Bergische Symphoniker Stipendium kann Musikern Türen öffnen

Remscheid / Solingen · Die Orchesterakademie der Symphoniker begrüßt fünf neue Stipendiaten. Für Geschäftsführerin Tilla Clüsserath heißt es Abschied nehmen.

 Tilla Clüsserath (v.l., scheidende Geschäftsführerin der Orchesterakademie) mit drei der fünf neuen Stipendiaten, Nara Carballal Noguiera, Zhilong Liu und Ana Moreno Rosales, sowie mit dem neuen Geschäftsführer Christian Leschowski.

Tilla Clüsserath (v.l., scheidende Geschäftsführerin der Orchesterakademie) mit drei der fünf neuen Stipendiaten, Nara Carballal Noguiera, Zhilong Liu und Ana Moreno Rosales, sowie mit dem neuen Geschäftsführer Christian Leschowski.

Foto: Wolfgang Weitzdörfer

Die Arbeit der Orchesterakademie der Bergischen Symphoniker ist fraglos wichtig – auch wenn sie vorrangig im Hintergrund stattfindet. Wobei natürlich die Stipendiaten sehr wohl sichtbar und vor allem hörbar sind, spielen sie in den zehn bis elf Monaten, die ihr Stipendium dauert, im Orchester mit.

„Das funktioniert in etwa wie eine Teilzeitstelle, also mit 15 Diensten im Monat“, erläutert Tilla Clüsserath, seit 2003 Geschäftsführerin der Orchesterakademie.

In diesem Jahr sind fünf Stipendien vergeben worden. „Es handelt sich dabei um eine reine Streichergruppe – Nara Carballal Noguiera am Cello, Ping-Hsuan Hsu an der Violine, Zhilong Liu am Kontrabass und Ana Moreno Rosales an der Viola“, sagt Tilla Clüsserath. Die fünfte Stipendiatin habe kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten müssen. „Die Stelle wird nachbesetzt, steht aber noch nicht fest.“ Die Internationalität unter den Stipendiaten würde übrigens sehr gut die Situation an den Musikhochschulen widerspiegeln, ergänzt sie.

Die Stipendiatsstellen seien sehr begehrt, informiert Tilla Clüsserath weiter. „Es gibt solche Stipendien nicht sehr oft. Daher haben wir jedes Jahr pro Stelle zwischen zehn und 20 Bewerbungen.“

Neben den Auftritten mit den Bergischen Symphonikern – alle vier neuen Stipendiaten sind schon auf der Bühne gewesen – steht auch die menschliche und soziale Begleitung der Nachwuchsmusiker auf dem Programm. „Jeder Stipendiat bekommt einen Mentor aus dem Orchester zur Seite gestellt. Denn sie müssen sich in relativ kurzer Zeit in die Programme einarbeiten, das ist auch nicht immer ganz einfach“, weiß die Geschäftsführerin.

Finanziert würden die Stipendiatsstellen privat – eine Summe kommt aus dem Kuratorium der Orchesterakademie, in dem Unternehmen der Region sitzen, dazu kommen Privatspenden, die Mitgliedsbeiträge und weitere Spenden von Unternehmen, die nicht im Kuratorium sind. Neben den Instrumentalstipendien gibt es auch noch ein Dirigatsstipendium, das allerdings vom Land finanziert wird. In diesem Jahr hat die erst 25-jährige Lea Ray diesen Stipendiumsplatz erhalten.

Es ist der Hauptzweck der Arbeit der Orchesterakademie, die 1999 auf Bestreben der damaligen Generalmusikdirektorin Romely Pfund ins Leben gerufen wurde, dem Orchesternachwuchs einen Einblick in das Orchesterleben zu bieten. „Das kommt im Studium nicht so oft vor, da die Musiker da eher zu Solisten ausgebildet werden“, sagt Tilla Clüsserath. Sie selbst ist seit 2003 dabei – und hat als eine ihrer letzten Amtshandlungen nun die neuen Stipendiaten begrüßt. Denn Tilla Clüsserath ist ab sofort nicht mehr als Geschäftsführerin tätig.

„Ich habe seit einigen Jahren noch eine weitere Beschäftigung beim Deutschen Bühnenverein in Köln – und das ist mir zu zeitaufwändig geworden“, erklärt sie. Sie gehe nach 20 Jahren allerdings auf jeden Fall „mit blutendem Herzen“. Denn in diesen zwei Jahrzehnten habe die Orchesterakademie insgesamt 140 Stipendiaten ausgebildet, darunter viele Frauen, die auch heute noch in teilweise renommierten Orchestern spielen oder dirigieren.

Die scheidende Geschäftsführerin empfindet auch große Dankbarkeit, wenn sie auf die lange Zeit zurückblickt, in der sie mit Romely Pfund, Peter Kuhn und jetzt Daniel Huppert drei Generalmusikdirektoren begleitet hat.

„Die Zusammenarbeit war und ist immer sehr gut“, schwärmt  sie. Und betont die große Sinnhaftigkeit der Stipendien – vor allem auch für die Nachwuchsmusiker, die sehr davon profitieren würden. „Es ist auf jeden Fall eine gute Sache für den Lebenslauf, wenn man unser Stipendium absolviert hat. Das hilft den jungen Musikern beim Start ins Berufsleben – und es kommt auch bei den Arbeitgebern gut an“, weiß Tilla Clüsserath. Ihr Nachfolger in der Geschäftsführung steht auch bereits fest – der Oboist Christian Leschowski.

„Er hat bereits im Vorstand der Orchesterakademie mitgearbeitet.“ Dazu komme, dass er als Orchestermitglied die Perspektive der Musiker sehr gut mit einfließen lassen könne.

Die 1999 gegründete Orchesterakademie begleitet die Nachwuchsarbeit der Bergischen Symphoniker. Die wiederum kümmern sich ebenfalls um den Nachwuchs – wenngleich auf einem viel früheren Niveau. Denn neben den Auftritten im Teo Otto Theater und im Schauspielhaus Solingen, was natürlich für jeden Orchesterfreund ganz einfach nachzuvollziehen ist, kümmert sich das Orchester um die Schüler an den Solinger und Remscheider Schulen. „Sie gehen etwa zur Instrumentalkunde in die Klassen – da läuft sehr viel Nachwuchsarbeit im Hintergrund“, betont Tilla Clüsserath.

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