieder Sport getrieben werden. Die neuen Bestimmungen erlauben dies.

Vier Stunden brauchte die zwölf Auszubildenden der Feuerwehr gestern, um die Halle leer zu räumen. Innerhalb von zwei Tage wäre das Notkrankenhaus wieder einsatzbereit.