Remscheid: Blick ins Gedächtnis einer Stadt

Remscheid: Blick ins Gedächtnis einer Stadt

Am "Tag der Archive" lud das Remscheider Stadtarchiv gestern zu einem Besuch ein. Gäste schauten dem Restaurator über die Schulter. Hausherr Dr. Urs Diederichs und sein Team zeigten, was der Nachwelt erhalten bleibt.

Ihrem historischen Interesse freien Lauf lassen konnten gestern die Besucher des Stadtarchivs an der Hastener Straße. Zum bundesweiten "Tag der Archive" gab sich das Mitarbeiter-Team alle Mühe, den Gästen einen spannenden Blick in die Geschichte Remscheids zu gewähren.

Gebeugt über eine Kopie eines Aktenblattes versuchten Eva Maria und Hans Kremer die altdeutsche Schrift zu entziffern. "Gar nicht so einfach", meinte das Lenneper Ehepaar. Hilfreich waren indes die von Archiv-Mitarbeiterin Viola Schwanicke zur Verfügung gestellten Karten, die eine Zuordnung der Buchstaben zum lateinischen Alphabet lieferten.

Notfallplan für den Schadensfall

Beim Rundgang erfuhren die Gäste, wie das Stadtarchiv aufgebaut ist, welche Dokumente wo gelagert werden, wie sie sortiert sind und dass es sogar einen Notfallplan gibt, um im Schadensfall vor allem die wichtigsten Archivalien zu retten. Auch ließ sich Restaurator Hans Jungheim beim filigranen Umgang mit den wertvollen Sammlungen, Büchern und Schriften über die Schulter schauen.

Dr. Urs Diederichs legte Wert darauf zu zeigen, wie benutzerfreundlich und einladend die Räumlichkeiten gestaltet sind. Die hellen, klimatisierten Archivmagazine haben so gar nichts mehr von dem muffigen Kellerloch an der Honsberger Straße, wo das Stadtarchiv bis September 2007 untergebracht war.

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"Beim Umzug in diese Räume haben wir großen Wert auf die Besucherfreundlichkeit gelegt", erläuterte der Direktor des Historischen Zentrums Remscheid. Heute stünde die "heimatkundliche Forschung" zu 80 Prozent im Interesse der Nutzer, die sich in erster Linie der Familien- und Stadtgeschichte zuwenden.

Unter anderem werden Geburten- und Sterberegister, Stadtpläne und Plakate, eine umfangreiche historische Fotosammlung und jede einzelne Ausgabe der örtlichen Tageszeitungen archiviert.

Was in ihrer Bedeutung häufig übersehen werde, sei neben der geschichtlichen die juristische Relevanz eines Archivs. Als zentrale Einrichtung zur Stadtgeschichte sei es "das Langzeitgedächtnis der Verwaltung", zeigte Diederichs im Hinblick auf die Archivierung aller Ratsprotokolle auf.

Weil sie kommunale Pflichtaufgaben wahrnehme, müsse die Einrichtung trotz aller Sparzwänge erhalten bleiben. Gleichwohl arbeite man, so Diederichs, bereits heute mit einem sehr engen Etat. So sei er für Zuwendungen, wie sie in der Vergangenheit beispielsweise durch die Eugen-Moog-Stiftung geflossen sind, dankbar.

Außerdem seien seine Mitarbeiter höchst motiviert und würden teilweise sogar zwischen Werkzeugmuseum, Haus Cleff und dem Stadtarchiv "hin und her springen". "Insofern hat es sich wirklich bewährt, die Einrichtungen des Historischen Zentrums in räumlicher Nähe zusammenzufassen", meinte der Museumsdirektor.

(RP)