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Bergische Symphoniker: Orchester im Rumpfformat wieder auferstanden

Konzert in Remscheid : Orchester im Rumpfformat wieder auferstanden

Sekt gab es aus Dosen. Fürs Publikum und für die Musiker. Ein freundlicher Stilbruch, der gute Laune bereiten sollte beim Konzert der Bergischen Symphoniker zum Abschluss einer Saison, die das Orchester kurz in der Versenkung hat verschwinden lassen.

Die Wiederauferstehung gelang auch nur im Rumpfformat. Etwa 25 der 64 Musiker durften aus der Kurzarbeit wieder auftauchen. Freudig begrüßt vom 100-Personen-Publikum, das abstandsgetreu platziert mit großer Beinfreiheit das Geschehen verfolgte. Es fühlte sich ungewohnt, aber nicht schlecht an.

Die Musiker spielten kein Philharmonisches Konzert, auch keine Bearbeitung für kleines Orchester irgendwelcher großen Symphonien. Generalmusikdirektor Daniel Huppert wählte Partituren, die für einen kleineren Kreis von Instrumenten – vornehmlich Streicher – konzipiert waren. Zwei Stücke des ganz jungen Mendelssohn Bartholdy und eine Komposition des Franzosen Jacques Ibert.

Eine weise Entscheidung. Mit Iberts „Divertissement“ hat Huppert einen Zauberstab ausgegraben. Als Zuhörer kommt man in dieser kunstvollen Satire auf die große Ernsthaftigkeit klassischer Musik kaum mit, so hin- und hergerissen wird man auf diesem schwankenden Kahn. Klavier, Celesta, Holzblock, Tamburin, Trillerpfeife und Kammerorchester. Da ballt sich ganz schön was zusammen. Nach der „Introduction“, die wie eine Miniatur-Ouvertüre zu einer Komischen Oper wirkt, verballhornt Ibert Felix Mendelssohn Bartholdys „Hochzeitsmarsch“ aus dessen „Sommernachtstraum“.

Das „Nocturne“ hält nicht seinen anfänglichen Ernst, und die „Valse“ liebäugelt ebenso mit Spieldosenmusik wie mit dem schwingenden Johann-Strauss-Walzer. Die Musik stolpert in aberwitzige Rhythmen und setzt unvermittelt zu einer Vollbremsung an. Die meisten Musiker spielen im Stehen, und Huppert sieht zu, dass der ganze Laden nicht auseinanderbricht. Für ein paar Minuten ist die Welt der Masken und Viren vergessen, und selbst der lauwarme Sekt aus Dosen schmeckt weniger unangenehm als befürchtet.

Die Violinistin Hyeyoon Park reiste aus London an, um mit den Symphonikern das Violinkonzert in d-Moll von Mendelssohn-Bartholdy zu spielen. Das Werk des 13- Jährigen besticht durch die vielfarbigen Dialoge zwischen der Solistin und dem Orchester. Die Koreanerin bringt viel Energie mit. Die romantisch verschleierten Stellen lässt sie geheimnisvoll schimmern, die virtuosen Partien meistert sie mit Eleganz. Das Publikum war den Musikern herzlich zugetan. So dass sich Huppert selbst zu einer Zugabe hinreißen ließ.