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Remscheid: Bundespräsident zeichnet Dalgali aus

Remscheid : Bundespräsident zeichnet Dalgali aus

Der langjährige Sozialberater im Lindenhof, Ramazan Dalgali, erhielt das Bundesverdienstkreuz in Berlin. In der "Neuen Mitte" gab es im Kreise Remscheider Wegbegleiter einer Nachfeier.

1971 kam der damals 32-jährige Ramazan Dalgali nach Deutschland. Eigentlich wollte er nur vorübergehend bleiben, aber es kam anders. Der gebürtige Türke blieb in Deutschland und lernte intensiv die neue Sprache. Von 1982 bis zu seiner Pensionierung 2011 arbeitete Dalgali im Honsberger Lindenhof als Sozialberater. Doch auch über den Ruhestand hinaus war der engagierte Remscheider vor allem als Anlaufstelle für Migranten präsent. Für diesen Einsatz erhielt er am vergangenen Donnerstag von Bundespräsident Joachim Gauck persönlich in Berlin das Bundesverdienstkreuz.

Viel Andrang herrschte am Sonntag in der Neuen Mitte, dem frisch eröffneten interkulturellen Zentrum am Honsberg. Sven Wolf, Remscheids SPD-Landtagsabgeordneter, hatte Freunde, Bekannte und Wegbegleiter Dalgalis zu einer Feier eingeladen, um die besondere Ehrung auch noch einmal in Remscheid zu würdigen.

"Es war ein ganz besonderes Gefühl", erinnerte sich Dalgali an das Zusammentreffen mit Gauck im Schloss Bellevue und gab gerne zu, dass er etwas nervös war. Doch er hatte einige Unterstützung. Der ehemalige Pfarrer des Honsbergs, Hans-Günther Korb, Ralf Noll, Geschäftsführer des Stadtteil e.V. und Sven Wolf hatten ihn nach Berlin begleitet.

"Es war wirklich ein feierlicher Moment", bestätigte auch Wolf, der um Dalgalis Verdienste für Remscheid weiß. "Es ist unbezahlbar, was er geleistet hat", meinte der Landtagsabgeordnete. Außer Dalgali zeichnete Gauck noch 24 andere engagierte Mitbürger für ihre Leistungen im Bereich Integration aus.

125 verschiedene Nationen leben in Remscheid, und für alle gibt es den gleichen Schlüssel zur gelungenen Integration. "Nur wenn man die Sprache beherrscht, kann man am gesellschaftlichen Leben teilhaben", betonte Dalgali. Obwohl die Integration in Remscheid gut laufe, könne man immer noch etwas verbessern. Deswegen hilft Dalgali auch mit 64 Jahren noch dabei, dass interkulturelle Miteinander zu stärken. Unter anderem versucht er es mit seiner Tätigkeit im Vorstand des Freundschaftsvereins Remscheid-Kirsehir. Inzwischen ist die angedachte Städtefreundschaft zwischen Remscheid und der 3084 Kilometer entfernten türkischen Stadt in trockenen Tüchern.

Doch man muss gar nicht auf solche Großprojekte blicken, um Dalgalis Wirken zu sehen. Ehrenamtlich organisiert der 64-Jährige noch immer Seminare und Informationsveranstaltungen zu den Themen Gesundheit, Pflegeversicherung, politische Teilhabe, Wohnen im Alter und Erziehung sowie Bildung. Außerdem ist er Vorsitzender des Türkischen Senioren Solidaritätsvereins.

Der aktuelle Trubel um seine Person lässt Dalgali nicht abheben. Er freut sich zwar über die Ehrung, aber bleibt dabei angenehm zurückhaltend. Als ihn eine Frau am Sonntag fragte, wie er sich denn nun fühle, antwortete er lächelnd: "Eigentlich nicht anders als sonst."

(RP)