Remscheid: Bankkaufmann ist kein Traumberuf mehr

Remscheid : Bankkaufmann ist kein Traumberuf mehr

REMSCHEID Blickt man nur auf die Zahlen, ist das Verhältnis zwischen Bewerbern und freien Ausbildungsstellen auf dem Remscheider Ausbildungsmarkt in perfekter Balance. 591 Schulabgängern standen Ende Mai 591 Ausbildungsstellen gegenüber.

Damit setzt sich der Trend der letzten Jahre fort, dass sich diese Werte immer mehr annähern. Treibende Kraft ist die Zahl der Schulabgänger, die seit 2012 (855) deutlich gesunken ist. "Wir sind auf dem Weg in einen Bewerbermarkt", sagte Martin Klebe, Chef der auch für Remscheid zuständigen Agentur für Arbeit Solingen / Wuppertal bei seinem Bericht im Schulausschuss.

Allerdings passen Angebot und Nachfrage nicht immer zusammen. "Die Stellenbesetzung wird immer schwieriger", sagte Klebe. So ist die Zahl der jungen Menschen, die sich für die sehr begehrte Ausbildung zum Industriekaufmann (bzw. zur Industriekauffrau) interessieren mit 51 höher als die Zahl der offenen Stellen (41). Auf 18 offene Stellen als Bankkauffrau/- kaufmann kommen dagegen nur sechs Bewerber. Der Ruf der bei den Schulabgängern mal sehr beliebten Ausbildung habe sehr gelitten, berichtete Klebe den Politikern. Die vielen Negativmeldungen über Stellenabbau bei den Banken zeigten Wirkung. Hinzu käme, dass sich das Berufsbild verändert habe. Der direkte Kontakt mit dem Kunden werde weniger, stattdessen stünden vertriebliche Aktivitäten im Mittelpunkt, die oft am Telefon erledigt würden. Drastisch ist das Verhältnis beim Berufbild des Maler und Lackierers. Hier weist die Statistik 21 offene Stellen, aber keinen einzigen Bewerber aus. Bei den Gebäudereinigern kommen auf 15 Stellen immerhin drei Interessenten.

Um auch schwächere Bewerber in eine Ausbildung zu bringen, bietet die Arbeitsagentur den Betrieben sogenannte "ausbildungsbegleitende Hilfen" an. Diese Maßnahme wirke gut, die Erfolgsquote liege bei 70 Prozent, sagte Klebe.

  • Remscheid : Ausbildungsmarkt - Remscheid bietet die besten Chancen
  • Solingen : Talfahrt auf Ausbildungsmarkt gestoppt
  • Erkelenz : Widersprüchlicher Ausbildungsmarkt

Die Ausbildungsquote liegt in Remscheid zwar über dem Landestrend, ist mit 23 Prozent aber niedriger als in den Vorjahren. Heißt in Zahlen: Von den 14.742 Betrieben in Remscheid bilden nur 3163 aus.

Um an ihre Wunschausbildungsstelle zu kommen, nehmen die Remscheider Schulabgänger auch weitere Wege in Kauf. 42 Prozent der Azubis aus Remscheid pendeln täglich in eine andere Stadt, um dort ihren Beruf zu erlernen.

Die jungen Menschen seien "flexibler geworden", berichtete Klebe im Schulausschuss. Besonders attraktiv für Remscheider ist der Bereich Mettmann und Düsseldorf. Remscheids Industriearbeitgeber wiederum ziehen Azubi-Pendler aus dem nördlichen Teil des Oberbergischen Kreises an.

(hr)
Mehr von RP ONLINE