Busschule : Unterricht mit Notbremse

Die kostenlose Busschule der Stadtwerke ist bei den Remscheider Grundschulen sehr beliebt. Die BM ist mitgefahren.

Gerade noch hat das blonde Mädchen im Bus auf seinem Sitz gesessen. Dann tritt Busfahrer Wolfgang „Charly“ Eisel heftig auf die Bremse. Das Kind fliegt über den Mittelgang durch den halben Bus und prallt mit voller Wucht vor einen Bankrücken, Zum Glück ist es nur eine mit Sand gefüllte Puppe, die diesen Unfall erlebt. Sonst war niemand im Bus.

Halb fasziniert, halb erschrocken verfolgen die Kinder der Klasse 4b der Grundschule Hasten am Donnerstagmorgen die simulierte Notbremse aus sicherem Abstand auf dem Betriebshof der Stadtwerke. Die Busschule hat ihnen gerade eine wichtige Lektion erteilt. Dass sie sich im Bus am besten immer hinsetzen und nicht stehen sollten, dass sie sich festhalten und die Tonne oder den Rucksack auf den Schoß oder zwischen die Füße stehen sollen, das haben sie vor 20 Minuten bereits in der Theorie in einem kurzen Film erfahren. Auch der zweite „Lehrer“ der Busschule, Dieter Burghoff , hat es ihnen im Bus noch mal erklärt. Das Bremsmanöver macht ihnen nun aber die Konsequenzen klar, die es haben kann, wenn man diese Regeln ignoriert. Dabei war der Bus gerade „nur“ mit Tempo 30 unterwegs. „Bis Tempo 50 darf ich mit dem Bus fahren“, erklärt Eisel.

„Charly“ Eisel lässt die Kinder drei Schritte vom Fahrbahnrand zurücktreten. Das ist sicherer. Foto: Meuter, Peter (pm)

Vor acht Jahren haben die Stadtwerke ihre Busschule neu ausgerichtet. Das kostenlose Angebot richtet sich nun an alle Viertklässler, die vor dem Wechsel auf eine weiterführende Schule stehen. Die Zeit der kurzen Wege zur Grundschule ist bald vorbei. Viele der Kinder werden nach den Ferien mit dem Bus zur Schule fahren. Darauf will die Busschule sie so gut vorbereiten, dass sie sicher ankommen und dabei auch Rücksicht auf die anderen Fahrgäste nehmen.

Das neue Konzept kommt an. Alle Remscheider Grundschulen nehmen mittlerweile teil, Werbung ist nicht nötig. In diesem Jahr werden 880 Kinder die Puppe fliegen sehen. Ein neuer Rekord.

Das freut Charly Eisel. Er ist von Anfang an dabei. Eigentlich ist er schon Rentner, aber er arbeitet seine beiden Nachfolger noch etwas ein. Und die Arbeit mit den Kindern macht ihm sichtbar Spaß. Als Burghoff den Kindern an der Haltestelle erklärt, warum das Ein- und Aussteigen nur dann gut funktioniert, wenn der Bus gerade an den Bürgersteig anfahren kann, drückt Charly auf dem Fahrersitz auf einen Knopf. Die Bustüre geht ein bisschen auf und gibt Burghoff einen kleinen Schubs in den Rücken. Die Kinder kichern.

Und machen munter mit, als Burghoff als Schauspieler vormacht, wie man möglichst nicht in den Bus einsteigen sollte. Er hat sein Schoko-Ticket nicht griffbereit, grüßt den Fahrer nicht und sein auf dem Rücken schlenkernder Rucksack kommt den Gesichtern der sitzenden Kinder gefährlich nahe. Was denn falsch gewesen sei, will Burghoff von den Grundschülern wissen. Wie in der Schule schießen die Finger nach oben. Die Kinder haben gut aufgepasst.

Bevor es zur Frühstückspause geht, gibt es noch eine kurze praktische Übung für die Wirkung der Fliehkräfte in einem Linienbus. Drei Mal lässt Charly Eisel den Bus einen engen Kreis fahren, die Kinder kreischen und halten sich dabei gut fest, um nicht vom Sitz zu rutschen. An diese Schulstunde werden sie sich sicher erinnern.