Remscheid: Boogie-Pianisten lassen ein begeistertes Publikum zurück

Remscheid: Boogie-Pianisten lassen ein begeistertes Publikum zurück

Jörg Hegemann und Patrick Ziegler spielten ein schweißtreibendes, beglückendes Konzert im Lenneper Rotationstheater.

Am Ende sind alle außer Atem. Jörg Hegemann muss einmal tief durchatmen, um sich vom Publikum zu verabschieden. Patrick Ziegler pustet nachdenklich auf seine Fingerspitzen. Und das Publikum will gar nicht aufhören, zu jubeln: Mehr als zwei Stunden lang haben die beiden Pianisten ihren Zuhörern im Rotationstheater in Lennep richtig eingeheizt. Im Grunde hat das Publikum nichts anderes erwartet, denn die Freunde des Boogie Woogie kennen Jörg Hegemann und sie wissen, wie er das Rotationstheater verzaubern kann. Und doch bleiben seine Zuhörer am Ende staunend, jubelnd und ein bisschen atemlos zurück.

Auch dem Meister selbst ist die Luft knapp geworden. Seine Finger sind im rasenden Tempo über die Tasten gefegt, haben Boogie Woogie vom Feinsten erschaffen, den Funken von der Bühne des Rotationstheaters mit dem ersten Ton ins Publikum überspringen lassen. Seine Beine standen keine Sekunde still. Seine Finger haben während des Konzertes Kilometer hinter sich gelegt. Sein Fuß hat laut und deutlich, schnell und einprägsam den Takt mitgeklopft. Er hat seinem Vorbild Albert Ammons gehuldigt, eigene Kompositionen gespielt, variiert, gezaubert, geschwitzt. Das Publikum wusste es zu schätzen. Jubel, fröhliche Pfiffe und herzlicher Applaus, manchmal auch "Danke"-Rufe begleiteten den Auftritt.

Vor allem, wenn ihm gegenüber Patrick Ziegler Platz nahm, machte sich das Publikum auf hohe Kunst gefasst: Denn wie üblich kam der Boogie Woogie-Experte nicht alleine nach Lennep. Er bringt die "jungen Wilden" seiner Branche mit, nennt so auch seine beliebte Reihe. "Patrick Ziegler ist einer der Besten überhaupt", lobte er. Auch dem ungeübten Boogie Woogie-Hörer wurde schnell klar, dass Hegemann nicht übertreibt: Der 30-Jährige spielte am E-Piano, der 51-Jährige gegenüber am klassischen Klavier. Zusammen erschufen sie eine neue Musik: Stücke, die es so wohl noch auf kein Notenpapier geschafft haben, die Humor verkörperten und Energie, ließen früh ahnen, wohin die Reise geht.

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"Macht richtig Bock, hier zu spielen", sagte Ziegler, als die Bühne ihm gehörte. Mal guckte er ganz grimmig, dann blickte er lachend ins Publikum und schickte seine Finger in einem Wahnsinnstempo durch die Oktaven. Auch er spielte eigene Stücke - mal improvisiert, dann ganz langsam und bedacht.

Die zweite Hälfte des Konzerts bestritt Jörg Hegemann allein - bevor die beiden Pianisten wieder in den musikalischen Dialog traten. Und Hegemann ließ die Zuhörer teilhaben. An seiner Begeisterung für den amerikanischem Pianisten Albert Ammons, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts erst in dunklen Gaunerkneipen und schließlich in der Carnegie Hall seinen Boogie Woogie spielte.

(RP)