Bergische Symphoniker: Ein Konzert, drei Dirigenten

Bergische Symphoniker : Ein Konzert, drei Dirigenten und eine überflüssige Plauderei

Als die Studentin Bar Avni vor zwei Jahren im Probenraum der Bergischen Symphoniker stand, musste sie den ersten Satz von Beethovens zweiter Sinfonie dirigieren.

Als die Studentin Bar Avni vor zwei Jahren im Probenraum der Bergischen Symphoniker stand, musste sie den ersten Satz von Beethovens zweiter Sinfonie dirigieren. Die anspruchsvolle Aufgabe meisterte sie am besten von vier Bewerberinnen und gewann das Stipendium der Orchesterakademie der Bergischen Symphoniker. Nun stand sie anlässlich des Geburtstages „20 Jahre Orchesterakademie“ wieder vor den Musikern und dirigierte erneut Beethoven. Seine Ouvertüre aus dem Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“.

Beethoven klingt bei ihr leicht und flüssig. Alle Schicksalsschwere verfliegt. Mit den Fingern der linken Hand wibbelt sie hin und her, um das Surren der zweiten Geigen zu dämpfen und kleine Klangtreppen zu bauen.

Drei Handschriften konnten die Besucher des Geburtstagskonzertes im Teo Otto Theater kennenlernen. Mit Bar Avni und Silke Löhr standen zwei Frauen am Pult, die den Erfolg der Akademie verkörpern. Mit Daniel Huppert der Generalmusikdirektor, der an dieser Nachwuchsförderung festhalten will.

Avni dirigiert mit geschmeidigen Körperbewegungen. Dem ersten Konzertmeister wird nicht wie üblich die Hand geschüttelt, sondern es geht ohne große Verbeugung direkt los. Bei Silke Löhr, die erste Frau, die ein Stipendium der Akademie bekam, sieht das alles ganz anders aus. Souveräner, reifer, rationaler. Die Schubertouvertüre „Im italienischen Stil“ leuchtet sie exakt aus. In der Präzision liegt die Schönheit.

Während ihres Studiums hat Silke Löhr die Blumenvasen und die Yucca-Palmen in ihrer Studentenwohnung dirigiert, um sich eine Partitur zu erarbeiten. „Man kann sich noch so viel vorstellen, es zählt am Ende nur die Praxis“, erzählt sie.

Wie weit man es als Stipendiat der Orchesterakademie bringen kann, beweist der Hornist Marcel Sobol. Unter Leitung von Huppert blies er das Konzert für Horn und Orchester Nr.1 von Richard Strauss. Aus seinem eigentlich sehr forschen Instrument steigen die Töne wie Luftblasen auf und schweben im Raum. Huppert lässt den Solisten und das Orchester gemeinsam atmen, so dass im Adagio des zweiten Satze das Koordinatensystem der Zeit sich in Wohlgefallen auflöst. Beifall im Stehen für den Solohornisten des WDR-Rundfunkorchesters.

Von guten Ideen und Projekten soll man erzählen. Vor allem, wenn Jubiläen Anlass geben. So hat die Orchester GmbH dem Journalisten Horst Kläuser die Moderation des Konzerts übertragen. Launige Plaudereien, aber total überflüssig. Das Heft über die „Talentschmiede der Bergischen Symphoniker“, das an die Zuhörer verteilt wurde, druckt ein Interview von Kläuser mit dem Akademievorstand ab. Fast dasselbe fragt er auf der Bühne noch einmal. Zeitverschwendung.

Bizets erste Sinfonie teilten sich die beiden ehemaligen Stipendiatinnen wieder. Jede dirigierte zwei Sätze. Für die zerbrechliche Klangstruktur zeigten sie feines Gespür. Vom Herzschlag der Oper „Carmen“ ist die Sinfonie weit entfernt. Sie fließt in ruhigeren Gewässern. Brillant das Spiel von Michael Forster an der Oboe.