Bei "Jokebox" geht noch mal die Post ab

Remscheid : Bei "Jokebox" geht noch mal die Post ab

Nach 27 erfolgreichen Jahren löst sich die Coverband Ende des Jahres auf. Für 2018 haben sich die acht Musiker aber viel vorgenommen. Auf ihrer Abschiedstournee werden "Jokebox" manche Stätten großer Begeisterung ansteuern.

Irgendein Besucher schreit immer nach "Sexy". Bis heute. Auch nach 26 Jahren wird Westernhagens Mitgröl-Hymne von "Jokebox" lautstark gefordert. Die bergische Band gründete ein Genre, das es Anfang 1992 nicht gab: den Coverrock. "Wenn wir gefragt wurden, was wir machen, haben wir gesagt: Wir spielen die Musik der Rockgrößen", erinnert sich Sänger Ralf Becker. Mit Keyboarder Peter Schlett bildete der Wermelskirchener seit Beginn die Konstante bei "Jokebox".

Dieses Jahr biegt die achtköpfige Band auf die Zielgerade ein. Noch einmal wird das Gaspedal durchgetreten. Bis zum 10. November, dem Schlussakkord. In der Katt-Fabrik in Wermelskirchen findet im kleinen Saal das letzte Konzert statt. Davor soll noch einmal eine bewegte Saison mit mindestens 20 Auftritten liegen.

Beliebt, geschätzt, begeistert aufgenommen, nicht selten ausverkauft. So sah es auch 2017 aus. Warum gerade jetzt Feierabend? "Es ist der richtige Zeitpunkt, das Projekt zu Ende zu bringen", verkündet die Band auf ihrer Homepage. "Es wird immer schwieriger, Veranstalter zu finden, die Geld für Qualität ausgeben. Der Markt mit Coverbands ist völlig gesättigt", präzisiert Sängerin Verena Köplin beimGespräch im Proberaum, den Jokebox im Keller der ehemaligen Logo-Flex-Fabrik in der Kratzberger Straße eingerichtet hat.

Die überhitzte Branche kennt Auswüchse wie "Pay to play". Wer als Band vor Publikum spielen will, löhnt an den Veranstalter. Dass "Jokebox" noch gut im Rennen sind, verdanken sie Conny Windt, der guten Fee der Band, die im Hintergrund als Managerin Auftritte möglich macht und der Band den Rücken freihält. "Manche Veranstalter kapitulieren vor den immens hohen Auflagen für Security, Absperrungen und Vergnügungssteuer", nennt Windt einen weiteren Aspekt. Bis zu 300 bis 400 Bewerbungen pro Jahr jagte sie raus. "Auf zehn Ablehnungen kommt eine Zusage", beziffert Becker das Ergebnis.

Gitarrist Peter Nica stellt fest: "Wir wollen aufhören, wenn wir voll im Saft stehen und nicht vor 100 oder weniger Zuschauern spielen müssen." Der Burscheider in dem weitgehend durch Remscheider und Wermelskirchener geprägten Bandgefüge räumt auch ein: "Bei acht verschiedenen Musiker-Charakteren gibt es unterschiedliche Auffassungen über die Richtung." Nach 26 Jahren hat sich "Jokebox" musikalisch ein Stück auseinandergelebt. Ebenso ist der Wunsch da, den Urlaub nicht mehr nach dem Jokebox-Kalender richten zu müssen.

850 Konzerte mit 1000 unterschiedlichen Stücken aus der Rock- und Pophistorie hat die bemerkenswerte Band über die Jahrzehnte für ihre Fans angestimmt. Von Robbie Williams "Angels" bis zu Rammsteins "Engel". "Jokebox" sind viel mehr als die klassische Coverband. Sie stehen für Anspruch, aufwendige Bühnenshows, die Bereitschaft, sich Herausforderungen zu stellen, sich probenintensiv auf Neues einzulassen. Die Unplugged-Schiene im intimen Katt-Rahmen gehörte dazu. Im Endspurt 2018 entfällt Unplugged, denn im Frühjahr steht das dritte "Classic meets Pop" in der Dabringhausener Mehrzweckhalle an (4./5. und ggf. der 6. Mai). Alle vier Jahre vereint der Brückenschlag 200 Musiker auf der Bühne.

"Jokebox" reihen sich in einen Projektchor, das Blasorchester Dabringhausen und das Sinfonieorchester der Musikgemeinde Wermelskirchen ein. Notenversierte treffen auf Rockmusiker, die nach Gehör spielen und aus dem Bauch ihre Inspiration ziehen. Anfangs ließ es "Jokebox" beim bis ins Detail geplanten Jahres-Abschluss im Bürgerzentrum Wermelskirchen krachen. Mittlerweile ist die Katt ihre gute Stube.

Auf ihrer Abschiedstournee, die sie bis zum Stadtfest in Siegen führen wird, werden "Jokebox" manche Stätten großer Begeisterung noch mal ansteuern. Sie werden beim Fest der Feuerwehr Nord (9. Juni) in der Haddenbach sein, beim Rader Stadtfest (12. Mai), Altstadtfest in Hückeswagen (8. September) und Löwenfestival auf dem Theodor-Heuss-Platz (23. August).

Bei dem Open Air vor dem Rathaus traten sie zweimal auf. 2017 war der Platz rappelvoll. Über 4000 Zuhörer kamen. "Kasalla hatten zuvor nicht mehr", sagt Ralf Becker nicht ohne Stolz.

(AWe)