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Remscheid: Ballett beweist Experimentierfreude

Remscheid : Ballett beweist Experimentierfreude

Das Bundesjugendballett und die Bergischen Symphoniker sorgten am Samstag für einen bewegenden Abend imRemscheider Teo Otto Theater - und zwar in mancherlei Hinsicht.

Als sich der Vorhang hebt, die Bergischen Symphoniker im Orchestergraben die ersten Töne auf den Weg in den Saal schicken, spannt Emiliano Torres jede Sehne, jeden Muskel an. Mehr als zwei Stunden lang wird er absolute Körperbeherrschung beweisen, Kraft und dabei eine Leichtigkeit, die das Publikum bewegt und begeistert zurücklassen wird.

Der junge Ballett-Tänzer wird unendlich viele Gefühle tanzen, wird Verzweiflung und Haltlosigkeit in Bewegungen verwandeln, Hingabe und das Werben um eine Frau, Liebe und Tod in Schritte, Hebefiguren und Pirouetten übersetzen. Gemeinsam mit Ricardo Urbina Reyes wird er eines der berührendsten Stücke auf die Bühne bringen, das erst am Abend zuvor in Solingen seine Premiere gefeiert hat: Broken Wings. Hani Mojtahedy wird dazu klagenden, berührenden Gesang zu Klaviertönen beisteuern. Und wie das bei echter Kunst so oft der Fall ist, wird der Besucher selbst dazu eine Geschichte entwickeln - von zwei Männern, deren Verzweiflung und Anziehung in gleichem Maße berühren, die sich stützen und zerstören und die von Seitenscheinwerfern in diffuses, wundervolles Licht getaucht werden.

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Körper werden zu Kunst, Musik wird zu Lebensmelodien: Und das gelingt den acht jungen Tänzern des Bundesjugendballetts und den Bergischen Symphoniker am Samstagabend im Teo Otto Theater eindrucksvoll. Zu den mal vor Leichtigkeit hüpfenden, dann vor Dramatik anschwellenden Tönen aus dem Orchestergraben fliegen die Tänzer über die Bühne. Jeans statt Tutu, Nebel und Lichtkegel und zuweilen rasende Geschwindigkeiten: Der deutsche Ballettnachwuchs zeigt, was er kann. Mal in der großen Gruppe, dann als Solo. Mal völlig synchron, dann wie ein wirbelndes Chaos, das sich auflöst in Harmonie - aber immer voller Energie und Körperspannung, voller Eleganz und Ausdrucksstärke. Die jungen Tänzerinnen scheinen zu fliegen, ihre Bewegungen vor Leichtigkeit zu strotzen.

Und als die begeisterten Zuschauer schon meinen, alles gesehen zu haben, was die jungen Tänzer aus Hamburg zu bieten haben, da beginnt die zweite Halbzeit - und mit ihr ein tänzerisches Experiment. Die Symphoniker werden zu Zuschauern, eine Band mit Cajón, Gitarre, Bass, Klavier und jungen Sängern übernimmt. Die Tänzer haben ihre eigenen Spuren in der Choreografie hinterlassen und sprechen ihre Botschaft jetzt auch aus: "Wir sehen hin", erklärt Charlotte Larzele eindringlich. Ungerechtigkeit, Gewalt und Zerstörung. "Wir sehen hin!" Und dann beginnt ein tänzerisches Plädoyer für Mitmenschlichkeit und Authentizität, für Neuanfänge und echte Gefühle, das berührt.

Die Musik ist inzwischen eher poppig, sie ist jung wie ihre Tänzer. Das komplette Team hat sich auf der Bühne versammelt. Die Männer und Frauen sitzen in Kisten, am Rande der Bühne, lehnen an der Wand - und wenn sie an der Reihe sind, dann zeigen sie ihr Können zu berührenden Tönen. Im großen Finale erkennen die Zuschauer die Seele des Bundesjugendballetts: Die Choreographie und die Texte stammen aus der Feder der Tänzer. Ausdruckstanz, eine Prise Rock dazu, ein Bäumchen wird gepflanzt. "Talkin' bout a Revolution - Lass uns über eine Revolution reden" haben die Tänzer ihr Finale genannt. Das Publikum jubelt, bedankt sich mit stehenden Ovationen und anhaltendem Applaus. Und wer die Tänzer sieht, der will glauben, dass ihnen die Revolution der Menschlichkeit gelingt.

(resa)