Remscheid: "Buddys" sollen Exzesse verhindern

Remscheid: "Buddys" sollen Exzesse verhindern

Rosenmontag ist ein Tag, an dem viele Jugendliche über die Maßen trinken. Die "Buddys" waren präventiv unterwegs.

Rosenmontag, es ist später Vormittag im Hardtpark in Lennep. Die Stimmung ist bereits gut, im Schnee stehen zumeist sehr junge Närrinnen und Narren und sind mitten im Karneval angekommen. Die Jecken tragen bunte und fantasievolle Kostüme, ein weiteres Accessoire ist bei den meisten von ihnen zu finden: die Flasche oder Dose mit mehr oder weniger hochprozentigem Alkohol. Das Vorglühen vor dem Rosenmontagszug gehört auch in Lennep dazu. Karneval und Alkohol gehören zusammen wie Fastenzeit und Enthaltsamkeit.

Damit es aber nicht zum Äußersten kommt und die jungen Jecken auf ihre Grenzen aufmerksam gemacht werden, sind die "Buddys" in ihren roten Westen unterwegs. Präventiv, denn mit dem Beginn des Umzugs endet ihre Schicht. Die "Buddys", das sind junge Erwachsene ab 18 Jahren, die in einem gemeinsamen Projekt der Stadt Remscheid und der Fachstelle Sucht des Diakonischen Werks Remscheid an Veranstaltungen wie eben dem Rosenmontagszug unterwegs sind, um aufklärend und beratend zur Seite zu stehen.

Bianca und Jessica Förster, Gil Kimberly Maurer, Jacqueline Nowak und Michaela Böhme sind eine Gruppe, die am Montagvormittag im Hardtpark unterwegs ist. Bianca und Jessica Förster und Michaela Böhme sind zum zweiten Mal dabei: "Wir machen in diesem Jahr noch einmal mit, weil wir es für wichtig halten, die neuen 'Buddys' anzulernen. Und außerdem gab es in diesem Jahr nicht so viele Bewerbungen", sagt die 19-jährige Jessica Förster, die derzeit am Käthe-Kollwitz-Berufskolleg ihr Fachabitur macht. Im Vorjahr waren zwölf "Buddys" im Einsatz, in diesem Jahr sind es neun. Mauerer und Nowak sind zum ersten Mal dabei: "Wir hatten beim Kinderkarneval und bei der Anti-Drogen-Disco unsere ersten Einsätze, aber der Rosenmontagszug ist natürlich ein anderes Kaliber", sagt Nowak.

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Die fünf "Buddys" sind mit einer großen Tasche und einem Getränkerucksack unterwegs. In der Tasche befinden sich Give-Aways, etwa Kugelschreiber oder "Wutbälle". Die jungen Frauen sind ebenfalls kostümiert, tragen über den Kostümen aber noch die knallrote Weste: "Daran erkennen uns die Jugendlichen und sprechen uns auch schon mal von sich aus an", sagt Jessica Förster. "Es geht einfach nur darum, ihnen klarzumachen, dass sie ihr Limit erkennen. Wir haben selber auch Erfahrung mit Alkohol gemacht, wir wissen also, wovon wir reden", sagt Böhme. Die Kontaktaufnahme laufe auf Augenhöhe ab.

Jetzt kommt eine FBI-Katze auf die "Buddys" zu: "Habt ihr auch wieder die Give-Aways dabei? Und gibt es bei euch auch dieses Jahr wieder Kaffee?", fragt der junge Mann. Offensichtlich ist er angetrunken. "Und, schon einiges getrunken?", fragt Bianca Förster. "Ja, aber nur Absinth", antwortet der Mann. Er bekommt Give-Aways und geht mit seiner Clique weiter. "Mehr als ansprechen geht nicht. Im Gespräch kann man auf die Gefahren hinweisen", sagt Bianca Förster.

Im Hardtpark selbst gehen die "Buddys" auf eine Gruppe zu. Ob denn jemand einen Alkoholtest machen wolle, fragt Bianca Förster. Zuerst will keiner, dann aber meldet sich ein junger Mann im Armeekostüm. Im Patronengurt trägt er kleine Schnapsflaschen. Das Gerät zeigt 0,24 Promille an. "Das hat sich noch nicht gelohnt", findet er und grinst. Ein Hase will nun auch, in seiner Flasche ist eine milchige Flüssigkeit - 1,52 Promille. Man könne und wolle den Alkoholkonsum nicht verhindern, sagen die "Buddys": "Aber vielleicht können wir helfen, dass weniger Abstürze passieren", sagt Bianca Förster.

(RP)