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Bundestagswahl 2021: Von der „Partei“ bis zum Einzelbewerber

Bundestagswahl 2021 im Bergischen : Von der „Partei“ bis zum Einzelbewerber

Am Sonntag steht die Bundestagswahl an. Wir stellen die fünf Kandidaten aus dem Wahlkreis 103 vor, deren Parteien nicht dem Bundestag angehören.

Insgesamt elf Kandidaten stehen am kommenden Sonntag im Wahlkreis 103 (Solingen / Remscheid / Wuppertal-Süd) zur Wahl für ein Bundestagsmandat – darunter fünf Bewerber, deren Parteien nicht dem Bundestag angehören. Wir stellen sie vor.

Judith Röder (Die Partei) Als „Königin von Solingen“ präsentierte sich Judith Röder, nachdem sie sich in der „Partei“-internen Abstimmung gegen einen Mitbewerber um die Bundestagskandidatur durchgesetzt hatte. Politische Erfahrung hat die 27-jährige Wirtschaftsinformatikerin bereits als sachkundige Bürgerin in städtischen Gremien der Klingenstadt gesammelt. Fit sei sie darüber hinaus unter anderem in „Unicornologie und Backen“, schreibt „Die Partei NRW“ über die Kandidatin.

Das Augenzwinkern kommt nicht von ungefähr: Schließlich hatte Martin Sonneborn, damaliger Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“, die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ einst zusammen mit Redaktionskollegen aus der Taufe gehoben. Röders im April erklärtes „oberstes Wahlziel“ – die Öffnung der Außengastronomie im Bergischen Städtedreieck – hat sich bekanntlich bereits erfüllt.

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Volker Dörner (Die Basis) „Politik? Ach Du meine Güte“: So umschreibt Volker Dörner in seiner Vorstellung im Internet die Reaktionen seiner Freunde auf seine politischen Aktivitäten. Der 55-jährige Vater einer schulpflichtigen Tochter gehört zu den Mitbegründern des Solinger Stadtverbands der „Basisdemokratischen Partei Deutschlands“.

Dessen Vorsitz hat er gemeinsam mit Melanie Grams inne. Vor der Corona-Pandemie sei ein derartiges Engagement in der politischen Landschaft für ihn nicht infrage gekommen, erklärt er auf der Webseite der Partei, die sich in Kurzform auch einfach „Die Basis“ nennt. Entstanden war sie im Zuge der Proteste gegen die Schutzmaßnahmen während der Corona-Pandemie. Die habe viele alte Missstände aufgedeckt, sagt Volker Dörner. Kanzlerkandidat der Partei ist der Anwalt und „Querdenker“ Dr. Reiner Fuellmich.

Jan Klein (Freie Wähler) Wenn einen etwas störe, solle man sich aktiv beteiligen und versuchen, etwas zu ändern, formuliert Jan Klein sein Credo. Er ist er erste Direktkandidat, den die „Freien Wähler“ im Wahlkreis 103 ins Rennen um ein Bundestagsmandat schicken.

Der 32 Jahre alte Fachlagerist, der zusätzlich Politikwissenschaft studiert, sieht seine politischen Schwerpunkte unter anderem in der Kinder-, Jugend- und Familienpolitik. Nach einem Intermezzo bei der FDP ist er seit 2017 Mitglied in der Bürgergemeinschaft für Solingen (BfS).

Die Idee, die der Verein vertrete, „schwerpunktmäßig die Bürgerbeteiligung“, habe ihn damals angesprochen, sagt er. Die BfS, deren Vorstand er auch angehört, vertritt Klein derzeit im Sport- und Jugendhilfeausschuss. Zudem ist er Vorsitzender der 2019 gegründeten „jungen Bürgergemeinschaft für Solingen“.

Peter Heinrich Kramer – Ehrensache Das Gefühl, mit der eigenen Stimme nichts bewegen zu können, habe ihn zu seiner Kandidatur bewogen, erklärt der parteilose Einzelbewerber Peter Heinrich Kramer in seinem Internetauftritt. Auf Wahlplakaten im Stadtbild ist der Vater von Fußball-Weltmeister Christoph Kramer vor der Bundestagswahl nicht zu entdecken. So etwas sei ohnehin nur „Sichtbehinderung im öffentlichen Raum“, findet er.

Als sachkundiger Bürger saß Peter Heinrich Kramer kurzzeitig in zwei städtischen Ausschüssen in Solingen. Vor allem die Bürokratie treibt den im Jahr 1960 in der Klingenstadt geborenen Bankkaufmann um: Als Ziel benennt er die Verkleinerung des Bundestages von derzeit 709 auf die eigentlich vorgesehene Normgröße von 598 Abgeordneten.

Große Versprechungen will der Kandidat im Vorfeld der Wahl keine machen: Er habe noch nicht einmal ein richtiges Wahlprogramm, gibt er zu. Im Falle eines Wahlerfolgs will Peter Heinrich Kramer jedoch 5000 Euro Mandatsvergütung monatlich an lokale Sportvereine spenden.

Christoph Gärtner (MLPD) „Alterspräsident“ und wohl zugleich auch dienstältester Politiker unter den Direktkandidaten im Wahlkreis 103 ist der 71-jährige Christoph Gärtner: In Medienberichten beziffert der Ruheständler die Zeitspanne seiner politischen Aktivitäten auf nunmehr fast 50 Jahre.

An den Start geht der gelernte Diplompädagoge und Vater dreier erwachsener Töchter bei der kommenden Bundestagswahl für die „Internationalistische Liste“ der „Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands“ (MLPD). Deren erklärte Ziele sind keine geringeren als der „Sturz der kapitalistischen Herrschaft“ und die „sozialistische Weltrevolution“.

Darüber hinaus ist Christoph Gärtner laut eigener Aussage in seiner Freizeit unter anderem interessiert an Romanen, Musik machen, Joggen und Bergwandern.