Blitzer - 1,4 Millionen für die Kasse

Remscheid: Blitzer - 1,4 Millionen für die Kasse

In Remscheid sind im vergangenen Jahr rund 70.000 Autofahrer dabei erwischt worden, dass sie schneller fuhren als erlaubt. Die Polizei hat 3000 Verstöße gemessen.

Rechnerisch addiert sich das - gut 1,6 Millionen plus 300.000 Euro - auf 1,9 Millionen Euro Brutto. Davon sind abzuziehen Einsatzfahrten von Polizei und Feuerwehr (Sonderechte) sowie Fälle, die vor Gericht landen. Das sind in aller Regel Verstöße, bei denen der Verlust des Führerscheins droht. Auch wenn der eingezogen wird - das Bußgeld geht an die Gerichtskasse. Jürgen Beckmann, Fachdienstleiter Bürger, Sicherheit und Ordnung im Rathaus, rechnet aus Erfahrung mit einer städtischen Einnahme von etwa 1,4 Millionen Euro.

Aus seiner Sicht gibt es zwei Effekte, wenn Autofahrer die Wagen erkennen, aus denen es blitzt: Die Autofahrer nehmen das wahr und fahren disziplinierter. Der andere geht so: Die Autofahrer gewöhnen sich an den Blitzer - die Disziplinierung lässt nach. Weil das vor allem für stationäre Blitzer zutrifft, hat die Stadt in einigem Abstand mobile Messpunkte eingerichtet. Die Erfahrung sagt, dass viele Autofahrer am Blitzgerät bremsen und dann wieder beschleunigen.

Die Stoßrichtung der städtischen Messungen wird gut deutlich am Beispiel wesentlicher Aktivitäten während der Vormittagsstunden. Da sind Mitarbeiter fast ausschließlich in der Nähe von Schulen und Kindertagesstätten aktiv. Drei Fahrzeuge stehen zur Verfügung. Sie stehen an 120 "im Benehmen mit der Polizei definierten Stellen", erläutert Jürgen Beckmann. Meist beziehen sie sich auf schutzwürdige Personenkreise: Kinder, Senioren, gebrechliche Menschen. Bei weiteren geht es um Abschnitte von Straßen, auf denen Autofahrer potenziell zu schnell unterwegs sind. "Wir erhalten permanent Hinweise aus der Bevölkerung: Bei mir wird gerast", schildert der Amtsleiter.

Häufen sich Hinweise, nutzt das Ordnungsamt zunächst ein Tempo-Display - es zeigt die gefahrene Geschwindigkeit und dazu ein freundliches oder böses Gesicht - oder ein Seitenradar. Daran können Mitarbeiter ablesen, wie häufig Autofahrer tatsächlich zu schnell sind. Wegen der statistischen Sicherheit stehen oder hängen solche Anlagen auch fast immer zwei Wochen lang. Erwiesen ist, dass "wir immer mehr Hinweise erhalten, als wir bewältigen können", sagt Beckmann. Um allen nachzukommen, reiche das Personal nicht und müsste es zudem mehr Fahrzeuge geben als drei. Zum Glück erleichtere die Technik die Besetzung der Autos. Mussten früher stets zwei Mitarbeiter im Wagen sitzen, reicht heute einer, der sich ums Radargerät kümmert.

Hinzu kommen Erkenntnisse aus Verkehrsbesprechung oder Unfallkommission. Seit die Blitzer an der Neuenkamper Straße stehen, passieren zwar auch noch Unfälle, aber nicht mehr wegen überhöhter Geschwindigkeit. Wobei in Ergänzung dazu auch bauliche Veränderungen Effekte erzielen. An der Einmündung Losenbücheler auf die Solinger Straße ist beispielsweise seit der Einrichtung des Blitzers kein einziger Unfall mehr mit einem auf die Solinger Straße einbiegenden Auto passiert.

Ein gutes Beispiel, wo sich die "Blitzer" quasi aufgedrängt haben, ist für Beckmann die A 1 Richtung Leverkusen, wo bei 300 Unfällen binnen eines Jahres sieben tödlich verliefen. In Remscheid dränge sich zurzeit kein weiterer Standort für ein stationäres Gerät auf. Stattdessen werde man spätestens im Frühjahr verstärkt an Wochenenden unterwegs sein. "Disco-Blitzen" ist das Stichwort.

(RP)