Remscheid: "Bitte keinen Rummel um meine Person"

Remscheid : "Bitte keinen Rummel um meine Person"

Was würde Wilhelm Conrad Röntgen sagen, wenn er heute seine Geburtsstadt Lennep besuchen würden? Die Röntgen-Woche, die noch bis zum Wochenende läuft, bietet einen guten Anlass, diese Frage zu stellen. Ein fiktives Gespräch.

Herr Röntgen, Sie haben Lennep als Erwachsener besucht. Erkennen Sie Ihre Geburtsstadt wieder?

Röntgen Ja, es ist einiges erhalten geblieben. Allen voran mein Geburtshaus und das alte Haus, in dem sich heute ein Teil des Deutschen Röntgen-Museums befindet.

Was gefällt Ihnen hier besonders?

Röntgen Die wunderbare Landschaft. Wie Sie wissen, bin ich ein leidenschaftlicher Wanderer. Das Bergische Land ist zwar nicht mit den Alpen vergleichbar, aber doch sehr reizvoll.

Würden Sie auch auf dem Röntgenweg laufen?

Röntgen Das lässt sich ja kaum vermeiden. Auch wenn es mir etwas unangenehm ist, hier überall auf meinen Namen zu stoßen.

Gefällt Ihnen das Deutsche Röntgen-Museum?

Röntgen Der Rummel um meine Person ist mir eher unangenehm. Ich wollte ja auch nicht, dass die X-Strahlen nach mir benannt werden. Auf den Nobel-Raum, zu viel der Ehre, hätten sie meiner Meinung nach verzichten können. Aber dass sie den Versuchsaufbau darstellen und bald die vielen verschiedenen Röntgenapparate zeigen wollen, finde ich angemessen. Forschung muss in den Mittelpunkt gerückt werden. Es macht mich wütend, wenn meine Forschungsinstrumente nicht gut behandelt werden.

Das Museum hätte noch mehr zu zeigen, wenn Sie in Ihrem Testament nicht verfügt hätten, dass alle Ihre wissenschaftlichen Aufzeichnungen vernichtet werden.

Röntgen Ich hatte meine Gründe.

Sie haben Ihre Entdeckung nicht patentieren lassen. Sie hätten viel Geld damit verdienen können.

Röntgen Bahnbrechende Entdeckungen gehören der Allgemeinheit und dürfen nicht durch Patente, Lizenzverträge und dergleichen einzelnen Unternehmungen vorbehalten bleiben. Schauen Sie sich doch die vielen Röntgen-Apparate im Museum an: Sie wären nicht so schnell verbreitet worden, hätte ich die Strahlen patentieren lassen.

Zurzeit läuft in Lennep die Röntgen-Festwoche. Feiern Sie mit?

Röntgen Eher nicht. Zum Feiern hatte ich auch damals schon eher wenig Zeit.

Aber die Röntgen-Plaketten-Verleihung. . .

Röntgen Daran würde ich teilnehmen. Ich schätze es sehr, dass auf diesem Wege wissenschaftliche Forschung in das Blickfeld der Allgemeinheit gerückt wird.

Was bedeutet Ihnen Forschung?

Röntgen Sie ist der Kampf gegen die Natur, die nie freiwillig Geheimnisse preisgibt. Die Natur ist in dieser Hinsicht heimtückisch, sie geht darauf aus, den Menschen zu betrügen, selten, dass sie ihm etwas offenbart. Es bedarf schon des sorgfältigen Beobachtens und Analysierens. Und ich sage Ihnen, niemals aufgeben. Belohnt wird man dann am Schluss.

Dem Lennep von heute geht es nicht gut. Viele Geschäfte stehen leer. Wie empfinden Sie das?

Röntgen Ach, ist das so? Das ist mir gar nicht aufgefallen. Ich kaufe nicht ein. Meine Frau Bertha ist für den Haushalt zuständig.

Auch eine Schule in Lennep, das Röntgen-Gymnasium, trägt Ihren Namen.

Röntgen Nun ja, an meine Schulzeit habe ich nicht die besten Erinnerungen. Aber ich habe auch ohne Abiturzeugnisse, die mir aufgrund einer Ungerechtigkeit verwehrt blieben, eine wissenschaftliche Karriere machen können. Das sollte uns lehren, den Blick für Talente nicht zu verlieren. Und den Jugendlichen sollte es zeigen, dass sie auch über Umwege zum Ziel kommen können. Voraussetzung sind Willenskraft und Hartnäckigkeit.

Idee: Kristina Hellwig und Alexandra Kemp. Berater: Uwe Busch (Röntgen-Museum), Wilhelm R. Schmidt.

(RP/rl)
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