Bergische Symphoniker: Paten gesucht

Kultur in Remscheid: Paten für Symphoniker gesucht

Seit einigen Jahren kann man eine Patenschaft für einen Musiker der Bergischen Symphoniker übernehmen und so die Orchesterarbeit unterstützen. Unter anderem engagiert sich der Rotary-Club Remscheid-Lennep.

Alexander Holthaus und Ruth Krabbe sind sich bisher noch nicht begegnet. Der Vorsitzende des Rotary-Clubs Remscheid-Lennep und die Fagottistin der Bergischen Symphoniker verbindet dennoch mehr als nur die Liebe zur Musik. Holthaus ist stellvertretend für die Rotarier Pate für die Musikerin, die aus Bocholt stammt und nach ihrem Studium an der Musikhochschule in Köln seit 1992 bei den Bergischen Symphonikern spielt.

Krabbe beschreibt das Instrument Fagott als „tief, beruhigend und immer spannend“. Eine Beschreibung, die Holthaus auch für den Rotary-Club als zutreffend bezeichnet, wie er sagt. „Wir unterstützen in Remscheid ja auch in vielfältiger Weise, von Kindern bis zu Senioren – und eben auch die Kultur.“ Zu letzterem gehören neben den Bergischen Symphonikern etwa auch das Kulturzentrum Klosterkirche.

Mit dem Instrument Fagott kenne er sich nicht so gut aus, sagt der 46-jährige Rotary-Vorsitzende: „Ich versuche seit einiger Zeit, Klarinette zu lernen. Daher habe ich großen Respekt vor den Musikern unserer Symphoniker.“ Krabbe hingegen ist eher zufällig zu ihrem Instrument mit dem etwas klagenden Ton gekommen. „Das Jugendmusikorchester in Bocholt hatte seinerzeit Bedarf an Fagott-Spielern, und so wurde ich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte“, sagt die 54-Jährige. Die Tradition in Remscheid, dass die Kinder in den Grundschulen Besuch von Musikern der Symphoniker bekommen, um so deren Instrumente kennenlernen zu können, habe es in ihrer Heimatstadt nicht gegeben. „Ich finde das toll und mache das auch immer sehr gerne, wenn ich an der Reihe bin“, sagt die zierliche Musikerin mit dem großen Instrument lächelnd.

Ihr Instrument sei sehr vielfältig, betont die 54-Jährige. „Es ist gar nicht so selten, wie man meint. Wenn man sich ein bisschen mehr damit beschäftigt, stellt man fest, dass es öfter vorkommt als in Sergej Prokofjews ‚Peter und der Wolf‘“, sagt Krabbe. Und Holthaus ergänzt lachend: „Ja, das kenne ich natürlich auch.“ Dennoch sagt die Musikerin, dass man sich ein wenig besonders fühle, wenn man ein Instrument spiele, das eher selten vorkomme. Das Fagott ist ein großes Instrument, das für Kinder nicht gerade einfach zu erlernen ist, sagt Krabbe. „Zu meiner Zeit gab es auch noch keine Kinder-Instrumente wie heute. Ich spiele es aber wirklich gerne.“

Eine weitere Parallele zwischen Paten und „Patenkind“, wie sich Krabbe schmunzelnd selbst bezeichnet, sei der Teamgedanke, wie Holthaus anmerkt: „Die beste Idee ist ohne das entsprechende Netzwerk nichts wert.“ Nur so könne bürgerschaftliches Engagement funktionieren – und auch nur im Team könne die Musik der Symphoniker erklingen. „Ich mag die modernen Sachen schon, die unser Orchester immer wieder im Programm hat. Aber eigentlich gefällt mir das Ältere besser, Musik von Bach oder Mozart etwa“, sagt Holthaus.

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Was für den Konzertbesucher Holthaus der Musikgenuss ist, ist für die Orchestermusikerin Krabbe Arbeit. „Die Akustik im Teo Otto Theater ist eine andere als in Solingen, es ist hier nicht ganz so einfach zu spielen“, sagt die 54-Jährige. Das Spielen an zwei Spielstätten sei aber gut, denn es halte das Orchester fit und mache die Musiker flexibel.

Für sie sei es besonders schön, einmal Besucher wie Alexander Holthaus persönlich kennenzulernen, sagt Krabbe: „Es ist sehr interessant, weil man als Musiker eben doch einen ganz anderen Blickwinkel auf die Musik hat als das Publikum.“ Daher gehe sie immer wieder nach den Konzerten ins gegenüber dem Theater befindliche Bistro Miro: „Da treffen Musiker nach dem Konzert auf Besucher – das ist sehr schön.“

Das sei ja auch einer der beiden wesentlichen Gedanken, die hinter der Musiker-Patenschaft stecke, sagt Harald Lux, Vorsitzender der Remscheider Orchesterfreunde: „Einer ist es, Geld für das Orchester aufzubringen. Der andere aber eben auch, das Orchester bürgernah zu machen.“

Und wer weiß, vielleicht begegnen sich künftig noch weitere Paten und Patenmusiker in diesem Sinne.

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