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Corona-Krise in Lennep: Totalausfall an der Kölner Straße

Corona-Krise in Lennep : Totalausfall an der Kölner Straße

Seit drei Wochen findet im Rotationstheater keine Vorstellung mehr statt, kommen keine Kinder mehr in die Lenneper Musikschule – und auch im Rotationscafé nebenan steht die Kaffeemaschine still.

Kein Unterricht, keine Zuschauer, keine Gäste – David Schmidt und seine Familie sind gleich dreifach von der Corona-Krise betroffen. Seit drei Wochen findet im Rotationstheater keine Vorstellung mehr statt, kommen keine Kinder mehr in die Lenneper Musikschule – und auch im Rotationscafé nebenan steht die Kaffeemaschine still. „Wir haben einen Totalausfall“, sagt David Schmidt, der Geschäftsführer der Betriebe. Und wie es in Zukunft weitergehen kann, steht noch in den Sternen.

Etwa 450 Schüler lernen in den Räumen an der Kölner Straße ein Instrument. Schmidt hatte alle Eltern sofort nach dem Bekanntwerden der Beschränkungen benachrichtigt. Statt Klagen und böser Kommentare habe die Musikschule viel Solidarität erfahren. Bisher gab es keine Kündigungen. Solange das Schulgeld fließt, könne er auch die Honorare der 20 Lehrkräfte bezahlen. „Es ist wichtig, dass die Menschen in Lohn und Brot bleiben“, sagt Schmidt. Es gebe auch wieder ein Leben nach der Krise. Dann brauche er die guten Lehrer weiterhin.

Wo es die Möglichkeit zum Online-Unterricht gebe, werde sie genutzt. Aber manche älteren Kollegen seien mit dieser Art der Musikpädagogik nicht vertraut. Tanz, Ensemblespiel und Theaterproben seien auf null gestellt. Alle Lehrkräfte haben sich bereiterklärt, die Stunden in den Sommerferien nachzuholen. Schmidt hofft, dass die Schließung nicht zu lange dauert. Die Betriebskosten bleiben. Er selbst habe für sich und einen Angestellten Kurzarbeitergeld beantragt.

Auch das zweite wirtschaftliche Standbein ist dem Geschäftsführer weggebrochen. Alle Veranstaltungen im Rotationstheater sind bis auf weiteres abgesagt. „Wir hatten im Januar und Februar zwei so erfolgreiche Monate wie lange nicht mehr“, sagt Schmidt. Viele Vorstellungen seien ausverkauft gewesen. Doch der Geschäftsführer rechnet nicht damit, dass der Theaterbetrieb bald wieder in den Normalmodus umschalten wird. „Die Leute werden skeptisch reagieren“, vermutet Schmidt. Gerade in so ein kleines Theater mit 99 Sitzplätzen, dicht an dicht, traue sich vielleicht keiner mehr so schnell hinein. Vorstellungen mit reduzierter Besucherzahl und zwei Metern Abstand seien theoretisch denkbar, aber wirtschaftlich eine Katastrophe: „Das rechnet sich für uns und die Künstler fast überhaupt nicht mehr“, sagt Schmidt.

Ähnlich unbestimmt stellt sich die Situation fürs Rotationscafé dar: Wie viele Gäste dürfen künftig dort gleichzeitig sitzen? Und lohnt sich das Geschäft unter eingeschränkten Bedingungen noch? Das Rotationstheater und die Musikschule sind Krisen gewöhnt. 1971 gegründet, startete die Musikschule mitten in der Ölkrise. Nach dem 11. September 2001 herrschte große Flaute. Die Finanzkrise 2008 zählte zu den ganz schwierigen Jahren dieser Kulturbetriebe. „Aber alles ist nicht vergleichbar mit der heutigen Situation“, sagt Schmidt.

Angst vor der Insolvenz? Die hat Schmidt nicht. Noch nicht. Wenn das öffentliche Leben aber noch mehrere Monate still stehe, wisse er auch nicht, wie es weitergeht. Er setze bereits Reserven ein. Als hilfreich bezeichnet er die Programme von Bund und Land. „Die Politik macht einen sehr guten Job“, sagt Schmidt. Es sei daher optimistisch, dass die drei Einrichtungen diese Zeiten überstehen werden, mit ein paar Schrammen. Untergangsstimmung herrscht in der Familie Schmidt nicht.