„Barfen“ in Remscheid : Melanie Scholz mischt Leibspeisen für Paul und Co.

Melanie Scholz zaubert Köstlichkeiten aus rohem Fleisch für Hunde und Katzen. Mit ihrem Unternehmen „Frischfüttern“ folgt sie ihrer Überzeugung, dass Hunde Fleischfresser sind.

Seit Paul aus der großen Frischküche im Erdgeschoss die köstlichsten Gerüche wahrnimmt, hegt er einen Traum. Der 15-jährige Labrador-Rüde würde zu gerne einmal nach Herzenslust in dem geheimnisvollen Raum schlemmen.

„Er weiß genau, was los ist“, sagt Melanie Scholz lachend. Und genau deswegen darf Paul eben nicht die Türschwelle zur Küche übertreten. Denn in den Schubladen unter der verchromten Arbeitsplatte verbergen sich all jene Köstlichkeiten, von denen Paul träumt: Pansen, Leber, Muskelfleisch und Fisch, dazu rohe, fleischige Knochen. Außerdem hat Melanie Scholz Apfel und Birnen in kleine Stücke geschnibbelt und dazu eine Schublade mit geschnittenem Gemüse gefüllt.

An der Arbeitsplatte in der großen Industrieküche verarbeitet sie jede Woche rund 525 Kilogramm frisches, individuell zubereitetes Tierfutter. 186 Eier finden hier jede Woche den Weg in die kleinen Töpfe für Sam und Bello, für Vasko und Louise. Was unter dem Stichwort „Barf“ – das bedeutet so viel wie biologisch artgerechte Rohfütterung – inzwischen bei vielen Hundehaltern zum Thema wird, hat Melanie Scholz optimiert. Sie bietet Leibspeisen aus rohem Fleisch an, aus regionalen Produkten, für jeden Tag einzeln portioniert und auf jeden tierischen Kunden individuell abgestimmt. An jeder Stellschraube kann sie drehen und so auf Allergien oder Gesundheitsprobleme reagieren.

Gerade macht sich die Futterexpertin, die sich inzwischen zur Ernährungberaterin hat ausbilden lassen, an die Drei-Wochen-Ration für Sam. 21 kleine, weiße Töpfe stehen bereit, dazu die Deckel mit Etiketten. „Wir legen Wert auf Abwechslung“, sagt Melanie Scholz, „deswegen haben wir ein System entwickelt, die Töpfe so zu füllen, dass die Tiere nicht jeden Tag das gleiche Futter bekommen.“

Mal mischt sie Leber mit Gemüse und Obst. Dann mischt sie Fisch mit den entsprechenden Beilagen, gibt Öl oder auch mal Eier dazu und füllt so mit und mit jeden Topf bis zum Rand. Auf dem Etikett vermerkt sie den Inhalt und dann landen die Töpfe in grünen Pfandkisten, die im Tiefkühlraum untergebracht werden. Am nächsten Tag werden ihre Mitarbeiter das Futter ausliefern. „Selbst Hunde, die den Postboten vergraulen, werden freundlich, wenn sie unsere grünen Kisten sehen“, sagt Melanie Scholz und lacht. Die Hundehalter müssen dann pro Tag nur noch einen Topf aus dem Tiefkühlfach nehmen, auftauen, nach Belieben umrühren und servieren.

„Als ich vor fast zwölf Jahren Paul aus dem Tierheim holte, gab man mir einen großen Sack Trockenfutter mit“, erinnert sich Melanie Scholz. Damals habe sie erst ihren Hund angesehen, dann die Tüte und gewusst: „Das passt nicht.“ Hunde seien Fleischfresser, ihre Anatomie darauf angelegt, Fleisch zu verdauen. Also ging die studierte Biologin zum Metzger und kaufte Paul erst mal eine Portion Fleisch – sehr zur Freude des Hundes.

In den Jahren darauf kam sie mit vielen Hundehaltern ins Gespräch und entdeckte: „Oft ist es Unsicherheit, die Menschen davon abhält, ihre Tiere mit Rohfleisch zu füttern. Oder es ist ihnen unangenehm, in ihrer Küche Pansen zu verarbeiten.“ Also beschloss Melanie Scholz, diese Lücke zu füllen – erst in ihrem Elternhaus, seit anderthalb in dem schmucken, neuen Holzhaus im Industriegebiet in Lüttringhausen. „Ich habe klein angefangen, hatte kaum Geld beim Start und habe schnell gemerkt, dass der Bedarf groß ist“, sagt sie.

Sie arbeitet mit Lieferanten aus der Region zusammen, achtet auf gute Lebensbedingungen für die Tiere und erklärt: „Wir wollen nicht, dass für uns Tiere geschlachtet werden.“ Vielmehr gehe es darum, zum Beispiel jene Teile zu verwenden, die für den menschlichen Verzehr eher nicht genutzt werden. Fies wird ihr die Arbeit mit dem rohen Fleisch nie. „Wir gehen hier mit viel Respekt mit dem Fleisch um“, sagt sie.

Und das scheint dann auch Paul zu schmecken. „Er ist nicht besonders anspruchsvoll“, sagt Melanie Scholz lachend. Nur Fisch, den mag er nicht.