Remscheid: Bürger eroberten die Trasse

Remscheid: Bürger eroberten die Trasse

Es war ein riesiges Volksfest: Auf Schusters Rappen, per Fahrrad, mit City-Rollern oder Kinderwagen erkundeten die Besucher die ehemals zugewucherte Bahnstrecke. Abends hatten sich die Gäste mit Taschenlampen und kleinen Laternen ausgerüstet.

„Was für ein herrlicher Tag“, schwärmte Oberbürgermeisterin Beate Wilding am späten Samstagnachmittag zur Begrüßung der Gäste. Viele hatten sich zur Eröffnung der Trasse des Werkzeugs an der Honsberger Straße versammelt: Natürlich die Politik, selbstverständlich einige Mitarbeiter der Verwaltung sowie Planer und Projektentwickler. Aber auch die Bürger zeigten lebhaftes Interesse an der Öffnung des vier Kilometer langen Weges, der künftig mitten in der Stadt Spaziergängern, Radfahrern und Inline-Skatern vielseitige Möglichkeiten der Naherholung bieten soll. Endlich sei sie nun fast fertig, die Strecke vom Hauptbahnhof bis Hasten, auf der ein Stück Remscheider Industriegeschichte inmitten der Natur erlebt werden könne, sagte die OB. Gleichzeitig hob sie hervor, dass der alte Schienenweg ohne die Landesmittel aus der Regionale nicht zu einer neuen Funktion hätte kommen können.

„Die Trasse des Werkzeugs ist viel mehr als nur ein einfacher Radweg, wie es mancher Kritiker im Vorfeld der Planungen vielleicht bemängelt hat“, bemerkte Henry Beierlorzer, Geschäftsführer der Regionale 2006 Agentur. Vielmehr steigere der umgestaltete historische Verkehrsweg die Wohnumfeldqualität, trage zur Schulwegsicherung bei, sei eine Kulturachse und solle einmal zu einer Kunst- und Bildergalerie werden.

Nach derlei hehrer Zielsetzung war es soweit: Die Bürger eroberten die Trasse. Auf Schusters Rappen oder auf dem Fahrrad, mit City-Rollern und Kinderwagen wurde die ehemals völlig zugewucherte Bahnstrecke bis in den späten Abend ausgiebig erkundet. Als Trassenführer stießen Claudia Holtschneider, Klaus R. Schmidt und Harald Neumann auf großen Zuspruch. Immer wieder versammelten sich kleine Gruppen, die sich über die geschichtlichen Hintergründe der Wegstrecke informieren ließen. Vorbei ging es an den angestrahlten Werkshallen des Alexanderwerkes und den nicht minder illuminierten Mauern des ehemaligen Schlachthofes. Zwischendurch gab es Gelegenheit, sich an Bierwagen und Imbissständen für die nächsten Meter zu stärken oder am reichen Kulturprogramm zu erfreuen. Mit der Fahrradklingel bahnten sich die jüngsten Trassen-Besucher den Weg durch die Menge. Viele Trassenwanderer hatten sich für die Abendstunden mit Taschenlampen oder kleinen Laternen ausgerüstet.

Mit Karin Metzer und Hugo Händeler waren auch zwei Anwohner zur Eröffnungsfeier gekommen. „Das haben sie schon gut hinbekommen“, lobten beide. Und keinesfalls würden sie sich durch die Neuerung in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft gestört fühlen.

Nur eines fehlte den Senioren: „Auf die Trasse müssen Bänke. Da muss man auch mal an die älteren Remscheider denken.“

(RP)
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