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Bergische Symphoniker: Zwei Schwergewichte zum Start in die Spielzeit

Bergische Symphoniker in Remscheid : Zwei Schwergewichte zum Start in die Spielzeit

Die Bergischen Symphoniker brillierten zum Saison-Auftakt im Teo Otto Theater mit Werken von Dmitri Schostakowitsch und Ludwig van Beethoven.

Auf der großen Leinwand über der Bühne sind Anweisungen zu Hygiene- und Infektionsschutz zu sehen, es sind deutlich weniger Sitzreihen im ehrwürdigen Teo Otto Theater verfügbar als üblich, und die Besucher kommen mit Masken in den Saal. Klar, die Corona-Pandemie ist auch zum Auftaktabend der neuen Spielzeit vorherrschend. Aber die Remscheider lassen sich die Lust auf ihre Kultur nicht nehmen.

„Fühlen Sie sich sicher?“, fragt der künstlerische Leiter Sven Graf und ergänzt: „Damit man sich wohlfühlt, muss man sich auch sicher fühlen.“ Kräftiger Applaus und lautstarke Zustimmung sind die unmittelbare Antwort. Das freut Graf, der es sich nicht hat nehmen lassen, die Besucher persönlich zur „wohl außergewöhnlichsten Spielzeit, die wir je hatten“ zu begrüßen.

Standesgemäß markieren die Bergischen Symphoniker den Auftakt dieser Corona-Spielzeit. Zwei Werke hat Orchesterleiter Daniel Huppert für den Mittwochabend ausgewählt. Werke zweier echter kompositorischer Schwergewichte. Den Auftakt macht ein relativ frühes Opus des Russen Dmitri Schostakowitsch. Mit seinem Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester in c-Moll aus dem Jahr 1933 lässt Schostakowitsch das Orchester ein sehr abwechslungsreiches Bild zeichnen, das von Martina Filjak am Klavier dominiert wird. Die junge Frau zieht nicht nur alle Blicke mit ihrem auffälligen Blumenkleid – ein reizvoller Kontrast zum Schwarz-Weiß der Symphoniker – auf sich, sondern fasziniert vor allem durch ihr beinahe organisches Verschmelzen mit ihrem Instrument.

Kaum hat sie die ersten Töne, gerne ein wenig dissonant, wie bei Schostakowitsch nicht unüblich, gespielt, scheint sie mit dem schwarzen Flügel zu verschmelzen, werden ihre Finger und Arme zu wieselflinken Verlängerungen der Tasten. Seien es die donnernd grollenden tiefen Töne oder die hohen, spitzen, die mal wie freches Kichern, mal wie befreites Juchzen klingen – Martina Filjak ist absolut eins mit ihrem Klavier. Nun ist das Werk aber auch ein einziges Potpourri der unterschiedlichen Stimmungen.

Selten wird dies deutlicher, als wenn Ferenc Mausz die Solo-Trompete spielt. Mal krachend laut, dann wieder mit Dämpfer, etwas schräg wie im Jazz, der sich ja auch immer wieder bei Schostakowitsch findet, immer aber akzentuiert und voller Verve.

Das ist ein leidenschaftlicher, ein kraftstrotzender Auftakt in die Spielzeit 2020/21. Und ganz ähnlich geht es weiter. Noch ist ja Beethoven-Jahr, vor 250 Jahren wurde der große Komponist geboren. Da allerdings wegen Corona viele Konzerte ausgefallen sind, hat man nur ein Bruchteil dessen zu hören bekommen, was diesem Anlass angemessen wäre. Umso schöner, dass Huppert mit der 7. Symphonie in A-Dur eine der Symphonien ausgewählt hat, die man nicht allzu oft zu hören bekommt, die sich aber auch keineswegs hinter den Beethoven-Gassenhauern, natürlich der Fünften und der Neunten, zu verstecken braucht.

Geradliniger als der verspielte Schostakowitsch, natürlich ein wenig schwerer – es ist schließlich Beethoven –, dabei aber mit so viel Einfallsreichtum und Lebendigkeit in der ausgefeilten Struktur, dass das Zuhören eine reine Wohltat ist. Und mit genügend Widerhaken-Melodien versehen, dass man gar kein „Freude schöner Götterfunken“ oder „Da-da-da-daaa“ braucht, um die Seele in ein wohliges Harmoniebad abtauchen lassen zu können.

Das tut dem Gemüt gut, das kulturell noch immer Nachholbedarf hat, auch wenn die Remscheider Spielstätten mittlerweile alle wieder den Betrieb aufgenommen haben. Aber sechs Monate sind eine lange Zeit gewesen. Und wie heißt es doch? Man lernt erst zu schätzen, was man hat, wenn es weg ist. Es braucht nur wenige Augenblicke, in denen man den ebenfalls wie befreit aufspielenden Symphonikern zuhört, um zu merken, wie sehr sie gefehlt haben. Und dieses wechselseitige Einandergefehlthaben kulminiert in einem lautstark explodierenden Schlussapplaus mit stehenden Ovationen, wozu auch noch Bravo-Rufe spendiert werden.

Und weil man sich nicht die Hand schütteln darf, machen Dirigent Huppert und der stellvertretende Konzertmeister Martin Haunhorst einen Faustgruß – der Spielzeit-Auftakt war einer nach Maß.

Talk Am Freitag, 11. September, lädt Horst Kläuser um 19.30 Uhr zum Kall nit – Stell Dich!

Klangkosmos Am Dienstag, 15. September, um 19.30 Uhr sind Haratago aus dem Baskenland im Rahmen der Reihe Klangkosmos zu Gast

Comedy Travestie-Künstlerin Lilo Wanders lädt mit ihrem Programm „Sex ist ihr Hobby“ am Samstag, 19. September, um 19.30 Uhr zum Lachen ein

www.teo-otto-theater.de