Bergische Symphoniker: Hoher Pulsschlag vor dem Einsatz

Bergische Symphoniker : Hoher Pulsschlag vor dem Einsatz

Peter Kett hat das Vorspiel für eine Stelle als Trompeter bei den Bergischen Symphonikern gewonnen. Auf dieses Ziel hat er lange hingelebt.

Hinter einer Wand entscheidet sich das Schicksal mancher Musiker. Manchmal besteht sie nur aus einem Vorhang. Bei den Bergischen Symphonikern ist es ein schäbiges Brettergestell, hinter dem die Kandidaten für eine der begehrten Positionen im Orchester spielen. Es zählt nur der Klang des Instruments. Die anderen Orchestermusiker sollen lediglich hören, wie ein Kandidat sein Instrument beherrscht. Auftritt und Aussehen dürfen keine Rolle spielen. Die Stellen für Trompeter sind rar. Ein Orchester wie die Bergischen Symphoniker beschäftigen nur drei.

Die frohe Botschaft, der Auserwählte zu sein, erreichte Peter Kett kurz nach seinem Probespiel, das nun bereits ein paar Monate zurückliegt. Gegen 40 Bewerber hat sich der in der ungarischen Stadt Mohàcs geborene Musiker durchgesetzt. Dabei hatte er zunächst gar keine Lust gehabt, sich zu bewerben. Die Position der zweiten Solotrompete war als halbe Stelle ausgeschrieben. „Eine halbe Stelle war mir zu wenig.“

Als Student an der Musikhochschule in Frankfurt gab es nur ein Ziel: am Ende des Studiums zu Probespielen eingeladen zu werden und eines zu gewinnen. Das wünschte sich auch Kett. Von Anfang an. Für dieses Ziel hat er geübt, geübt und geübt. „Ich habe vergessen zu leben“, sagt er rückblickend. Sechs bis acht Stunden am Tag proben. Feilen am Klang. Einstudieren von Solostellen in der klassischen Literatur. Jazz-Trompete kam für ihn nicht in Frage. Der klassischen Trompete gehörte sein Herz. Schon als kleiner Junge in seiner ungarischen Heimatstadt. Auch dort kannte er das Wort Freizeit nicht. Seine einzigen freien Stunden in der Woche, in denen es weder Schule noch Musikunterricht gab, war der Sonntagnachmittag. „Mein Lehrer war wahnsinnig streng, aber ich verdanke ihm alles“, sagt Kett heute.

Er hat nicht gezweifelt, einmal Orchestermusiker zu werden. Trotz enormer Konkurrenz. Deutschland habe die besten Universitäten und die besten Arbeitsmöglichkeiten für Musiker. Als er nach dem Abitur nach Frankfurt zog, wo bereits sein Bruder Trompete studierte, sprach er nur ein paar Brocken Deutsch. Für die Aufnahmeprüfung hat er sich reingehängt: „Ich wollte so Deutsch sprechen lernen, dass man nicht hört, dass ich aus Ungarn komme“, sagt Kett. Seinem Ziel ist er erstaunlich nahe gekommen.

Musiker leben wie Leistungssportler. Ohne Disziplin, Ausdauer und Durchhaltekraft lässt sich das Talent nicht entwickeln. Das Haydn-Konzert für Trompete müssen alle Trompeter im Schlaf spielen können. Bei Probespielen gehört es zum Pflichtprogramm. Wer danach noch nicht raus ist, spielt ausgewählte Orchesterstellen. Neben Können und Ausdruckskraft zählt die Klangfarbe bei der Entscheidung. Der Kandidat muss zu der Bläsergruppe passen, sich einfügen, ein transparentes Klangbild formen. Das war bei Kett der Fall. Zum Glück. „Mein Klang ist eher etwas dunkler“, sagt Klett.

Vielleicht gab am Ende auch die klangliche Gemeinsamkeit mit dem ersten Solotrompeter Ferenc Mausz den Ausschlag. Er hat das Trompetenspiel an der gleichen Musikschule in Ungarn gelernt wie Kett. Fünf Jahre älter ist Mauzs. Kett und er hatten sich nie ganz aus den Augen verloren. Und Mausz war es auch, der ihm empfahl, sich im Bergischen zu bewerben. Aus der halben Stelle könnte bald eine ganze Stelle werden. So kam es dann auch.

Nach der Probezeit hat das Orchester Kett als festes Mitglied bestätigt. Die jüngste Neubesetzung. Es gab nur zwei Enthaltungen. Untersuchungen zeigen, dass die Solotrompeter den höchsten Pulsschlag aller Musiker vor ihrem Einsatz haben. Sie gehören zu den Solisten und haben im Vergleich zu anderen Instrumentengruppen wenige Einsätze. Häufig heißt es, Takte zählen, und wenn es 240 hintereinander sind. Ein falscher Einsatz, ein falscher Ton bei der Trompete – den hört man bis in die letzte Reihe des Saals. Violinen können sich da schon mal wegducken.

Kett ist froh, keine Probespiele mehr machen zu müssen. Der Übungsmarathon ist vorbei. Heute übt er effektiver und entspannter, sagt er. Und hat Zeit für anderes. Vor allem für Sport. Er ist durchtrainiert. Er treibt Leichtathletik, fährt Rad, läuft, macht Kraftübungen. Er liebt das Trompetenspiel. Aber andere Künste will der 27-Jährige auch ausprobieren. Malen und Fotografieren. Er restauriert gerne, und Psychologie sei auch ein interessantes Fach. Trompeter bei den Berliner Philharmonikern zu werden, ist nicht sein Ziel. „Das Vorspiel könnte ich schaffen, aber der Druck danach ist zu hoch.“ Eher kann er sich vorstellen, den Beruf des Profimusikers irgendwann aufzugeben, und etwas anderes zu machen. So wie sein Bruder. Der studierte ebenfalls Trompete und hat nun ein Informatik-Studium drangehängt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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