Remscheid: CO - wie wirkt das Gift?

Remscheid: CO - wie wirkt das Gift?

Nachdem sich in Remscheid gleich drei Unfälle mit Kohlenmonoxid (CO) innerhalb kurzer Zeit ereignet haben, wächst die Unsicherheit: Was macht das Gift im Körper? Was können Betroffene tun?

CO entsteht beim Verbrennungsprozess als Abfallprodukt. Daher muss bei Heizungen in Kellern oder bei Öfen in Werkhallen für eine geeignete Entlüftung gesorgt werden. Beim ersten CO-Unfall der Firma Gommann war die Entlüftung defekt.

CO ist farb- und geruchlos. Wer es einatmet, merkt den Unterschied zwischen normaler Atemluft und dem Gift also nicht. Wie Dr. Jan Krolczyk, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie und Durchgangsarzt im Sana-Klinkum, erläutert, wird CO vom Blut aufgenommen. Krolczyk hat die vergifteten Patienten im Sana-Klinikum behandelt. Wie der Mediziner erläutert, bindet und transportiert der rote Blutfarbstoff Hämoglobin normalerweise den vom Körper dringend benötigten Sauerstoff. Wird aber CO eingeatmet, "drängelt" es sich sozusagen vor, verdrängt den Sauerstoff und geht mit dem Blutfarbstoff eine Bindung ein. Die Folge: Organe werden nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt.

Um eine CO-Vergiftung festzustellen, wird daher dessen Konzentration im Blut gemessen. Prozentwerte geben den Fachleuten Auskunft über den Grad der Vergiftung. Bei Werten bis 20 Prozent, so Krolczyk, könne der Mediziner noch von einer vergleichsweise leichten Vergiftung ausgehen. Gleichwohl müssen sich Betroffene zur Behandlung und Beobachtung ins Krankenhaus begeben. Bei Werten über 20 Prozent sei eine intensivmedizinische Versorgung zwingend vorgeschrieben. Sind die Vergiftungen stark, müssen sich die Patienten in eine Spezialklinik begeben: Dort verfügt man über Druckkammern. Mit dieser Behandlungsmethode soll erreicht werden, dass wieder mehr Sauerstoff vom Blut aufgenommen wird.

Nach Auskunft der Feuerwehr, die den Bluttest schon bei der Erstversorgung der drei Patienten am Dienstagabend vornahm, lagen die Werte der vom zweiten Gommann-Unfall betroffenen Mitabeiter zwischen 15 und 20 Prozent. Bei den Mitarbeitern, die vom ersten Unfall im Betrieb betroffen waren, lagen die Werte teilweise höher. Sie sind aber inzwischen wieder arbeitsfähig.

Ernsthafte Auswirkungen einer CO-Vergiftung sind Schädigungen des zentralen Nervensystems oder die Unterversorgung des Herzens mit Sauerstoff. Daher wird bei Betroffenen bei Einlieferung ins Krankenhaus unter anderem ein Elektrokardiogramm (EKG) vorgenommen sowie weitere Labortests. Ein Betroffener kann auch dann vergiftet sein, "wenn er klinisch nicht symptomatisch ist, also keine Beschwerden zeigt", erläutert Krolczyk.

Im Auge behalten die Ärzte auch die Spätfolgen: Noch vier bis sechs Wochen nach einem CO-Unfall können sich Auswirkungen der Vergiftung zeigen. Daher ist zu diesem Zeitpunkt eine Kontrolluntersuchung beim Neurologen angeraten. Ist das Nervensystem angegriffen, könne sich das mit parkinson-ähnlichen Störungen zeigen.

(RP)