Fußball: Barrier Reef statt Bergisches Land

Fußball : Barrier Reef statt Bergisches Land

Der Abwehrspieler des Fußball-Landesligisten FC Remscheid bricht seine Zelte in der Heimat ab und fliegt am 26. Januar nach Australien.

Irgendwie kann man sich gar nicht vorstellen, dass Sie sich künftig nicht mehr für den FC Remscheid den Allerwertesten aufreißen.

Suchanoff Das ist aber so. Am 26. Januar geht mein Flieger nach Abu Dhabi und von dort weiter nach Australien. Ich habe ein Work-and-Travel-Visum, das für ein Jahr Gültigkeit hat. Ob ich so lange bleibe, wird man sehen. Ich bin auf jeden Fall erst einmal weg.

Was war der Auslöser? Sie sind 26 Jahre, haben Ihren Meister als Autolackierer und sind in Lohn und Brot. Da muss man erst einmal auf die Idee kommen, alles aufzugeben und alleine die Welt zu bereisen.

Suchanoff Ich habe in letzter Zeit ein wenig die Begeisterung für meinen Beruf verloren. Das Feuer war nach zehn Jahren in dieser Tätigkeit etwas raus. Jetzt bin ich in einem Alter, wo man noch einmal etwas anderes tun kann. Ich habe keinerlei Verpflichtungen. Irgendwie fühlt es sich nach einer letzten Möglichkeit an.

Die Flüge sind nicht billig. Und leben müssen Sie in Australien ja auch.

Suchanoff Ich wohne derzeit bei meinem Vater in Dhünn und konnte deshalb schon ein bisschen etwas sparen. Die Flüge sind bezahlt. Danach dürfte ich die ersten ein oder zwei Monate mein Auskommen haben. Danach muss ich dann etwas verdienen. Vielleicht bei einem Hilfsjob auf einer Plantage oder in meinem gelernten Beruf. Mal sehen.

Warum muss es gerade Australien sein?

Suchanoff Das Great Barrier Reef hat es mir schon lange angetan. Ich will dort tauchen. Zudem gelten die Australier als locker und gastfreundlich. Ich werde mit einem großen Rucksack auf Reisen gehen. Für die erste Woche haben ich ein Hotel gebucht. Die Zeit will ich nutzen, um ein Bankkonto zu eröffnen und eine Steuernummer zu beantragen. Und dann muss man sehen, ob ich Anschluss finde oder mich alleine durchschlagen werde.

Ist Ihre Familie nicht traurig?

Suchanoff Meine Eltern sind schon etwas betrübt, aber sie unterstützen mich in dem, was ich tue. Außerdem weiß ich ja noch nicht, wie lange ich weg bin. Vielleicht bin ich nach zwei Monaten auch wieder daheim. Aber das glaube ich nicht.

Wird Ihnen der Fußball nicht fehlen?

Suchanoff Das wird in den ersten Wochen bestimmt etwas schwierig ohne Fußball. Ich hoffe, dass ich da auch etwas machen kann in einem Verein. Die Gefühle sind auf jeden Fall gemischt.

Sie haben bei Ihrem letzten Spiel für den FCR noch einmal reingeklotzt als gäbe es kein Morgen.

Suchanoff In meinen viereinhalb Jahren beim FCR habe ich überwiegend Positives erlebt. Deshalb wollte ich mich nicht lumpen lassen.

Haben Sie sich inzwischen beim Verein abgemeldet?

Suchanoff Nein, das habe ich bislang noch nicht. Ich weiß auch nicht, ob ich es machen werde.

Man hat das Gefühl, beim FCR kehrt nie Ruhe ein. Können Sie das bestätigen?

Suchanoff Man hat ein wenig das Gefühl, der Verein zieht die Probleme magisch an.

Erklären Sie doch bitte mal, warum der FCR nach der herausragenden Saison in der Bezirksliga jetzt Schlusslicht in der Landesliga ist. Was schließlich einen Trainerwechsel nach sich gezogen hat.

Suchanoff Da sieht man einmal, wie instabil so ein Gebilde sein kann. Der Erfolg hat über viele Dinge hinweggetäuscht. Es ist auch im Aufstiegsjahr nicht alles nur rosig gewesen.

Was bedeutet das konkret? Sie waren jemand, der sich für Zdenko Kosanovic ausgesprochen hatte, als sein Stuhl vor Monaten schon einmal wackelte.

Suchanoff Ich fand das Ganze unfair. Innerhalb der Mannschaft gab es schon seit längerem Spannungen, aber wir waren nicht zerstritten. Nicht jeder konnte mit Kosas Kritik umgehen. Ich habe auch mein Fett weggekriegt, aber ich habe das akzeptiert. Unter dem Strich glaube ich, dass niemand gegen den Trainer gespielt hat. Aber es hat auch nicht jeder alles gegeben.

Jetzt ist Acar Sar der neue Verantwortliche an der Seitenlinie. Wie haben Sie ihn in den ersten Wochen erlebt?

Suchanoff Acar hat durch seine Art frischen Wind reingebracht. Er macht viel über das Verbale und hat das in der bisherigen Zeit gut hingekriegt. Man merkt, dass viele gewillt sind, wieder Gas zu geben. Für die Partie beim Tabellenzweiten Nettetal hat er uns sehr gut eingestellt. Ich glaube, es wird zur Rückrunde funktionieren mit ihm.

Glauben Sie denn daran, dass der FC Remscheid die Klasse halten kann?

Suchanoff Nur dann, wenn sich am Kader etwas tut. Er ist viel zu dünn geworden. Anfangs waren wir 24 Leute beim Training, jetzt meist nur 13 oder 14. Dass Aleksandar Stanojevic mit einem Wechsel nach Cronenberg liebäugelt, ist ein offenes Geheimnis. Florim Zeciri und Bedri Mehmeti stehen meines Wissens auch vor dem Absprung. Und ich bin ab sofort ebenfalls weg. Mut macht die neue Konstellation im Vorstandsbereich. Bernd Koch hätte sich bestimmt nicht zum Vorsitzenden wählen lassen, wenn er nicht weitere gute Leute an seiner Seite hätte.

Werden Sie Kontakt zum FC Remscheid halten?

Suchanoff Zu den Jungs bestimmt. Und zum SSV Dhünn und zu meiner Skitruppe.

(RP)
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