Remscheid Brücke — Bahn lässt sich Zeit

Remscheid · Sonder-Arbeitstrupps auf der Müngstener Brücke sucht man vergeblich. Es wirkt, als ob es nur langsam vorangeht. Die Bahn begründet dies mit dem speziellen Bauwerk. Sie hofft, in diesem Sommer fertig zu werden.

Wenn auf Autobahnen überraschend etwas instand gesetzt werden muss, geschieht dies oft mit Hochdruck. Bautrupps mit reichlich Personal arbeiten sogar nachts im Scheinwerferlicht, damit am nächsten Morgen im Berufsverkehr die dringend benötigten Fahrspuren wieder passierbar sind.

Wer dieses Großaufgebot an Arbeitern, Material und Maschinen jetzt auch von der Deutschen Bahn bei der Müngstener Brücke erwartet, wird eines Besseren belehrt. Es ging gestern ziemlich beschaulich zu auf der Baustelle von Deutschlands höchster Eisenbahnbrücke, die — so hat es die Bahn am Montag mitgeteilt — nicht stabil genug ist, um Personenzüge zu tragen.

In diesem Sommer fertig?

Einsam klebt noch immer das kleine Gerüst am Geländer über dem hohen Bogen. Statt Hammerschlägen schallt Vogelgezwitscher durchs Tal der Wupper — und das Rufen der Kinder im Brückenpark während ihrer Fahrt mit der Schwebefähre. Zwei Männer in Warnwesten, ausgestattet mit Vermessungsgeräten, sind aber doch am Bahnsteig 2 des Schaberger Bahnhofs tätig. Beim Blick über die Gleise sind außerdem zwei Bahnarbeiter auf der Brücke zu sehen.

Erwartungen, dass angesichts der Pannenserie und der noch für Wochen gesperrten Brücke die Bahn nun Sonder-Einsatztrupps aufbietet, bremst Unternehmenssprecher Udo Kampschulte: Dies sei ein spezielles Bauwerk. Es könne nicht wie am Fließband gearbeitet werden. Sicherheitsbestimmungen müssten eingehalten werden, begründet er. Von Schneckentempo könne aber keine Rede sein. Auf der Brücke gebe es beispielsweise spezielle Luken, durch die allein in die Verstrebungen geklettert werden dürfe. Schwindelfrei müssten die Arbeiter sein. Zudem seien die Ersatzteile aufwendige Einzelanfertigungen. Dies dauere.

Zum Zeitplan der Arbeiten zur Verstärkung der Brücke sagt Kampschulte: Derzeit werden zusätzlichen Schraubverbindungen im Bereich der Gleise angebracht. Anschließend müssen "Windverbände" eingebaut werden. Das sind Querverstrebungen in der Konstruktion, um den Winddruck aufzunehmen. Der Bahnsprecher will sich nicht festlegen, wann die Arbeiten abgeschlossen sind. Er hält es aber für "realistisch", dass die Brücke in diesem Sommer wieder vom Müngstener befahren wird.

Die Pendler Caroline Holz, Horst Koßmann, Anita Zirbel und Markus Gantenberg sehen unterdessen dem Tag, an dem sie endlich wieder mit dem Müngstener über die Brücke fahren können, mit Spannung entgegen. "Das ist doch grausam", sagen sie über die neuerlichen Verzögerungen, als sie aus dem Schienenersatzbus aussteigen. Zwischen Remscheid und Solingen gibt es für sie keine Alternative: "Wir sind darauf angewiesen." KOMMENTAR

(RP)