Remscheid: Aus Leidenschaft für den Film

Remscheid : Aus Leidenschaft für den Film

Erst testen, dann drehen. So lautet die Reihenfolge, mit der die Firma Roman Sky Pictures eigene Akzente in der Filmbranche setzen will. Die Remscheiderin Marie-Jeanne Widera hat sie mitgegründet.

Neue Gesichter, neue Ideen, neue Produktionsverhältnisse braucht der Film. Die Remscheiderin Marie-Jeanne Widera (31), Xavier Storma (35) und Julia Maria Roth (26) schlagen einen ungewöhnlichen Weg ein, um ihre Filmträume zu verwirklichen. Mit ihrer Produktionsfirma Roman Sky Pictures entwickelten sie ein Konzept, mit dem sie recht früh, anhand der Zuschauerreaktionen, feststellen können, ob ihre Filmidee Chancen auf ein Publikum hat. "Wir wollen vermeiden, dass unsere Filme floppen und wir viel Geld umsonst investiert haben", sagt Xavier Storma.

Der Pre-Produktion-Teaser soll Klarheit bringen, ob Thema und Ästhetik des Films ankommen bei den Zuschauern. Pre-Produktion-Teaser bedeutet, die Film-Crew dreht einige Szenen aus dem neuen Film und stellt sie vor. Das ist der Köder, den sie auslegen für Investoren und fürs Publikum. Beißen beide an, wird der Streifen produziert.

Die Lust am Schauspiel und die Leidenschaft zum Film verbinden Marie-Jeanne Widera und Xavier Storma miteinander. Auf einer privaten Schauspielschule in Düsseldorf haben sie sich kennengelernt. Und ziemlich schnell war ihnen klar, dass sie den etablierten Weg verlassen wollen. Das verlangt großen Einsatz.

Das Engagement verschlingt die gesamte Freizeit. Storma absolviert noch seine Ausbildung zum Facharzt und Widera bestreitet ihren Lebensunterhalt mit verschiedenen Jobs. Sie geben sich aber überzeugt, mit Roman Sky Pictures auch ihre berufliche Zukunft sichern zu können. "Wir stoßen auf so viel positive Resonanz und Interesse", sagt Widera.

Bei der Nennung von Namen wie "Deutsche Filmförderung" oder "Öffentlich-rechtliche Fernsehanstalten" verziehen die beiden ihre Gesichter - obwohl es die größten Geldgeber in der deutschen Filmszene sind. Langweilig, veraltet, überholt. "Mit denen möchten wir nichts zu tun haben", sagt Storma.

Ihr großes Ziel ist es, an Firmen wie Netflix und Amazon heranzutreten. Was bei der Produktion von Serien heute bereits funktioniert, soll auch auf den Kinofilm übertragbar sein. Dafür sind sie gerüstet. "Götterdämmerung" und "Mireille & Angelique" heißen die Titel der ersten beiden Produktionen, für die es Teaser gibt.

Die Filmcrew leistete professionelle Arbeit. Unbekannte Filmgesichter, unbekannte Drehorte. Die Sequenzen lassen die Atmosphäre der Filme erahnen, die Geschichten deuten sich an. Die eine spielt im Mittelalter, die andere zur Zeit der Naziherrschaft.

Die Schauspieler der Teaser bekommen keine Gage. Es ist schon schwierig genug, die Unkosten für Technik und Unterkunft zu finanzieren. Für eine Szene von einer Minute Länge fuhr die Crew an einem Wochenende nach Norwegen, um die authentische Einstellung mit einer Fjordlandschaft zu filmen. "Das waren mal eben über 2000 Kilometer", sagt Storma. Sie haben sich gelohnt.

Die beiden Filmschaffenden sind international gut vernetzt. Plötzlich melden sich Menschen aus China und interessieren sich für die Stickereien auf den Kleidern der beiden Schwerstern aus dem Mittelalterfilm. Am meisten gefreut hat die beiden eine E-Mail von Andrés Janerick. Für Star-Wars-Fans eine Institution. Er ist ein Line-Producer für Star Wars in Bolivien. Dort sucht er die Drehorte und Kulissen aus. Janerick schrieb, er fände die Ideen von Roman Sky Pictures interessant und würde gerne mitmachen. Der erste Test mit der Realität findet am 29. September im UCI-Kino im Düsseldorfer Hafen statt. Dort gibt es ab 12 Uhr eine große Teaser-Premiere. Die Einladungen sind geschrieben. Eine Agentur organisiert den Empfang für die Sponsoren. Danach gehen die Dreharbeiten los.

(RP)