Blitzer in Remscheid klappt, die Ampelschaltung nicht

Bilanz der Tempomessung an der Freiheitstraße : Blitzer klappt, die Ampelschaltung nicht

Tempo 30 soll in der Nacht für mehr Ruhe auf der Freiheitstraße sorgen. Ein darauf ausgerichtetes Programm für die neue Ampelanlage sorgt aber für Probleme. Das rückt die Tempo-Überwachung in den Blick der Politik.

Die seit einiger Zeit in den Nachtstunden von 22 bis 6 Uhr geltende Geschwindigkeitsbegrenzung von Tempo 30 auf der Freiheitstraße wird regelmäßig missachtet. Dafür legte Ordnungsamtleiter Jürgen Beckmann der Bezirksvertretung Alt-Remscheid am Dienstabend eindrucksvolle Zahlen vor. 3057 Tempoüberschreitungen registrierte die Stadt im Zeitraum zwischen 10. September und 7. Oktober, als an der Freiheitstraße zum Test ein semi-stationäres Messgerät zur Tempo-Überwachung aufgestellt war. Beckmann rechnet mit Bußgeldeinnahmen aus diesen vier Wochen in Höhe von 50.000 Euro. Nach dem Probelauf hat die Stadt nun die Ausschreibung eines solchen Gerätes auf den Weg gebracht. Zum Ende des ersten oder Anfang des zweiten Quartals des kommenden Jahres soll es an den Start gehen.

Doch Politiker von CDU, Linke und Wählergemeinschaft haben Bauchschmerzen, weil der eigentliche Grund für die Tempo-Überwachung, die Reduzierung des Verkehrslärms, aktuell in den Hintergrund gerückt ist. „Wir machen uns unglaubwürdig“, sagte Fritz Beinersdorf (Linke). Alexander Ernst (W.i.R.) plädierte dafür, die Tempoüberwachung auszusetzen.

Beckmann bestätigte den Grund der Aufregung. Seit zwei Wochen funktioniert die so genannte Nachtschaltung der neuen Ampeln auf der Freiheitsstraße nicht mehr. Ziel des Programms ist es, dass die Autofahrer in den Nachtstunden eine Art „Grüne Welle“ haben, wenn sie sich an die Geschwindigkeitsvorgabe von 30 km/h halten. Nun aber kann es passieren, dass sie vor jeder der drei in der Nacht noch aktiven Ampeln anhalten und dann wieder anfahren müssen. Je nachdem, wie stark sie dabei auf Gaspedal oder Bremse treten, fallen die Anlieger aus den Betten, sagte Beinersdorf.

Wie Udo Wilde, Abteilungsleiter bei den Technischen Betrieben (TBR), unserer Zeitung berichtet, sucht die Stadt zusammen mit der Signalfirma intensiv die Ursache des Problems. Denn zunächst funktionierte die Ampelschaltung. In einem Langzeittest hatte man das Programm zunächst über eine Computer-Simulation getestet, dann der Firma zum Programmieren auf die Ampel-Steuerung übergeben. Wilde hofft daher, dass in den nächsten Tagen der Fehler gefunden wird.

Bis dahin läuft in der Nacht in der Freiheitstraße ein Festzeitprogramm, das mit starren Intervallen für Rot- und Grünphasen arbeitet. Wer in einer Seitenstraße steht, wartet oft lange, auch wenn kein einziges Auto auf der Bundesstraße unterwegs ist. Ganz ausschalten darf die TBR die Ampeln nicht. „Es ist ein sicheres Programm, aber es ist ein blödes Programm“, bringt Wilde den Zwiespalt auf den Punkt. Als bestes Mittel gegen den Verkehrslärm gilt indes der so genannte Flüsterasphalt. Er soll nach den Planungen der Stadt die Tempoüberwachung ablösen, die der Rat nur als Übergangslösung beschlossen hat. Weil der Stadt dafür das Geld fehlt, soll er frühestens 2022 verlegt werden. „Der Flüsterasphalt wäre längst da, wenn wir das Geld hätten“, sagte Hans-Lothar Schiffer (FDP).

Bis 2022 wird also weiter geblitzt. Bis die neuen Messgeräte da sind, wird dies mit mobilen Geräten passieren. Der neue Blitzer soll später auch an anderen Orten genutzt werden, sagte Dezernentin Barbara Reul-Nocke (CDU).