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Corona Remscheid: Gesundheitsminister Laumann bietet Hilfe an

Corona-Pandemie in Remscheid : Gesundheitsminister bietet Stadt Hilfe an

Die Zahl der Corona-Fälle in Remscheid steigt weiter. Der wichtige 7-Tage-Inzidenz-Wert erreicht mit 71,2 einen neuen Höchstwert. Vor allem Schulen und Kindertagesstätten sind von den Quarantänemaßnahmen betroffen.

Die Corona-Fallzahlen steigen in Remscheid den dritten Tag in Folge an. Der sogenannte 7-Tage-Inzidenz-Wert kletterte am Freitag auf den bisherigen Höchststand von 71,2, wie das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Homepage anzeigte. Am Mittwoch hatte er mit einem Wert von 51,2 erstmals über der kritischen Grenze von 50 gelegen.

Die Schüler und Lehrer der Albert-Einstein-Gesamtschule hat die Corona-Welle besonders hart getroffen. Schulleiterin Martina Gathen hat in Abstimmung mit der Bezirksregierung und dem Gesundheitsamt beschlossen, die Schule bis zu den Herbstferien für den Präsenzunterricht zu schließen. Die Gesamtschüler sollen auf digitalem Weg mit Lernstoff versorgt werden. Zu einer Stellungnahme, warum die Gesamtschule an der Brüderstraße diesen Schritt gegangen ist, sah sich die Schulleitung am Freitag nicht in der Lage. Für die Schüler stehen nur noch 30 Lehrer zur Verfügung.

Den jüngsten Fall meldet die Grundschule Hasten. Die vierte Klasse und die Lehrkräfte müssen aufgrund eines Corona-Falls
14 Tage in Quarantäne geschickt werden. Daraus ergibt sich für den Freitag folgendes Gesamtbild: 104 Remscheiderinnen und Remscheider, die an Covid-19 erkrankt sind, befinden sich in Quarantäne. Damit summiert sich die Zahl der positiv getesteten Bürger auf 484. Davon gelten 361 als genesen, 19 Menschen sind gestorben.

Zusätzlich leben 339 Personen, die als Verdachtsfälle eingestuft wurden, in häuslicher Quarantäne. Die Krankenhäuser melden sechs positive Fälle in stationärer Unterbringung. Keiner der Patienten liege auf der Intensivstation, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

Damit die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes die Infektionsketten schnell verfolgen können, hat das Land personelle Unterstützung angeboten. In einem Telefonat mit der Stadtspitze bot Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) an, Mitglieder der Bundeswehr nach Remscheid zu entsenden. Wie der Leiter des Krisenstabs, Thomas Neuhaus, berichtet, will die Stadt zehn Kräfte anfordern, die ab kommender Woche in der Kontakt-Nachverfolgung und bei den Abstrichen im Gesundheitsamt eingesetzt werden sollen.

Auch über die Kosten für viele Tausend Corona-Tests, die es zuletzt unter anderem in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen gegeben hat, wurde gesprochen. Die Stadt weist darauf hin, dass es für Urlauber schwierig werden kann, zu reisen, weil Remscheid als Risikogebiet eingestuft wird. Das bekommt auch der Sport zu spüren. Das Spiel der zweiten Handball-Mannschaft der HG Remscheid in Solingen wurde sicherheitshalber abgesagt, heißt es.

Auch in der Ratssitzung am Donnerstag, die wegen der Pandemie in der Halle West stattfand, waren die steigenden Infektionszahlen und ihre einschneidenden Folgen für das städtische Leben Thema. „Die Bürger sollten wissen, wer infiziert ist“, forderte Ottmar Gebhardt (CDU). Das sei „sicherlich kein Weg“, entgegnete Neuhaus. Die Stadt verfolge aber sehr genau, wie die Infektionsketten verlaufen. Es sei eindeutig, dass Rückkehrer aus Risikogebieten die Ursache für die steigenden Zahlen seien.

Auch bei der Einhaltung der Quarantäne gebe es Probleme. So erhielt ein Remscheider ein Bußgeld, der seine Wohnung verließ, um sein Auto über den TÜV zu bringen. Er sei entsetzt gewesen, als er davon gehört habe. Thomas Neuhaus betonte aber: „Ich sehe uns nicht als Polizisten.“ Jeder müsse einsehen, dass er für die Gesundheit des anderen zuständig sei.