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Bergische Symphoniker begeistern beim Neujahrskonzert

Bergische Symphoniker : Musikalische Neujahrsgrüße aus Wien

Die Bergischen Symphoniker läuteten am Samstagabend vor vollem Haus im Teo Otto Theater das neue Jahr mit einem beschwingten Programm ein. Am Solo-Sopran brillierte zudem Katharina Ruckgaber.

Was dem einen ein zünftiges Feuerwerk zum Jahreswechsel ist, ist dem anderen ein Konzert mit beschwingten Walzer- und Polkaklängen. Bestenfalls mit den Wiener Philharmonikern im Großen Saal des Musikvereins in der österreichischen Hauptstadt. Eine Nummer kleiner, aber kaum weniger beseelt, ging es am Samstagabend im Teo Otto Theater beim Neujahrskonzert der Bergischen Symphoniker zu.

Die Überschrift für das rund zweistündige Konzert vor vollen Rängen lautete: „Blau liegt Wien an der Donau“. Das wiederum ließ den bestens aufgelegten Gastdirigenten Gregor Rot, selbst Wiener, süffisant kommentieren: „Das stimmt vielleicht heute nicht mehr, aber rund um den Jahreswechsel ist das schon richtig.“

Die Symphoniker hatten ein dazu passendes Programm mitgebracht, „ganz im Stil des Wiener Neujahrskonzerts“, wie Rot anmerkte. Johann Strauss, der Walzerkönig selbst, stand dabei ganz im Mittelpunkt. Und so ging es direkt ganz passend mit der „Waldmeister-Ouvertüre“ los. Der musikalische Donaukahn legte ab und nahm Fahrt auf. Der leicht verschleppte Dreivierteltakt ließ erahnen, dass eine winterliche Donau mitunter starken Wellengang hat. Für Harmonie auf dem Boot sorgten dann aber schnell die wunderschön intonierten Flötensoli.

Frühling wurde es dann beinahe, als die Polka „Im Krapfenwaldl“ mit herrlichem Uhu- und anderem Vogelgesang für gute Laune im Publikum sorgte. Das war übrigens wunderschön gekleidet, ganz dem Anlass angemessen, und begegnete der Johann-Strauss-Werkschau, die nur durch vereinzelte Stücke von Franz Lehar, Robert Stolz oder Josef Strauss ergänzt wurde, mit ebenso durchgehendem wie dankbarem Applaus.

Besonders auch bei den Auftritten der Freiburger Sopranistin Katharina Ruckgaber. Die betrat mehrfach im dunkelroten Abendkleid die Bühne, lächelte und begeisterte mit ausdrucksstarkem und kraftvollem Gesang. Etwa bei „Draußen im Sievering blüht schon der Flieder“ aus der Operette „Die Tänzerin Fanny Elßler“ oder „Spiel ich die Unschuld vom Lande“ aus „Die Fledermaus“. Gerade bei letzterem Stück wurde auch das komische schauspielerische Talent der Sopranistin deutlich. Mimik, Gestik und Gesang ergaben hier eine brillante Einheit, bei der selbst der Gattung der Operette eher ferne Besucher deren Zauber verspüren konnten.

Zwischendurch kommentierte Rot  das musikalische Geschehen – und man hätte sich lediglich ab und zu einen ausgeprägteren Wiener Schmäh gewünscht. Denn dann wäre die österreichische Illusion in Remscheid perfekt gewesen. Wenn etwa das „Plappermäulchen“ von Josef Strauss mit ulkigen Ratschen und anderen Perkussionsinstrumenten nachgeahmt wurde. Oder wenn in der Ouvertüre zur Operette „Zigeunerbaron“ zuerst dramatische Töne erklangen, die sich im weiteren Verlauf des Stücks jedoch zum besten Dreivierteltakt-Swing des Wiener Walzers wandelten. Oder wenn das Orchester sein Publikum mit der schmissigen „Champagner-Polka“ inklusive simulierten Korkenknallens in die Pause entließ.

Die zwei Stunden vergingen folglich wie im Flug. Beinahe hörte man ein kollektives „Oh, nein“ aus dem Publikum, als Rot mit einem ungarischen Gruß von Johann Strauss „das letzte reguläre Stück des Abends“ ankündigte. Großartig, wie sich Ruckgaber mit Champagner-Flöte in der Hand über die Textzeile „Fast könnt das ein Schwipserl sein, doch es ist kein Schwips, oh nein“ singend totlachte.

Mit der herrlich süffigen und von einer erneut wunderbar komödiantischen Katharina Ruckgaber präsentierten „Annen-Polka“ folgte die erste von drei Zugaben. Denn so groß das Strauss-Repertoire auch sein mochte – der Walzer „An der schönen blauen Donau“ und der „Radetzky-Marsch“ durften natürlich nicht fehlen. Genau wie ein nicht enden wollender Schlussapplaus.